"Falls die Kante immer wieder bricht": Tipps bei einem Einbruch ins Eis in Cuxhaven
Cuxhaven hatte zuletzt eine längere Kältephase mit Schnee und Eis. Auch wenn Gewässer aktuell frei sind, kündigt sich schon die nächste Frostperiode an. In der Region kam es bereits zu gefährlichen Unfällen auf Eisflächen. Experten warnen.
Die Region hat gerade eine längere Kältephase hinter sich - Schnee und Eis sind zwar aktuell verschwunden, doch die nächste Frostperiode kündigt sich bereits an. In der Region kam es bereits zu gefährlichen Unfällen auf Eisflächen. Experten warnen: Auch wenn das Eis verlockend aussieht, ist es oft zu dünn und lebensgefährlich.
Dr. Jürgen Laudien ist Leiter Einsatz im DLRG-Bezirk Cuxhaven-Osterholz und nebenbei auch ein echter Eisexperte. Er selbst ist neben seiner Tätigkeit bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) als Meeresbiologe unterwegs und kommt gerade aus der Antarktis. Dort arbeitete er auf Seeeis, das 1,8 Meter dick war - natürlich kann man das nicht mit dem vergleichen, was wir hier bei Kältephasen sehen.
"Grundsätzlich braucht man eine gewisse Eisdicke, um überhaupt aufs Eis zu können. Früher hat man gesagt, es sollten mindestens zehn Zentimeter sein - und das dauert. Bei der zurückliegenden Kälteperiode hatten wir gerade einmal vier", erklärt Laudien. Früher wurden Flächen von der Stadt offiziell freigegeben. Mittlerweile ist es jedoch so, dass in Cuxhaven und Umgebung nur noch sehr selten natürliche Eisflächen offiziell freigegeben werden. Die Behörden warnen vielmehr ausdrücklich vor dem Betreten zugefrorener Gewässer. "Auch wenn man an einer Stelle zehn Zentimeter misst, heißt das nicht, dass es überall so ist. Gerade an Zuläufen ist das Eis meist viel dünner", warnt Laudien.
Bestens auf Notfälle und Eisrettungen vorbereitet
Gerade weil es in der Region selten vorkommt, dass Gewässer mit einer entsprechend dicken Eisdecke bedeckt sind, ist die DLRG bestens auf Notfälle und Eisrettungen vorbereitet. Zur Standardausrüstung aller Wasserrettungseinheiten gehört ein Kälteschutzanzug. "So haben die Retter einen trockenen Anzug, wenn sie einbrechen würden, sodass sie trocken und warm bleiben. Außerdem sind unsere Retter im Einsatz immer angeseilt, damit sie im Notfall zurückgezogen werden können", schildert Laudien.
Zur Grundausstattung kommt weiteres Rettungsequipment, das die DLRG zu Einsätzen mitbringt. "Im besten Fall haben wir einen Eisrettungsschlitten dabei - entweder aufblasbar oder aus Kunststoff", so der Leiter Einsatz. Der Retter kann damit auf zwei Kufen über das Eis rutschen. Im Notfall kann er auch paddeln und aus dem Wasser wieder auf das Eis fahren. Ohne ein vertikales Herausheben können Verunglückte direkt auf die Rettungsplattform gezogen werden.

Außerdem gibt es sogenannte "Rafts", also aufblasbare Flöße - etwa bei der DLRG in Dorum oder Schwanewede, berichtet der Eisexperte. Im Idealfall wird der Patient horizontal auf das Rettungsmittel gezogen und auch nach der Rettung möglichst wenig bewegt, um einen Herzschock durch kaltes Blut (Cold-Shock-Reaktion) zu vermeiden was zum sogenannten Bergungstod führen kann.
Doch was soll ein Spaziergänger tun, wenn er sieht, dass jemand eingebrochen ist? "Wichtig ist es, sofort die 112 zu wählen, um den Rettungsdienst zu alarmieren, damit professionelle Hilfe dazukommt", sagt Jürgen Laudien und ergänzt: "Soweit möglich, wird die Rettung von Land aus durchgeführt. Der Retter reicht, schiebt oder wirft dem Verunglückten Hilfsmittel wie große Stöcke zu - einfach etwas Schwimmbares. Wichtig ist, dass man das Eis nicht selbst betritt."
Wenn dann die DLRG ohne spezielles Gerät retten muss, legen sich die Experten mit dem Überlebensanzug flach auf das Eis und robben vor, um eine möglichst große Auflagefläche zu haben. Für Passanten ist das jedoch nicht ratsam. "Kürzlich ist am Steinhuder Meer leider ein ziviler Retter verstorben, der einem Eissegler helfen wollte", berichtet Dr. Jürgen Laudien.

Wenn man selbst einbricht, empfiehlt er: "Man sollte versuchen, sich mit dem Fuß an der gegenüberliegenden Eiskante abzudrücken und sich horizontal auf das Eis zu schieben. Wichtig ist auch, dass man sich in Richtung Ufer bewegt, falls die Kante immer wieder bricht." Grundsätzlich gilt, in einer solchen Ausnahmesituation so ruhig wie möglich zu bleiben. Wer Geräusche im Eis hört, sollte es sofort verlassen. "Am besten ist es aber, das Gewässer einfach vom Ufer aus zu beobachten", so der Leiter Einsatz.
Im Ernstfall würde bei einer Alarmierung durch die Rettungsleitstelle in Cuxhaven etwa die Schnelle Einsatzgruppe (SEG) der DLRG Cuxhaven entsandt.
Feuerwehr und DLRG trainieren regelmäßig
Am Sonnabend (10. Januar 2026) wurde die Feuerwehr Osterbruch zu einem Einsatz an den Hadelner Kanal alarmiert. Dort war ein Hund ins eiskalte Wasser gefallen. Noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr hatte der Hundehalter eigenständig gehandelt: Er zog sich aus und sprang in den kalten Kanal. Dem Mann gelang es zwar, das Wasser wieder zu verlassen, jedoch war er völlig erschöpft und stark unterkühlt. Er kam den Einsatzkräften entgegen und wurde vom Cuxland-Rettungsdienst versorgt und in das Krankenhaus gebracht. Für den Hund kam leider jede Hilfe zu spät.

Auch in solchen Fällen gilt dasselbe wie bei einer Menschenrettung. Die Kräfte der DLRG oder der Feuerwehr sind auch auf Tierrettungen geschult, die nahezu genauso ablaufen wie bei Menschen. Sowohl Feuerwehr als auch DLRG trainieren regelmäßig für solche Notfälle.
"Alle Rettungsschwimmer werden in der Eisrettung theoretisch ausgebildet und - wenn möglich - auch im Schwimmbad praktisch (dann mit schwimmenden Matten, die das Eis simulieren) geschult. Wenn wir solche Bedingungen wie in der vergangenen Woche haben, üben wir natürlich auch draußen Eisrettung und Eistauchen", sagt Laudien. "Zuletzt haben die Kameraden der Ortsgruppe Lamstedt e.V. zusammen mit der Feuerwehr eine Eisrettung geübt."