Mit dem Allgemeinmediziner Dr. med. Sascha Rogalski (li.) hat Dr. med. Ralf Mahler einen versierten Partner und künftigen Nachfolger für seine Hausarztpraxis gefunden. Foto: Dammer
Mit dem Allgemeinmediziner Dr. med. Sascha Rogalski (li.) hat Dr. med. Ralf Mahler einen versierten Partner und künftigen Nachfolger für seine Hausarztpraxis gefunden. Foto: Dammer
Medizinische Versorgung

Neuer Hausarzt für Lamstedt: Rettung in höchster Landarztnot

von Redaktion | 20.12.2022

Lamstedt. Ein volles Wartezimmer und lange Wartezeiten: Dieses Bild aus der Hausarztpraxis von Dr. Ralf Mahler soll bald der Vergangenheit angehören. Ab 2. Januar 2023 wird der Lamstedter Hausarzt seine Praxis mit Dr. Sascha Rogalski führen.

Auf diese Weise findet die jahrelange Zitterpartie um die kassenärztliche Versorgung in Lamstedt vorerst ein glückliches Ende. Gegen den Trend junger Ärzte, nach dem Facharztabschluss lieber angestellt in Praxen oder Krankenhäusern zu arbeiten, hat sich der Hamburger Allgemeinmediziner Sascha Rogalski bewusst für die Selbstständigkeit entschieden. "Ich wollte immer selbstbestimmt arbeiten, wollte Patienten länger als in der Klinik auf ihrem Weg begleiten. Als Hausarzt begleitet man oft mehrere Generationen der Familien. Das finde ich spannend." 

Mit Sascha Rogalski bekommt Dr. Ralf Mahler einen fachlich versierten Partner an seine Seite und einen, der die Lamstedter Hausarztpraxis kennt. Nach dem Abitur erlernte Rogalski zunächst den Beruf eines Krankenpflegers, studierte dann in Hamburg Medizin und schloss das Studium in der Regelstudienzeit nach fünf Jahren ab. Eines zwischen dem ersten und zweiten Staatsexamen geforderten Praktika absolvierte er in der Hausarztpraxis in Lamstedt.

In den fünf Jahren Praxis, die Rogalski für seinen Fachabschluss als Allgemeinmediziner und damit für seine ärztliche Zulassung benötigte, arbeitete er in verschiedenen Kliniken, in einer chirurgischen Praxis in Hamburg und auch wieder in Lamstedt. Seit April dieses Jahres hat er seinen Facharztabschluss in der Tasche. Dass Sascha Rogalski seinen beruflichen Weg künftig als Landarzt und in Lamstedt gehen wird, war ihm schon seit der Praktika in der Bördegemeinde klar: "Das Spektrum an Behandlungen in einer ländlichen Hausarztpraxis ist viel größer als in einer Praxis in der Stadt. Hier bin ich nicht nur Rezept- und Überweisungsaussteller. Mir war immer wichtig, nicht nur beratender Mediziner zu sein, sondern auch mal kleine Chirurgie oder Ultraschall zu machen, Wunden zu versorgen oder einen allergischen kleinen Notfall zu behandeln. Ich wollte einfach ein bisschen breiter aufgestellt sein." 


Börde Lamstedt seit Jahren medizinisch unterversorgt

Durch Urlaube in Lamstedt, wo seine Eltern ein Wochenendhaus besitzen, fühle er sich mit der Gegend verbunden. Daher kannte er das Problem der ärztlichen Unterversorgung in der Börde und nahm vor zwei Jahren Kontakt zum Samtgemeindebürgermeister und zu Dr. Ralf Mahler auf, um seine Bereitschaft, hier zu arbeiten, zu signalisieren. 
Bei Holger Meyer rannte er damit offene Türen ein. Denn die kassenärztliche Versorgungslage in Lamstedt beschäftigt die Lokalpolitiker hier schon seit fast acht Jahren. Bis dahin hatten in der Gemeinschaftspraxis Am Hang mit Dr. Karl-Heinz Boisch und Dr. Ralf Mahler zwei Ärzte die Patienten aus Lamstedt und Umgebung behandelt. Nachdem sich Dr. Boisch in den Ruhestand verabschiedet hatte, führte Dr. Mahler die Praxis allein weiter. Auch die Patienten von Dr. Boisch blieben. 

Hausärzte auf dem Land betreuen durchschnittlich 1000 Patienten im Quartal. In der Praxis von Dr. Ralf Mahler gibt es fast doppelt so viele Patientenakten. "Irgendwann kommt man da an Grenzen, auch an Zeitgrenzen für den Patienten", erinnert sich Dr. Mahler an das Dilemma. Von der Kassenärztlichen Vereinigung wieder eine Zulassung für einen zweiten Hausarzt zu bekommen, scheiterte zunächst an gesetzlichen Vorgaben. Rein rechnerisch ist der Versorgungsbezirk, der neben Lamstedt die Samtgemeinden Hemmoor und Am Dobrock einschließt, mit 107 Prozent überversorgt. 
"Wir haben als Kommune viele Gespräche mit der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung geführt, um zu verdeutlichen, dass beispielsweise eine große Arztdichte in Hemmoor die ärztliche Versorgungslage in Lamstedt nicht verbessert", blickt Holger Meyer zurück. Die Stader Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung hatte daraufhin die Versorgungsnotlage anerkannt. 
Mit der Bewerbung von Sascha Rogalski zeigte sich der Niederlassungsausschuss kooperativ und erteilte ihm eine Sonderzulassung für die Niederlassung als Hausarzt in Lamstedt. "Das ist eine erhebliche Entspannung der Situation", freut sich Holger Meyer.

Die Nachfolge in der Praxis 
ist gesichert

So sehen es auch Dr. Mahler und Dr. Rogalski. Mit Rogalskis Einstieg in die Gemeinschaftspraxis wäre zudem Dr. Mahlers Nachfolge gesichert, wenn er sich in ein paar Jahren für den Ruhestand entscheidet. Auch dann hätte Lamstedt zwei Hausärzte, weil Sascha Rogalskis Ehefrau ebenfalls Ärztin ist. Mit Blick auf den neuen beruflichen Lebensabschnitt hat das junge Ärzteehepaar das elterliche Wochenendhaus ausgebaut und ist mit seiner neugeborenen Tochter nach Lamstedt gezogen. (Von Silvia Dammer)

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