Nach der Bluttat in Stade: Bürger sprechen über Angst, Trauer und Fassungslosigkeit
Die tödliche Gewalttat in Stade erschüttert die Menschen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Fassungslosigkeit, Trauer und Ratlosigkeit prägen die Stimmung in der Innenstadt. Am Tag danach schildern Staderinnen und Stader ihre Betroffenheit.
Auf den ersten Blick ist es in der Stader City ein Sommertag wie jeder andere. Doch es ist Tag 1, nachdem sechs Menschen in der Dankersstraße gewaltsam starben. Wie gehen die Stader damit um?
Hans-Jürgen Weidlich sagt es während der Umfrage des Stader Tageblatts in der Innenstadt spontan und deutlich: "Mir geht es beschissen." Die grauenvolle Gewalttat in der Stader Dankersstraße treibt ihn um. Weidlich ist ein fröhlicher Mensch, lebt in der Altstadt, liebt als Hafensänger die harmonischen Töne. Und dann das.
"Mir fehlen die Worte" - das sagen viele Stader
Erschreckend findet er das, was sich wenige hundert Meter entfernt abgespielt hat. "Das hätte ich nie gedacht, dass hier so etwas passiert." Diese Aussage ist öfter zu hören. Und auch diese: "Mir fehlen die Worte."

Anita Heeschen, eine alte Dame, die am Pferdemarkt wohnt, hat die Szenerie an Stades zentralem Platz stets im Auge und ruft gern mal die Polizei. Doch das sei nichts gegen das Verbrechen im Stader Kopenkamp. "Ist das nicht furchtbar?", fragt sie rhetorisch und sagt noch kopfschüttelnd: "Was geht in solchen Menschen vor?"
"Wie willst du so was verhindern?"
Claus Duderstadt, Geschäftsführer der Ringfoto Schattke-Geschäfte, sagt: "Es ist megaerschütternd" und denkt dabei gleich weiter: "Wie willst du so was verhindern?" Das Heftige sei, dass es nicht der erste krasse Fall ist, der die Staderinnen und Stader aufrüttelt, auch wenn die alten Fälle nichts mit der aktuellen Tat zu tun haben.
Sabine Gahde, Betreiberin der Contor-Buchhandlung, war überrascht, wie viele Menschen von außerhalb nachfragten, ob es ihr gutgehe. "Es ist bedrückend, dass hier so etwas passiert." Wie geht sie damit um? Reden, sich mit anderen austauschen, sagt sie.

Befragte in der Fußgängerzone reagieren zurückhaltend, sagen "Oh, Gott, ja, wie furchtbar", schütteln dabei den Kopf - und gehen weiter. "Das ist ganz schön heftig", sagt eine Frau aus Stade. Auch sie sei gleich von Angehörigen gefragt worden, ob mit ihr alles okay ist.
"So etwas bei uns - das hätte ich nie gedacht"
Andrea Jörgensen arbeitet bei Sander Moden in der Hökerstraße. "Das so etwas in unserer Kleinstadt passiert, das hätte ich nie gedacht", sagt sie. Traurig und bedrückt sei sie, ein Gefühl der Angst habe sie beschlichen. Fassungslos mache sie, dass es unschuldige Menschen getroffen habe, die Frauen in Not helfen wollten. Jörgensen: "Da werden ganze Familien zerstört."
Klaus-Daniel Ney vom gleichnamigen Schuhgeschäft ist Stadtbrandmeister und hat in seinem Leben als Feuerwehrmann schon viel Leid gesehen. Die Stimmung in der Stadt beschreibt er als gedrückt. Der unfassbare Vorfall zeige ihm, dass es keinen absoluten Schutz vor Gewalttaten gibt, und zeige allen, wie schnell jeder betroffen sein kann, auch wenn in seinen Augen das Tötungsdelikt in der Dankersstraße ein "gezieltes Verbrechen" gewesen ist.
Von Lars Strüning

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