Bildungszentrum für Notfallsanitäter im Kreis Cuxhaven - Start für September geplant
Der Landkreis Cuxhaven will die Ausbildung der Notfallsanitäter künftig selbst organisieren. Dafür ist ein neues Bildungszentrum geplant, das schon im September eröffnet werden soll. Geht der Plan auf?
Die Kreisverwaltung macht Nägel mit Köpfen: Nachdem der Landkreis seit einem Jahr selbst den Rettungs- und Notarztdienst im Cuxland - außerhalb der Stadt Cuxhaven - regelt, ist neben der Organisation der Personal-, Fahrzeug- und Rettungswachenangelegenheiten auch eine weitere Weichenstellung für die Zukunft vorgesehen. Noch in diesem Jahr soll der Betrieb eines Aus- und Fortbildungszentrums aufgenommen werden, um insbesondere Notfallsanitäter bei ihrer Ausbildung ortsnah zu begleiten.
Landrat Thorsten Krüger gibt das Tempo bei der Neustrukturierung des Rettungs- und Notarztdienstes vor. Er hatte die seit Jahrzehnten bestehenden Verträge mit zwei DRK-Kreisverbänden und dem privaten Unternehmen Falck gekündigt, damit der Landkreis selbst diese Aufgabe durch die "Rettungsdienst Cuxland gGmbH" wahrnimmt.
Jetzt soll ein sogenanntes "Bildungs-, Einsatz- und Lagezentrum" in Beverstedt entstehen. In einem ehemaligen EWE-Gebäude ist bereits die Verwaltung des Rettungsdienstes untergebracht; von dort aus werden auch Einsätze gefahren. Im Dezember stimmte der Kreistag Krügers Plan zu, in dessen Mittelpunkt die Ausbildung von Notfallsanitätern steht.
Notfall- oder Rettungssanitäter?
Doch was ist der Unterschied zwischen einem Notfall- und Rettungssanitäter? Notfallsanitäter ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, Rettungssanitäter ist eine Weiterbildung. Daraus ergeben sich weitreichende Unterschiede - unter anderem bei der Dauer der Aus- und Fortbildungen, beim Gehalt und den Kosten. Üblicherweise besteht das "Tandem" bei einem Rettungsdiensteinsatz aus einem Notfallsanitäter sowie einem Rettungssanitäter, der das Fahrzeug lenkt. Der Notfallsanitäter ist die höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst.
Die Suche nach derartigen Fachleuten, die eine dreijährige Vollzeitausbildung in Kliniken, im Rettungsdienst und an einem Bildungszentrum erfolgreich absolviert haben, gestaltet sich nicht gerade einfach. Die Konkurrenz ist groß. Mit der Einrichtung eines eigenen "Bildungszentrums für Gesundheitsberufe" möchte der Landkreis bei der Ausbildung unabhängiger werden und nicht mehr auf Angebote außerhalb des Cuxlandes zurückgreifen müssen. Dadurch verspricht man sich unter anderem den Effekt, dass die in dieser Region ausgebildeten Notfallsanitäter später möglichst auch im und für den Landkreis Cuxhaven arbeiten.

Im September Startschuss geplant
Zugleich soll das Zentrum im Idealfall auch Anlaufpunkt für Auszubildende aus anderen Regionen werden sowie Fortbildungen im Bereich der Gesundheitsberufe ermöglichen. Schon im September sollen die ersten 14 angehenden Notfallsanitäter ihre Ausbildung beginnen.
In den ersten drei Jahren wird es nach einer Kostenkalkulation ein Minus geben. Ab 2029 rechnet der Kreis mit einem "neutralen" Jahresergebnis und einer "Vollauslastung" durch rund 60 Azubis.
Geht die Rechnung des Kreises auf?
Ob es so kommt? Dafür gibt es keine Garantie. Den Investitionen und laufenden Kosten stehen zwar Kostenersparnisse durch den Verzicht auf eine externe Ausbildung an einer Rettungsdienstschule gegenüber. Doch der Erfolg des neuen Bildungszentrums hängt auch davon ab, wie stark es abseits der Ausbildung eigener Notfallsanitäter angenommen wird.
Daher hatte es in Reihen der Kreistagsmitglieder auch Unmut darüber gegeben, dass dieser Schritt ohne eine ausreichende Beteiligung der Politik unter Zeitdruck vollzogen werden musste (wir berichteten). Nach einer Sondersitzung des Ausschusses für Ordnungsangelegenheiten in dieser Woche sind die Zweifel allerdings beseitigt: "Ich war zunächst skeptisch, aber bin jetzt davon überzeugt", meinte unter anderem der Ausschussvorsitzende Thorsten Ohlandt (CDU).
Ob das auch die Meinung der Landesschulbehörde ist, wird sich zeigen: Bis März muss dort seitens des Landkreises ein Antrag auf Genehmigung des Bildungszentrums vorliegen. Dort herrscht Optimismus: Personal ist oder wird kurzfristig eingestellt, damit es im September losgehen kann.