Er fühlt sich im Cuxland ganz offensichtlich wohl und heimisch: Doch die Luft könnte für den Wolf künftig bleihaltiger werden, wenn es weitere größere Attacken auf Nutztiere gibt. Der Kreistag fordert von Bund und Land generell eine "aktive Regulierung des Wolfsbestandes".  Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Er fühlt sich im Cuxland ganz offensichtlich wohl und heimisch: Doch die Luft könnte für den Wolf künftig bleihaltiger werden, wenn es weitere größere Attacken auf Nutztiere gibt. Der Kreistag fordert von Bund und Land generell eine "aktive Regulierung des Wolfsbestandes". Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Post aus dem Cuxland

Wolfsproblematik: Kreistag in Cuxhaven schaltet Bundes- und Landesregierung ein

von Egbert Schröder | 13.03.2026

Der Kreistag hat einen Brief zum Thema Wolf geschrieben - und zwar an die Bundes- und Landesregierung sowie an die Abgeordneten in Hannover und Berlin. Ob er gelesen wird? Fraglich. Doch die Botschaft ist eindeutig: Wegducken geht nicht mehr.

Die Kernforderungen an Bund und Land: eine "aktive Regulierung des Wolfsbestandes", wolfsfreie Zonen an Deichen im Cuxland und die Finanzierung für die Umsetzung und Unterhaltung von Herdenschutzmaßnahmen.

Wie berichtet, hatte der 2017 eingerichtete "Arbeitskreis Wolf im Landkreis Cuxhaven", in dem unter anderem Politiker, Behörden und Interessensverbände (von Naturschützern bis zum Landvolk) sitzen, den Resolutionsentwurf erarbeitet und den politischen Gremien zur Beschlussfassung vorgelegt. Nachdem der Umweltausschuss das Papier abgenickt hatte, war in dieser Woche der Kreistag an der Reihe. Auch dort gab es eine breite Mehrheit.

"Rechtlichen Rahmen schaffen"

Die Resolution endet mit dem Satz: "Lösungen, die eine in der Bevölkerung dauerhaft akzeptierte Koexistenz von Wolf, Mensch und Nutztieren ermöglichen, sind dringlich zu finden und der rechtliche Rahmen ist hierfür zu schaffen." In diesem Sinne wird auch nicht die Forderung aufgestellt, schießwütig den Wolf auszurotten. Aber: "Die Rückkehr des Wolfes stellt den Landkreis Cuxhaven als einen der weideviehreichsten Kreise in der Bundesrepublik seit vielen Jahren vor Herausforderungen. Das Wassermanagement und der Küsten- und Hochwasserschutz sind im Landkreis Cuxhaven von essenzieller Bedeutung. Die Küstenschutz- und Binnendeiche erfordern eine Beweidung mit Schafen, aber ein wirksamer Herdenschutz ist an Deichen aufgrund ihrer unebenen, exponierten Lagen oft nur schwer umsetzbar. Die Weidebewirtschaftung ist für diesen stark landwirtschaftlich geprägten Kreis von großer Bedeutung. Auch der Tourismus genießt für diese Region einen ausgesprochen hohen Stellenwert.
Die Rückkehr des Wolfes führt für die genannten Bereiche immer wieder zu Konflikten, die es
zu lösen gilt." Gleichzeitig sei aber der Schutz des Wildtieres Wolf "nicht grundsätzlich infrage zu stellen".

In der Aussprache über die Resolution wurde schnell klar, dass sich Kommunalpolitiker endlich Klarheit hinsichtlich der gesetzlichen Grundlagen für Maßnahmen wünschen, damit schnell und effizient bei häufigen Attacken auf Nutztiere eingegriffen werden kann. "Da muss es Spielräume geben, um auf aktuelle Situationen reagieren zu können - wie jetzt auch in der Börde Lamstedt", sagte der SPD-Kreistagsabgeordnete Hendrik Rehm (Wanna). Er sprach von einer "prekären Situation im Landkreis Cuxhaven". Inzwischen sei der Wolf in manchen Bereichen zu einer Art "Haustier" geworden: "Wolfssichtungen sind schon lange nichts Besonderes mehr."

"Wir werden nicht wolfsfrei werden"

Claus Seebeck (CDU, Flögeln) forderte insbesondere die niedersächsische Landesregierung auf, die Weichen für einen "pragmatischen Umgang mit dem Wolf" zu stellen. Nachdem der Bund reagiert habe, seien nun die Länder auch gesetzgeberisch gefordert. Ausdrücklich dankte er der Cuxhavener Kreisverwaltung dafür, dass sie es in enger Abstimmung mit dem niedersächsischen Umweltministerium geschafft habe, die Wolfs-Fähe "entnehmen" zu lassen, die unter anderem gemeinsam mit anderen Artgenossen für die beiden Attacken auf eine Schafherde in Stinstedt verantwortlich gewesen sei.

Eva Viehoff (Grüne, Loxstedt) richtete den Blick weg von den Abschüssen hin zu den Perspektiven. "Wir werden hier im Landkreis nicht wolfsfrei werden. Wir müssen vielmehr lernen, mit diesem Raubtier umzugehen."

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Egbert Schröder
Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

eschroeder@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Private Paradiese

Offene Gartenpforte im Kreis Cuxhaven: Diese grünen Oasen begeisterten die Besucher

von Christian Mangels

Blühende Bauerngärten, weitläufige Parkanlagen und versteckte Gartenjuwelen hinter alten Mauern: Bei der "Offenen Gartenpforte" lassen sich kleine Paradiese entdecken. Der Auftakt am Sonnabend stand jedoch unter keinem guten Wetterstern.

Das Warten hat ein Ende

Von Lamstedt nach Bröckelbeck jetzt sicherer unterwegs: Neuer Radweg an K21 eröffnet

von Christian Mangels

Nach langer Planung, monatelangen Bauarbeiten und einer viel diskutierten Vollsperrung der Kreisstraße 21 ist der neue Radweg zwischen Lamstedt und Bröckelbeck am Freitag mit dem symbolischen Durchschneiden eines Bandes offiziell eingeweiht worden.

Bewohnerin von Polizei befragt

Feuer im Kreis Stade: Akku löst Brand aus - 73-Jährige schwer verletzt

von Redaktion

Ein brennender Akku in Burweg (Kreis Stade) führt zu einem nächtlichen Feuerwehreinsatz. Eine 73-Jährige erleidet schwere Verletzungen. Am nächsten Tag kann die Frau befragt werden.

Polizisten verletzt

Aggressiver Mann bedroht Kind (9) im Kreis Cuxhaven: Zeugen greifen in Loxstedt ein

von Redaktion

Ein aufsehenerregender Vorfall in Stotel (Gemeinde Loxstedt / Kreis Cuxhaven): Ein 40-jähriger Mann bedrohte ein Kind auf offener Straße. Jugendliche und ein Zeuge schreiten ein und rufen die Polizei zu Hilfe.