„Achtung, Luftfahrzeuge!" – Ein warnendes Schild erinnert die Besucher des Tags der Bundeswehr in Nordholz daran, dass sie sich auf einem aktiven Flugplatz befinden, während im Hintergrund die Faszination für die ausgestellten Maschinen spürbar ist. Foto: Reese-Winne
„Achtung, Luftfahrzeuge!" – Ein warnendes Schild erinnert die Besucher des Tags der Bundeswehr in Nordholz daran, dass sie sich auf einem aktiven Flugplatz befinden, während im Hintergrund die Faszination für die ausgestellten Maschinen spürbar ist. Foto: Reese-Winne
Menschen, Maschinen, Momente

30.000 Besucher beim Tag der Bundeswehr in Nordholz - Eurofighter als Publikumsmagnet

von Bengta Brettschneider | 07.06.2026

Stau auf den Zufahrtsstraßen und der Donner eines Eurofighters über den Köpfen: Tausende Menschen zog es zum Tag der Bundeswehr nach Nordholz. Dort trafen Flugshows, persönliche Geschichten und bewegende Momente aufeinander. Mit vielen neuen Fotos. 

Nordholz blickt zurück auf einen großen Tag. An zehn Standorten fand bundesweit der Tag der Bundeswehr statt. Der Marinefliegerstützpunkt begeisterte dabei 30.000 Besucherinnen und Besucher mit einem reibungslosen Ablauf und einer imposanten Flugshow.

Das Deichbrand-Festival ist zwar erst in sechs Wochen, und trotzdem erinnerte der Weg nach Nordholz an einen Festivalmorgen. Autos standen Stoßstange an Stoßstange. Auf den als Parkplätze genutzten Feldern hatten die Regenfälle ihre Spuren hinterlassen. Menschen stapften über Felder, Familien zogen Bollerwagen hinter sich her. Vor den Shuttlebussen bildeten sich lange Schlangen. 

Bereits am Vormittag waren die Parkflächen rund um den Marinefliegerstützpunkt stark ausgelastet. Fotos: Brettschneider

Die Stimmung blieb dennoch gelassen. Viele Besucher hatten eine längere Anreise hinter sich und die Bundeswehr koordinierte die Anreise reibungslos.

Maik war aus dem Sauerland gekommen. Er war mit Stabsunteroffizier Tony aus Delmenhorst angereist. Schon lange hatten sie sich den Besuch vorgenommen. Er interessierte sich besonders für die ausgestellten Luftfahrzeuge.

Für Flugzeuge und Technik sind Maik (r.) aus dem Sauerland und Stabsunteroffizier Tony (l.) aus Delmenhorst nach Nordholz gekommen. Fotos: Brettschneider

Vivien, Bärbel und Sascha aus Nordholz und Dorum kannten die Flugzeuge vor allem als Ursache der täglichen Geräuschkulisse. "Wir hören sie jeden Tag", meinten sie lachend und blickten Richtung Flugfeld. Umso größer sei die Neugier, die Maschinen einmal aus nächster Nähe zu sehen. "Wann hat man schon mal die Möglichkeit dazu?"

Vivien, Bärbel und Sascha kennen die Flugzeuge aus dem Alltag, sie wohnen in unmittelbarer Nähe zum Marinestützpunkt- beim Tag der Bundeswehr erleben sie die Maschinen aus nächster Nähe. Fotos: Brettschneider

Zwischen Donnern und Staunen

Vor einem der ausgestellten Flugzeuge wartete auch Keith. Der US-Amerikaner aus Florida arbeitet seit März als Fluggerätmechaniker in Nordholz. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen nutzte er die Gelegenheit, die Maschinen einmal aus nächster Nähe zu betrachten und einen Blick hinter die Kulissen seines neuen Arbeitsumfelds zu werfen.

Keith stammt aus Florida und arbeitet seit März als Fluggerätmechaniker in Nordholz. Gemeinsam mit seinen Söhnen besucht er den Tag der Bundeswehr. Fotos: Brettschneider

Als die ersten Flugvorführungen begannen, richteten sich die Blicke dann nach oben. Neben den aktuellen Luftfahrzeugen der deutschen Marineflieger war auch die Luftwaffe unter anderem mit einer Dreier-Formation des imposanten Airbus A400M vertreten. Darauf folgte der Auftritt des Eurofighters EF2000. Man hörte ihn lange, bevor man ihn sah. Das Dröhnen schob sich über den Flugplatz. Menschen suchten mit den Augen den Himmel ab. "Wo ist er?", fragte ein Junge und kniff die Augen zusammen. Dann durchbrach der Kampfjet die Wolkendecke und zog mit hoher Geschwindigkeit über das Gelände. 

Besucher des Tages der Bundeswehr in Nordholz blicken fasziniert gen Himmel, während ein Eurofighter mit donnerndem Getöse über das Gelände fliegt. Ein Tag voller Staunen, Begegnungen und eindrucksvoller Flugshows. Foto: Reese-Winne
Besucher richten ihre Blicke und Kameras gen Himmel, während ein Eurofighter durch die Wolken bricht und die Spannung des Tages der Bundeswehr in Nordholz spürbar wird. Foto: Reese-Winne

Wenig später erklärte ein 36-jähriger Eurofighter-Pilot die körperlichen Anforderungen seines Berufs. Während eines Flugs wirken Kräfte von bis zu 9 G auf den Körper - ein Pilot mit 80 Kilogramm spürt dabei kurzfristig Belastungen, die etwa 720 Kilogramm entsprechen. Ein spezieller Anzug unterstützt die Durchblutung der Beine, eine zusätzliche Weste stabilisiert den Oberkörper und sorgt dafür, dass das Gehirn ausreichend mit Blut versorgt wird.

Besucher blicken gespannt in den Himmel. Foto: Reese-Winne
Zwischen Rotorblättern und Technik kommen Besucher mit Angehörigen der Bundeswehr ins Gespräch. Fotos: Brettschneider

Der Weg ins Cockpit sei lang, berichtete der Offizier. Medizinische Untersuchungen, psychologische Tests, Computerauswahlverfahren und Simulatortraining gehörten dazu. "Ein langer, aber sehr cooler Weg", betonte er.

Die Einsatzbereitschaft gehöre ebenfalls zum Beruf. Wenn nachts Alarm ausgelöst werde, müssten die Pilotinnen und Piloten innerhalb von 15 Minuten in der Luft sein. Auf den Ernstfall würden sie intensiv vorbereitet werden.

Zwischen den Flugvorführungen sorgte das Marinemusikkorps Wilhelmshaven für den musikalischen Rahmen. Dabei beherrschten sie mehr als Militärmusik und gaben auch ein Robbie-Williams-Medley zum Besten. 

Das Marinemusikkorps Wilhelmshaven sorgte beim Tag der Bundeswehr für den musikalischen Rahmen. Fotos: Brettschneider
Ein Eurofighter-Pilot erläuterte den Besuchern die körperlichen Belastungen bei Flugmanövern mit bis zu 9 G. Fotos: Brettschneider

Die letzte Konsequenz

Zur offiziellen Eröffnung begrüßte Kapitän zur See Broder Nielsen, Kommandeur der Marineflieger, die Gäste mit einem norddeutschen "Moin".

"Sie haben schon mal alles richtig gemacht. Sie haben die Chance genutzt und sind nach Nordholz gekommen", sagt er. Doch Nielsen machte früh deutlich, dass der Tag mehr sein soll als eine Leistungsschau. Es sei ein Tag der Freude, aber auch ein Tag des Gedenkens.

Die Marine trauert um einen Angehörigen der Minentaucher und um einen Musiker des Marinemusikkorps Wilhelmshaven. Statt einer klassischen Schweigeminute bat Nielsen die Besucher während eines poetischen Beitrags von Leutnant zur See Veronika Scholz, bekannt als "Poesie-Matrose", innezuhalten. Auf dem weitläufigen Gelände wurde es für einen Moment ungewöhnlich ruhig.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius wandte sich per Live-Übertragung an die Besucher des Tags der Bundeswehr. Fotos: Brettschneider

Bundeswehr wirbt um Vertrauen

Am Mittag wurden Reden von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Bundeskanzler Friedrich Merz live auf einer Leinwand übertragen. Pistorius berichtete von bundesweit bereits rund 300.000 Besucherinnen und Besuchern beim Tag der Bundeswehr- etwa 20.000 mehr als beim vergangenen Mal. Die Streitkräfte stünden fest in der Mitte der Gesellschaft. Soldatinnen und Soldaten kämen aus Städten und Dörfern, aus unterschiedlichen Lebenswelten und mit unterschiedlichen Biografien.

Der Auftrag, Deutschland zu schützen und zu verteidigen, sei keine Floskel, betonte der Minister. Die aktuellen Konflikte in Europa und weltweit würden dies deutlich machen. Allein im vergangenen Jahr habe die Bundeswehr rund 25.000 neue Soldatinnen und Soldaten gewonnen - so viele wie seit Jahren nicht mehr.

Neugierige Blicke ins Cockpit: Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, einen Hubschrauber aus nächster Nähe zu erkunden. Fotos: Brettschneider
Neben den aktuellen Luftfahrzeugen der deutschen Marineflieger war auch die Luftwaffe unter anderem mit einer Dreier-Formation des imposanten Airbus A400M vertreten. Foto: Reese-Winne

Anschließend meldete sich Bundeskanzler Friedrich Merz aus Rostock zu Wort. Ein Satz seiner Rede blieb vielen in Erinnerung: "Wir wollen uns verteidigen können, damit wir uns nicht verteidigen müssen."

Als sich der Nachmittag dem Ende näherte, füllten sich die Wege erneut. Familien machten sich auf den Rückweg zu den Shuttlebussen. Gespräche über Flugzeuge, Ausrüstung und den Austausch mit Soldatinnen und Soldaten waren zu hören.

Viele Besucher hatten genau das gefunden, weshalb sie gekommen waren: einen Blick hinter die Uniformen.

Von Bengta Brettschneider und Maren Reese-Winne

Einmal queer durch die P-8A Poseidon. Foto: Reese-Winne

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Bengta Brettschneider

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