In Teilen des Ahlenmoors finden sich naturnahe Hochmoorreste, die unter Schutz stehen. Andere Flächen werden - zum Teil intensiv - landwirtschaftlich genutzt. Klimaschutzziele, Renaturierung und die Interessen der Landwirte miteinander in Einklang zu bringen, ist seit mehr als einem halben Jahr Aufgabe der Mooragentur Cuxland. Foto: Archiv/Leuschner
In Teilen des Ahlenmoors finden sich naturnahe Hochmoorreste, die unter Schutz stehen. Andere Flächen werden - zum Teil intensiv - landwirtschaftlich genutzt. Klimaschutzziele, Renaturierung und die Interessen der Landwirte miteinander in Einklang zu bringen, ist seit mehr als einem halben Jahr Aufgabe der Mooragentur Cuxland. Foto: Archiv/Leuschner
Klimaschutz

Mooragentur Cuxland: Interessen zwischen Naturschutz und Landwirtschaft ausgleichen

von Ulrich Rohde | 21.05.2024

Das Moor schützen oder nützen? Oder geht am Ende beides? Die Mooragentur Cuxland soll dazu beitragen, Antworten auf diese Frage zu finden.

Bei rund einem Drittel der Fläche des Landkreises Cuxhaven handelt es sich um Moorstandorte, kohlenstoffreiche Böden, die überwiegend landwirtschaftlich genutzt werden. Gleichzeitig treiben die beiden niedersächsischen Regierungsparteien SPD und Grüne ein ehrgeiziges Moorschutzprogramm voran, das die Renaturierung und Wiedervernässung der Böden vorsieht.

Das Konfliktfeld zwischen Klimaschutz und Landwirtschaft wird im Landkreis Cuxhaven besonders deutlich sichtbar. Nach wie vor werden die hier genutzten Böden stark entwässert. Das hat allerdings zur Folge, dass der Moorboden allmählich absackt und eine Bewirtschaftung immer schwieriger wird. Andererseits geht es auch um die Existenzen zahlreicher landwirtschaftlicher Betriebe, die sich von der Renaturierung bedroht fühlen.

Um die Aufgabe der Transformation der Moorregionen im Landkreis zu bewältigen, das Ziel der Klimaneutralität ebenso im Blick zu behalten wie die regionale Wertschöpfung durch die Landwirtschaft, wurde am 1. September 2023 die Mooragentur Cuxland gegründet. Sie soll diesen Prozess moderieren und organisieren. Federführend sind die Landschaftsökologin Janneke Stollberger und die Agrarwissenschaftlerin Dina Schärfe. Sie müssen das Kunststück vollbringen, alle Akteure an einen Tisch zu bringen, um Lösungen zu finden. Zum Beispiel wie man es schafft, die CO2-Emissionen auf organischen Böden zu reduzieren, ohne die Landwirtschaft grundsätzlich in Frage zu stellen. Dazu sind neue Landnutzungskonzepte vonnöten, zum Beispiel durch eine Kombination aus Photovoltaik, Paludikultur (nasse Bewirtschaftung von Mooren) und hydrologischem Management aber auch Tourismus soll eine Rolle spielen.

Ein Masterplan zur Moorvernässung

Kommunikation lautet auch hier das Zauberwort. Und so kommt es bereits am 30. Mai zum dritten Moordialog im Landkreis. Er findet in Flögeln am Rand des Ahlenmoors statt. Ziel ist am Ende ein Masterplan zur Moorvernässung. Den Verantwortlichen in der Agentur ist bewusst, dass die Sorge um den möglichen Verlust von Wertschöpfung und Wohlstand, um Flächenentwertung und Planungsunsicherheit und die Angst vor verpflichtenden Maßnahmen die Diskussion überschatten. Auch deshalb betonte Dina Schärfe kürzlich im Kreis-Umweltausschuss, dass auch künftig Besiedlung und Infrastruktur und nicht zuletzt Landwirtschaft ermöglicht werden sollen. Es gelte schließlich, Flächen für die Wiedervernässung zu priorisieren.

Derzeit werde seitens des Landes Niedersachsen an einer Studie zur Moor-Vernässung gearbeitet. Immerhin werden 17,7 Prozent der CO2-Emissionen über in Niedersachsen über Moorböden freigesetzt. "Das ist ein großer Hebel in Richtung Klimaneutralität", so Dina Schärfe.

Aber natürlich dreht es sich am Ende auch ums Geld. Es geht um den Ausgleich für den Verlust von Wertschöpfung. Dafür müssen staatliche Förderprogramme aufgelegt werden.

"Zukunftsregion Moorregion Elbe-Weser"

Der Landkreis Cuxhaven ist mit den Nachbarkreisen Osterholz, Rotenburg und Stade in der "Zukunftsregion Moorregion Elbe-Weser" vernetzt und damit eine von 14 Zukunftsregionen in Niedersachsen. Hier geht es um kreisübergreifende Projekte wie Stärkung der biologischen Vielfalt, Naturraumgestaltung, aber auch um Themen wie Freizeit und Kultur.

Das Land Niedersachsen stellt bis 2027 mehr als 95 Millionen Euro aus EU-Mitteln für die "Zukunftsregionen in Niedersachsen" zur Verfügung.

Im Geoportal des Landkreises (https://cuxland-gis.landkreis-cuxhaven.de/) findet man seit Kurzem auch detailgenaue Darstellungen der kohlenstoffreichen Böden im Cuxland, inklusive ihrer Nutzungsart.

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Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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