Feuerwehren Neuenkirchen und Osterbruch: Keine Übung wie jede andere
In einem außergewöhnlichen Sonderdienst trainierten die Feuerwehren Neuenkirchen und Osterbruch den Ernstfall: Atemschutzgeräteträger übten lebensrettende Techniken bei Bränden, um in Extremsituationen vorbereitet zu sein.
Große Brände wie am späten Montagabend in Geversdorf fordern die Feuerwehrleute auf verschiedene Arten. Atemschutzgeräteträger (AGT) sind für alle Feuerwehren unverzichtbar, da sie den Eigenschutz der Einsatzkräfte gewährleisten und die Durchführung von Innenangriffen zur Menschenrettung und Brandbekämpfung ermöglichen. Sie sind darauf spezialisiert, in stark verrauchten, giftigen oder sauerstoffarmen Atmosphären zu operieren, die ohne Atemschutz tödlich wären. Deshalb wurde für die Feuerwehren Neuenkirchen und Osterbruch im Feuerwehrhaus Neuenkirchen ein spezieller Sonderdienst für die AGT abgehalten.
Unter Leitung von Atemschutzgerätewart Thorsten Aspeleiter startete der Tag mit einer Theorieeinheit. Hier wurde gezeigt und erläutert, wie ein Feuer richtig zu lesen und zu verstehen ist, eine Kernkompetenz von Feuerwehrleuten, um Brandverläufe vorherzusehen, Gefahren zu erkennen und Einsätze sicher zu führen. Es bedeutet, die sichtbaren Anzeichen einer Verbrennung (Rauch, Flammen, Wärme) zu analysieren, um das unsichtbare Brandgeschehen hinter Wänden oder in Räumen zu interpretieren.
Im Anschluss an den theoretischen Bereich wurde durch Thorsten Aspeleiter das richtige Herantasten im Innenangriff durch den Seitenkriechgang sowie das richtige Löschen mit dem Hohlstrahlrohr und eine schnelle Reaktion bei einem Flashover erlernt. Ein Flashover (Raumdurchzündung) ist der schlagartige Übergang eines Brandes von der Entstehungsphase zum Vollbrand, bei dem sich alle brennbaren Materialien in einem Raum durch enorme Wärmestrahlung (etwa 400 bis 600 Grad Celsius Rauchgastemperatur) gleichzeitig entzünden. Dies geschieht oft unbemerkt, führt zu Temperaturen über 1000 Grad Celsius und macht eine Flucht unmöglich.
Im zweiten Praxisteil wurde unter Leitung von Hendrik Jagolski und Torsten Völker das Türmanagement erläutert. Das Türmanagement bei der Öffnung einer Tür zu einem Brandraum ist eine kritische Taktik der Feuerwehr, um einen Flashover (Rauchgasdurchzündung) oder eine Rauchexplosion zu verhindern. Es dient der Kontrolle des Luftzufuhr- und Rauchabzugsweges (Ventilationskontrolle).
Von Jürgen Lange