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Plakat am Lamstedter Börde-Rathaus, mit dem zur Teilnahme an der Kommunalwahl am 13. September aufgerufen wurde. Die Wahlbeteiligung lag in der Börde Lamstedt bei mehr als 76 Prozent - und damit deutlich über der Wahlbeteiligung im Landkreis Cuxhaven (64,1 Prozent). Foto: Schröder
Plakat am Lamstedter Börde-Rathaus, mit dem zur Teilnahme an der Kommunalwahl am 13. September aufgerufen wurde. Die Wahlbeteiligung lag in der Börde Lamstedt bei mehr als 76 Prozent - und damit deutlich über der Wahlbeteiligung im Landkreis Cuxhaven (64,1 Prozent). Foto: Schröder
Konstituierende Sitzungen

Zahlreiche Projekte in der Schwebe: Wie geht es in der Börde Lamstedt weiter?

von Ulrich Rohde | 02.11.2026

Krisen bremsen die Börde Lamstedt finanziell aus. Doch Investitionen in Feuerwehr, Wohnungs- und Gewerbebau sowie eine neue Kläranlage müssen weitergehen, während Defizite den Haushalt der Kommune belasten.

Die Börde Lamstedt tritt in diesen Tagen in eine neue politische Ära ein. Mit den konstituierenden Sitzungen in den Mitgliedsgemeinden und im Samtgemeinderat werden die Karten neu gemischt. Für einen großen Teil der Gewählten ist Kommunalpolitik Neuland. Sie haben keine oder nur geringe politische Erfahrung. Doch schon sehr bald müssen sie sich mit bedeutsamen Entscheidungen befassen, die die Zukunft der Kommune für die nächsten Jahre und Jahrzehnte prägen werden.

Bildung der Räte mit vielen neuen Gesichtern

Gestandene Ratsleute haben sich aus der Kommunalpolitik verabschiedet, traten entweder nicht wieder an oder wurden nicht gewählt. Jetzt wird es Sache der "Neuen" in den Räten, die Weichen für die Zukunft in der Börde zu stellen. Es kommt einiges auf sie zu. Da sind zum Beispiel die geringer werdenden finanziellen Spielräume der Kommune. "Wir müssen mit unseren schwindenden Ressourcen bedarfsgerecht umgehen und eine Zielsetzung festlegen", sagt Samtgemeindebürgermeister Frank Springe. Dabei liege der Fokus nicht allein auf der einwohnerstärksten Gemeinde Lamstedt, sondern auf allen Dörfern. "Wir sind ein Finanzverbund", sagt Springer. "Mein Anliegen ist es, gleichwertige Lebensverhältnisse in der gesamten Börde Lamstedt zu schaffen." Einfach wird das nicht.

Mit Hilfe der Stabilisierungsvereinbarung mit dem Land Niedersachsen war es gelungen, bis 2023 alle Liquiditätskredite, die die Haushalte der Vorjahre belasteten, abzubauen. Die Stabilisierungshilfe betrug 6 Millionen Euro und diente der Teilentschuldung der Kommune. Die Summe entsprach 60 Prozent der Liquiditätskredite (Kassenkredite/Dispokredite zur laufenden Finanzierung), die die Samtgemeinde zum Stichtag 31. Dezember 2014 angehäuft hatte. Damit war die drohende Zahlungsunfähigkeit abgewendet und die Möglichkeit gegeben, die Finanzen langfristig zu ordnen. Im Gegenzug verpflichtete sich die Samtgemeinde zu einem strengen Sparkurs und zur Konsolidierung des Haushalts.

Defizite drohen erneut aus dem Ruder zu laufen

Nun ist die Stabilisierungsvereinbarung ausgelaufen und es droht erneut eine Verschuldung in Millionenhöhe. "Aufgrund der Krisen in der Welt - Corona, Ukrainekrieg Krieg in Nahost und so weiter - stehen wir jetzt wieder bei Kassenkrediten in Höhe von 5,2 Millionen Euro", erklärt der Samtgemeindebürgermeister. Damit befindet sich die Kommune in "bester" Gesellschaft, denn inzwischen gelingt es nicht einmal mehr den wohlhabendsten Kommunen, ihre Haushalte auszugleichen. Alle sind mit hohen Defiziten belastet. Geht die Entwicklung so weiter, rechnet Springer für die Börde bis zum Ende des Jahrzehnts mit Kassenkrediten im zweistelligen Millionenbereich.

Trotzdem kann die Samtgemeinde nicht aufhören, in die Zukunft zu investieren. Da ist der Bau neuer Feuerwehrhäuser. Als nächstes steht Armstorf an. Kosten: bis zu zwei Millionen Euro. "Wir hoffen auf die Unterstützung des Landes", sagt Springer. Danach folgt die Nindorfer Feuerwehr. "Die Feuerwehren sind gut aufgestellt. Es gibt keine Nachwuchssorgen, auch wenn es immer mal an Betreuern in der Jugendwehr fehlt. Durch den Feuerwehrbedarfsplan ist die Einsatzbereitschaft langfristig gesichert."

Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt bedienen

Auch der Wohnungsbau soll in der Börde nicht zu kurz kommen. Ein privater Investor plant den Bau von 30 Mietwohnungen mit seniorengerechten Gemeinschaftseinrichtungen in Lamstedt. Die Kommune will zudem ein weiteres Baugebiet in Richtung Westerberg erschließen. "Wir brauchen Flächen, denn wir haben überall in der Börde Nachfrage und wollen den Wohnungsmarkt entspannen."

Dasselbe lässt sich auch über Gewerbeflächen sagen. Die Gemeinde Lamstedt will bis zum kommenden Jahr im Gewerbegebiet Am Galgenberg II Grundstücke zu attraktiven Quadratmeterpreisen vermarkten. Und auf der gegenüberliegenden Seite der Ortsdurchfahrt plant die Samtgemeinde auf 18 Hektar Land die Erschließung für ein weiteres Gewerbegebiet, in dem sich Firmen ansiedeln können.

Sanierung der B495 ist Anfang Dezember abgeschlossen

Dafür muss auch die Infrastruktur stimmen. Nach mehreren Monaten endet zum Beginn des Monats Dezember die Sanierung der B495. Baubedingte Straßensperrungen werden dann ein Ende haben. Im kommenden Jahr wird es außerörtlich in Richtung Langeln noch einmal weitergehen. Doch diese Bauarbeiten dürften nur wenige Wochen dauern.

Ein Riesenbrocken für die Kommune wird die strategische Neuausrichtung des Abwassermanagements sein. Die Kläranlage in Lamstedt ist in die Jahre gekommen. Die Betriebsgenehmigung läuft 2040 aus, die Anlage gilt allerdings schon jetzt als veraltet. Mithilfe einer mit 90 Prozent geförderten Machbarkeitsstudie soll herausgefunden werden, welche Lösung die beste ist - Neubau, Anschluss an eine andere bestehende Kläranlage oder etwas völlig anderes. Dabei komme es, so Frank Springer, zum einen darauf an, weitere Orte an die zentrale Kanalisation anzubinden, und zum anderen das wirtschaftliche Wachstumspotenzial der Börde mitzuberücksichtigen.

"Bauspielplatz" soll zum 
August 2027 fertig werden

Die Einführung der Ganztagsbetreuung an der Grundschule Börde Lamstedt sei besser als erwartet gelaufen, so der Samtgemeindebürgermeister. Der Paritätische ist in die Betreuung eingebunden. Die Verpflegung der Kinder wird über die DRK-Kita in der Bördehalle sichergestellt. Für das Projekt "Bauspielplatz" auf dem ehemaligen Penny-Gelände in Lamstedt hat sich die Kommune Fördermittel durch das Förderprogramm ZILE zur Stärkung ländlicher Räume in Höhe von 435.000 Euro gesichert. Nach Abschluss der Bauleitplanung sei die Fertigstellung bis zum August kommenden Jahres wahrscheinlich. Auch die Erweiterung der Grundschule komme voran. Die Kommune will ein Grundstück vom Landkreis erwerben. Außerdem befindet sich die Errichtung einer von Grund- und Oberschule gemeinsam genutzten Mensa in Planung. Springer: "Wir befinden uns auf einem guten Weg und erwarten die Beschlüsse in der ersten Jahreshälfte 2027."

Während die Planung zum Bau eines neuen Schwimmbades als Ersatz für das "Lambada" derzeit stagniert, weil die Finanzierung unsicher ist, wird die Sanierung des Bördemuseums konkret. Dabei geht es nicht um das Ob, denn das "Karl-Heinz-Meyer-Haus" ist ein Denkmal. "Wir sind zur Erhaltung des Gebäudes verpflichtet", so Springer. Bei einer Informationsveranstaltung am 17. November im Bördehuus sollen Ideen für die künftige Nutzung gesammelt werden. 300.000 Euro stehen für die Modernisierung und Neugestaltung des Museums als Fördermittel zur Verfügung. Die Kosten werden auf insgesamt 400.000 Euro geschätzt.

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