Wolfsproblematik: Kreistag in Cuxhaven schaltet Bundes- und Landesregierung ein
Der Kreistag hat einen Brief zum Thema Wolf geschrieben - und zwar an die Bundes- und Landesregierung sowie an die Abgeordneten in Hannover und Berlin. Ob er gelesen wird? Fraglich. Doch die Botschaft ist eindeutig: Wegducken geht nicht mehr.
Die Kernforderungenan Bund und Land: eine "aktive Regulierung des Wolfsbestandes", wolfsfreie Zonen an Deichen im Cuxland und die Finanzierung für die Umsetzung und Unterhaltung von Herdenschutzmaßnahmen.
Wie berichtet, hatte der 2017 eingerichtete "Arbeitskreis Wolf im Landkreis Cuxhaven", in dem unter anderem Politiker, Behörden und Interessensverbände (von Naturschützern bis zum Landvolk) sitzen, den Resolutionsentwurf erarbeitet und den politischen Gremien zur Beschlussfassung vorgelegt. Nachdem der Umweltausschuss das Papier abgenickt hatte, war in dieser Woche der Kreistag an der Reihe. Auch dort gab es eine breite Mehrheit.
"Rechtlichen Rahmen schaffen"
Die Resolution endet mit dem Satz: "Lösungen, die eine in der Bevölkerung dauerhaft akzeptierte Koexistenz von Wolf, Mensch und Nutztieren ermöglichen, sind dringlich zu finden und der rechtliche Rahmen ist hierfür zu schaffen." In diesem Sinne wird auch nicht die Forderung aufgestellt, schießwütig den Wolf auszurotten. Aber: "Die Rückkehr des Wolfes stellt den Landkreis Cuxhaven als einen der weideviehreichsten Kreise in der Bundesrepublik seit vielen Jahren vor Herausforderungen. Das Wassermanagement und der Küsten- und Hochwasserschutz sind im Landkreis Cuxhaven von essenzieller Bedeutung. Die Küstenschutz- und Binnendeiche erfordern eine Beweidung mit Schafen, aber ein wirksamer Herdenschutz ist an Deichen aufgrund ihrer unebenen, exponierten Lagen oft nur schwer umsetzbar. Die Weidebewirtschaftung ist für diesen stark landwirtschaftlich geprägten Kreis von großer Bedeutung. Auch der Tourismus genießt für diese Region einen ausgesprochen hohen Stellenwert.
Die Rückkehr des Wolfes führt für die genannten Bereiche immer wieder zu Konflikten, die es
zu lösen gilt." Gleichzeitig sei aber der Schutz des Wildtieres Wolf "nicht grundsätzlich infrage zu stellen".
In der Aussprache über die Resolution wurde schnell klar, dass sich Kommunalpolitiker endlich Klarheit hinsichtlich der gesetzlichen Grundlagen für Maßnahmen wünschen, damit schnell und effizient bei häufigen Attacken auf Nutztiere eingegriffen werden kann. "Da muss es Spielräume geben, um auf aktuelle Situationen reagieren zu können - wie jetzt auch in der Börde Lamstedt", sagte der SPD-Kreistagsabgeordnete Hendrik Rehm (Wanna). Er sprach von einer "prekären Situation im Landkreis Cuxhaven". Inzwischen sei der Wolf in manchen Bereichen zu einer Art "Haustier" geworden: "Wolfssichtungen sind schon lange nichts Besonderes mehr."
"Wir werden nicht wolfsfrei werden"
Claus Seebeck (CDU, Flögeln) forderte insbesondere die niedersächsische Landesregierung auf, die Weichen für einen "pragmatischen Umgang mit dem Wolf" zu stellen. Nachdem der Bund reagiert habe, seien nun die Länder auch gesetzgeberisch gefordert. Ausdrücklich dankte er der Cuxhavener Kreisverwaltung dafür, dass sie es in enger Abstimmung mit dem niedersächsischen Umweltministerium geschafft habe, die Wolfs-Fähe "entnehmen" zu lassen, die unter anderem gemeinsam mit anderen Artgenossen für die beiden Attacken auf eine Schafherde in Stinstedt verantwortlich gewesen sei.
Eva Viehoff (Grüne, Loxstedt) richtete den Blick weg von den Abschüssen hin zu den Perspektiven. "Wir werden hier im Landkreis nicht wolfsfrei werden. Wir müssen vielmehr lernen, mit diesem Raubtier umzugehen."