Erfolgsgeschichte aus Neuenkirchen: Jerry aus Liberia darf nach großem Kampf bleiben
Jeremiah Gaye aus Liberia kämpfte um sein Bleiberecht in Neuenkirchen (Samtgemeinde Land Hadeln / Kreis Cuxhaven). Mit viel Unterstützung wendete sich sein Schicksal zum Guten.
Dies ist eine Geschichte mit Happy End. Sie erzählt vom Ankommen aus der Fremde, der Angst, abgeschoben zu werden, dem Einsatz von ehrenamtlichen Unterstützern und schließlich einer hoffnungsfrohen Botschaft aus der Ausländerbehörde, die weitere Integration im Gastland ermöglicht.
"Menschen, die so arbeitswillig und fleißig sind, können wir hier gebrauchen. Jerry gehört zu uns - und so soll es auch bleiben!" Das war am 12. Oktober 2025 das abschließende Statement eines Schreibens an die Härtefallkommission in Niedersachsen, um die Abschiebung von Jeremiah Gaye (26), genannt Jerry, aus Liberia zu verhindern.
Das Ehepaar aus Neuenkirchen, das sich um junge Migranten kümmert, hatte diesen Hilferuf auf den Weg gebracht (es möchte namentlich nicht in den Medien in Erscheinung treten, aber ist der Redaktion bekannt). Der Einsatz für den jungen Mann, aber auch dessen eigenes Engagement führten zum Erfolg. Schreiben von Amts wegen enthielten in diesem Fall positive Nachrichten. Das Blatt wendete sich für Jerry zum Guten.
Als Produktionshelfer in Voilzeit tätig
Nachdem Jerry vor kurzem ein neuerliches Schreiben von der Ausländerbehörde des Landkreises Cuxhaven erhielt, darf er wieder arbeiten - und tut dies seit voriger Woche auch. Die Ausübung einer Beschäftigung wird ihm von der Bundesanstalt für Arbeit genehmigt. Diese Erlaubnis ist bis 14. April 2030 erteilt, gilt also für die nächsten vier Jahre, und eine Verlängerung sei nicht ausgeschlossen. Jerry ist wieder bei dem Neuenkirchener Unternehmen Döhler als Produktionshelfer tätig, der Firma, die er im Oktober 2025 unfreiwillig trotz Festanstellung verlassen musste.

Das ist die Vorgeschichte: Der voll berufstätige junge Mann sollte zum 1. November abgeschoben werden, obgleich das Unternehmen dringend Arbeitskräfte benötigte und kaum welche fand. Jerry lebt seit November 2023 im Land Hadeln, erhielt ab Sommer 2024 nach persönlichem Bemühen um einen Job die Festanstellung bei der Firma Döhler, bestritt von dem Einkommen sein Leben, zahlte in die Sozial- und Rentenkasse ein und besuchte dennoch Deutschkurse. Von einem Tag auf den anderen war im Oktober damit Schluss. Zum 1. November sollte er aus Deutschland ausgewiesen werden. Parallel dazu musste er mit seinem Vollzeitjob aufhören.
In ihrem Härtefallantrag beschrieb das Neuenkirchener Ehepaar unter anderem seinen beruflichen Werdegang und das Bemühen, sich eigenständig erfolgreich um einen Job zu kümmern. Und die Unterstützer beschrieben sein bescheidenes, dabei empathisches Wesen: "Jerry ist zurückhaltend und besonnen, er ist fleißig, ordentlich und hilfsbereit", hieß es im Härtefallantrag.

Die ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin und ihr Mann, die sich seit 2014 um Geflüchtete kümmern und sie auch gesellschaftlich einbinden, hatten sich per Einschreiben an die Niedersächsische Härtefallkommission gewandt. Problem bei Jerry sei gewesen, dass er weder Pass noch Geburtsurkunde vorlegen konnte. Der Pass soll ihm seinerzeit von einem Schlepper abgenommen worden sein, erfuhren Jerrys Betreuer.
Dass junge Geflüchtete in Deutschland keine Dokumente vorweisen, könne auch daran liegen, dass fälschlicherweise unter ihnen kursiere, wenn kein Pass da sei, könne nicht abgeschoben werden, weiß die Ehrenamtliche. "Die traurige Konsequenz ist, dass sie untertauchen, wenn die Abschiebung droht. Auf diese Weise haben wir hier schon zwei junge Männer verloren", berichtet die Neuenkirchenerin. Sie ist froh darüber, dass Jerry den, wenn auch mühevollen, behördlichen Weg auf sich genommen hat und damit anderen als gutes Beispiel dienen könne.

Parallel zu seinen Unterstützern im Ort hat sich auch sein vorheriger Arbeitgeber an verschiedene Stellen gewandt und damit Sorge getragen, dass es zu einem guten Neuanfang wiederum mit einem festen Arbeitsvertrag kommen konnte. "Unsere Personalabteilung hat sich richtig ins Zeug gelegt, das war alles ziemlich kompliziert", weiß Döhler-Mitarbeiter Jens Langner, der Jerrys Schicksal von Beginn an begleitete.
Zweimal in Berlin bei der Botschaft
In den zurückliegenden Monaten bemühte sich der junge Afrikaner, die wichtigen gültigen Dokumente wiederzubeschaffen. Das sei eine ziemlich aufwendige Angelegenheit gewesen. Sogar zwei Mal bei der Botschaft in Berlin wurde er vorstellig, und filmte dies auch als Videobeweis für die deutschen Behörden.
Ein Glück sei gewesen, dass seine Fingerabdrücke in Liberia abgespeichert gewesen seien. Nach einem Abgleich über Interpol habe die Botschaft zwar eine Geburtsurkunde ausgestellt, aber für einen neuen Pass hätte er nach Belgien fahren müssen, wofür wiederum Papiere vonnöten gewesen wären, beschreibt die Neuenkirchenerin. Darauf verzichtete er, nachdem er durch Einschaltung von Verwandten in Liberia es geschafft hatte, einen neuen Pass zu bekommen. Als schließlich dieser Ausweis per Einschreiben bei ihm eintraf und auf Echtheit überprüft wurde, ebnete ihm dieses Dokument den Weg zur Arbeitserlaubnis. Allerdings sei das Prozedere kostenintensiv gewesen, die nötigen Nachweise zu erbringen, wissen seine Unterstützer. Rund 850 Euro soll es gekostet haben. Die Hadler Flüchtlingsinitiative stellte die Mittel aus eigenen Spenden bereit.
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