Schäfer Falk Fuchs und sein Vater bei der Herde, die am Mittwochmorgen vermutlich von einem oder mehreren Wälfen angegriffen worden ist. Foto: Rohde
Schäfer Falk Fuchs und sein Vater bei der Herde, die am Mittwochmorgen vermutlich von einem oder mehreren Wälfen angegriffen worden ist. Foto: Rohde
Fünf Schafe gerissen

Nach mutmaßlichem Wolfsangriff in Neuhaus/Oste: Auf der Weide ist es ruhig geblieben

von Ulrich Rohde | 09.11.2023

Nachdem am Mittwochmorgen fünf Schafe auf einer Weide in Neuhaus mutmaßlich vom Wolf gerissen und weitere acht Tiere verletzt worden sind, ist Ruhe in die Herde eingekehrt. Die gute Nachricht: Kein verletztes Tier musste eingeschläfert werden.

Die verletzten Schafe von Schäfer Falk Fuchs wurden zum Tierarzt transportiert. Der nähte offene Wunden und behandelte Bisse ins Muskelfleisch. "Wir müssen jetzt den weiteren Verlauf abwarten, ob die Tiere die Verletzungen überstehen oder nicht." Die acht verletzten Mutterschafe wurden für die Nacht im Stall untergebracht, während die unversehrten Schafe über acht draußen im Hock (Gatter) standen und zusätzlich durch einen Zaun geschützt wurden. Außerdem hatte Schäfer Fuchs eine Wildkamera angebracht, um sehen zu können, ob sich in der Nacht erneut ein Wolf den Tieren genähert hat. Aber es ist ruhig geblieben. "Wir haben keine Wölfe sichten können", ist Fuchs zunächst erleichtert. Abzuwarten seien allerdings mögliche Folgeschäden bei der Herde, denn auch wenn die Tiere nach dem Angriff äußerlich ruhig gewirkt hatten, könne der ausgelöste Stress dafür sorgen, dass die trächtigen Mutterschafe im Frühjahr verlammen, also Fehlgeburten erleiden. 

Schutzzäune und Herdenschutzhunde hat Schäfer Fuchs nicht. "Das würde bei uns nichts bringen, weil wir eine Art Wanderschäferei betreiben. Da macht das keinen Sinn." Außerdem sei das Gelände aufgrund seiner Beschaffenheit sowie des starken Windeinflusses nicht für mobile Schutzzäune geeignet. Auch Herdenschutzhunde kämen nicht in Betracht. "Auf der gegenüberliegenden Seite der Weide ist der Buswarteplatz nur 30 Meter entfernt. Wenn da drüben morgens die Kinder stehen und auf den Schulbus warten und die Hunde ständig bellen würden, ist das auch keine gute Option", meint Fuchs. Außerdem führt direkt an der Weide ein Trampelpfad neben dem Neuhaus-Bülkauer Kanal entlang, der gerne von Spaziergängern mit Hunden sowie von Anglern genutzt werde. Da würden Herdenschutzhunde eher zur Belastung.

Über die Nähe der Schafweide zum Buswarteplatz und eine mögliche Bedrohung durch Wölfe macht sich Schäfer Fuchs ebenfalls Gedanken. "Wenn man bedenkt, dass in wenigen Metern Entfernung ein Schaf gerissen worden ist, wird einem schon mulmig." Auch wenn bislang kein einziger Fall einer Bedrohung von Menschen durch den Wolf in Deutschland bekannt geworden ist.

Finanziell wird sich der Schaden für den Schäfer voraussichtlich in Grenzen halten. Eine staatliche Entschädigungsleistung für die gerissenen Schafe wird er wegen des Fehlens von Herdenschutzmaßnahmen zwar voraussichtlich nicht erhalten. Aber Falk Fuchs hat mit der privaten Versicherung seiner Herde gegen Wolfsrisse schon frühzeitig vorgesorgt.

Rind auf Hof in Wingst-Geestberg gerissen

Bei dem Angriff auf ein Rind auf dem Hof Hinck am Wingster Geestberg vom Sonntag, über den wir ebenfalls berichtet hatten, soll es sich sich offenbar ebenfalls ohne Zweifel um einen Wolfsriss handeln, was die Spurenlage nahelege. Das Tier sei nur 50 Meter vom Stall entfernt durch einen Kehlbiss getötet worden. Dann sei die Keule angefressen worden, berichtet Landwirt Claus Hinck. Ein Wingster Jäger, der nicht mit seinem Namen genannt werden möchte, bestätigte, dass es in den vergangenen vier Wochen allein im Gebiet der Wingst zu vier Nutztierrissen gekommen sei, die sich mutmaßlich auf Wölfe zurückführen ließen.

Der für Wölfe typische Kehlbiss bei einem Rind, das am Sonntag auf einem Hof in Wingst-Geestberg tot aufgefunden worden ist. Foto: red

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Ulrich Rohde

Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

rohde@no-spamcnv-medien.de

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