Teilnehmer der Landvolk-Versammlung in Elmlohe diskutieren über die Zukunft der Landwirtschaft und die Chancen des Freihandels.
Teilnehmer der Landvolk-Versammlung in Elmlohe diskutieren über die Zukunft der Landwirtschaft und die Chancen des Freihandels.
Landvolk-Versammlung

Landvolk Wesermünde diskutiert in Elmlohe:  Zukunft der Landwirtschaft und Freihandel

von Bengta Brettschneider | 12.03.2026

Bei der Kreisverbandsversammlung des Landvolks Wesermünde in Elmlohe ging es um Zahlen, Frauen in der Landwirtschaft und Kritik an Social-Media-Empörung. Gastredner Ingo Kramer wirbt für Freihandel und sieht Chancen für die Agrarbranche.

Bei der Kreisverbandsversammlung des niedersächsischen Landvolk-Kreisverbandes Wesermünde in der Geestlandhalle in Elmlohe blickte der Verband auf das vergangene Jahr zurück und diskutierte aktuelle Herausforderungen für die Landwirtschaft.

Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden Jan Heusmann gab Geschäftsführerin Marina Sancken einen Einblick in den Geschäftsbericht. Gleich zu Beginn stellte sie eine gemeinsame Aktion von Landvolk und Landfrauen vor, da die Vereinten Nationen das internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen haben. Diese seien häufig unsichtbar, würden aber einen großen Teil der Arbeit auf den Höfen leisten. Gemeinsam wird deshalb zur Aktion "Werdet sichtbar" eingeladen. "Traut euch, bringt euch ein, gestaltet die Landwirtschaft von morgen", betonte Sancken.

Anschließend nannte sie aktuelle Zahlen. Die Rohmilchlieferung im Landkreis Cuxhaven belief sich 2025 auf 988.972,139 Kilogramm. Damit war der Landkreis bundesweit der Milchlandkreis Nummer eins. Insgesamt 224.934 Rinder - und damit rund zehn Prozent der Rinder in Niedersachsen - befinden sich im Landkreis Cuxhaven. Zwölf Prozent davon sind Milchkühe, 16 Prozent dienen der Fleischnutzung. Der Verband zählte im Jahr 2025 insgesamt 1.876 Mitglieder. Im Laufe des Jahres gab es 103 Austritte, darunter auch durch verstorbene Mitglieder.

Immer wieder werde die Frage gestellt: "Brauchen wir den Verband wirklich?", erzählte Sancken. Die Mitwirkung und Vernetzung seien jedoch von immenser Bedeutung. "Jedes Gesetz wäre schlimmer geworden, wenn wir nicht mitgewirkt hätten", betonte sie.

Kritik an Empörungskultur und klare Distanzierung

Zum öffentlichen Teil der Versammlung hatte der Verband zwei Redner eingeladen. Zuvor richtete jedoch erneut der Vorsitzende Heusmann das Wort an die Gäste in der Geestlandhalle. Die Empörung in den sozialen Netzwerken zu bestimmten Themen sei häufig enorm. "Diese Entrüstung ist sehr durchschaubar", sagte Heusmann. "Sie bringt Klicks und die bringen Geld." Als Unternehmer sei es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich nicht von Empörung treiben zu lassen.

Gleichzeitig distanzierte er sich erneut klar von den Aussagen des umstrittenen Redners Anthony Lee, der auf der Versammlung des Besamungs- und Rindviehzuchtvereins Land Hadeln in Cadenberge gesprochen hatte.  Auch die daraus entstandenen Drohungen gegenüber der Presse verurteilte er im Namen des Verbandes aufs Schärfste.

Nach Ehrungen für die Ortshelfer Christoph Rademacher und Frank Schüssler mit Urkunde und Silbernadel bat Heusmann um eine Gedenkminute für Erika Hollenerg. Sie war unter anderem durch das Kochbuch der Landfrauen "Heiß auf Fleisch" bekannt geworden. Jörn Ehlers, Vizepräsident des Landesbauernverbandes und Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes Rotenburg-Verden, wand sich mit Grußworten an die anwesenden Gäste. Anschließend folgte der Gastbeitrag von Ingo Kramer, Vorsitzender der Lateinamerika-Initiative der deutschen Wirtschaft und Ehrenpräsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

Bei der Landvolk-Versammlung in Elmlohe spricht der Gastredner über die Chancen des Freihandels für die Agrarbranche. Ingo Kramer (l.), Jörn Ehlers (m.), Jan Heusmann (r.) und Marina Sancken (vorn r.) Foto: Brettschneider

Freihandel als Chance für die Landwirtschaft

Der Unternehmer stellte zunächst seinen persönlichen Hintergrund vor. Er ist Wirtschaftsingenieur und übernahm 1982 in dritter Generation das Familienunternehmen im Anlagenbau in Bremerhaven, das 1901 gegründet wurde und heute 125 Jahre alt ist. Vor sieben Jahren übergab er die Unternehmensführung an seinen Sohn.

Einen direkten landwirtschaftlichen Hintergrund hat Kramer zwar nicht, dennoch gab es Berührungspunkte: In seiner Schulzeit im Weserbergland arbeitete er zeitweise auf dem landwirtschaftlichen Betrieb, etwa bei der Kartoffelernte. Auch familiär gibt es Verbindungen zur Landwirtschaft, etwa durch seine Frau und deren Familie. Zudem pflegte er Kontakte zu ehemaligen Mitschülern aus landwirtschaftlichen Betrieben.

Sein heutiges Engagement für Lateinamerika entstand ebenfalls aus der Schulzeit, da viele seiner Mitschüler aus südamerikanischen Ländern kamen. Nach seinem Ausscheiden als Arbeitgeberpräsident übernahm er den Vorsitz der Lateinamerika-Initiative der deutschen Wirtschaft und reist seither regelmäßig in die Region. Dabei gewann er auch Einblicke in landwirtschaftliche Produktionsweisen, etwa auf Kaffee-, Zuckerrohr- oder Kakaoplantagen in Brasilien. Dort erlebte er beispielsweise, wie Monokulturen und Pflanzenkrankheiten zu massiven Ernteausfällen im Kakaoanbau führten.

"Europa profitiert stark vom internationalen Handel"

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Ausführungen war das geplante Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay). Zusammen entstünde ein Wirtschaftsraum mit rund 700 Millionen Menschen. Kramer betonte, dass Deutschland und besonders die Europäische Union zu den weltweit größten Exporteuren von Agrar- und Lebensmittelprodukten gehören. Deutschland selbst liegt bei Agrar- und Lebensmittelexporten auf Platz vier weltweit.

Vor diesem Hintergrund riet er der Landwirtschaft davon ab, Freihandelsabkommen zu fürchten. Europa profitiere stark vom internationalen Handel, insbesondere weil viele deutsche Agrarprodukte - vor allem Milchprodukte, Getreide und Fleisch - weltweit exportiert werden. Importmengen, etwa beim Fleisch aus Südamerika, seien zudem stark begrenzt und hätten nur einen sehr kleinen Anteil am europäischen Markt.

Seine zentrale Botschaft: Die deutsche Agrar- und Lebensmittelwirtschaft ist international wettbewerbsfähig und kann von offenen Märkten profitieren. "Sie müssen keine Angst haben vor dem Abkommen", betonte Kramer. "Die Chance ist größer als das Risiko."

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Bengta Brettschneider

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