30.000 Besucher beim Tag der Bundeswehr in Nordholz - Eurofighter als Publikumsmagnet
Stau auf den Zufahrtsstraßen und der Donner eines Eurofighters über den Köpfen: Tausende Menschen zog es zum Tag der Bundeswehr nach Nordholz. Dort trafen Flugshows, persönliche Geschichten und bewegende Momente aufeinander. Mit vielen neuen Fotos.
Nordholz blickt zurück auf einen großen Tag. An zehn Standorten fand bundesweit der Tag der Bundeswehr statt. Der Marinefliegerstützpunkt begeisterte dabei 30.000 Besucherinnen und Besucher mit einem reibungslosen Ablauf und einer imposanten Flugshow.
Das Deichbrand-Festival ist zwar erst in sechs Wochen, und trotzdem erinnerte der Weg nach Nordholz an einen Festivalmorgen. Autos standen Stoßstange an Stoßstange. Auf den als Parkplätze genutzten Feldern hatten die Regenfälle ihre Spuren hinterlassen. Menschen stapften über Felder, Familien zogen Bollerwagen hinter sich her. Vor den Shuttlebussen bildeten sich lange Schlangen.

Die Stimmung blieb dennoch gelassen. Viele Besucher hatten eine längere Anreise hinter sich und die Bundeswehr koordinierte die Anreise reibungslos.
Maik war aus dem Sauerland gekommen. Er war mit Stabsunteroffizier Tony aus Delmenhorst angereist. Schon lange hatten sie sich den Besuch vorgenommen. Er interessierte sich besonders für die ausgestellten Luftfahrzeuge.

Vivien, Bärbel und Sascha aus Nordholz und Dorum kannten die Flugzeuge vor allem als Ursache der täglichen Geräuschkulisse. "Wir hören sie jeden Tag", meinten sie lachend und blickten Richtung Flugfeld. Umso größer sei die Neugier, die Maschinen einmal aus nächster Nähe zu sehen. "Wann hat man schon mal die Möglichkeit dazu?"

Zwischen Donnern und Staunen
Vor einem der ausgestellten Flugzeuge wartete auch Keith. Der US-Amerikaner aus Florida arbeitet seit März als Fluggerätmechaniker in Nordholz. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen nutzte er die Gelegenheit, die Maschinen einmal aus nächster Nähe zu betrachten und einen Blick hinter die Kulissen seines neuen Arbeitsumfelds zu werfen.

Als die ersten Flugvorführungen begannen, richteten sich die Blicke dann nach oben. Neben den aktuellen Luftfahrzeugen der deutschen Marineflieger war auch die Luftwaffe unter anderem mit einer Dreier-Formation des imposanten Airbus A400M vertreten. Darauf folgte der Auftritt des Eurofighters EF2000. Man hörte ihn lange, bevor man ihn sah. Das Dröhnen schob sich über den Flugplatz. Menschen suchten mit den Augen den Himmel ab. "Wo ist er?", fragte ein Junge und kniff die Augen zusammen. Dann durchbrach der Kampfjet die Wolkendecke und zog mit hoher Geschwindigkeit über das Gelände.


Wenig später erklärte ein 36-jähriger Eurofighter-Pilot die körperlichen Anforderungen seines Berufs. Während eines Flugs wirken Kräfte von bis zu 9 G auf den Körper - ein Pilot mit 80 Kilogramm spürt dabei kurzfristig Belastungen, die etwa 720 Kilogramm entsprechen. Ein spezieller Anzug unterstützt die Durchblutung der Beine, eine zusätzliche Weste stabilisiert den Oberkörper und sorgt dafür, dass das Gehirn ausreichend mit Blut versorgt wird.


Der Weg ins Cockpit sei lang, berichtete der Offizier. Medizinische Untersuchungen, psychologische Tests, Computerauswahlverfahren und Simulatortraining gehörten dazu. "Ein langer, aber sehr cooler Weg", betonte er.
Die Einsatzbereitschaft gehöre ebenfalls zum Beruf. Wenn nachts Alarm ausgelöst werde, müssten die Pilotinnen und Piloten innerhalb von 15 Minuten in der Luft sein. Auf den Ernstfall würden sie intensiv vorbereitet werden.
Zwischen den Flugvorführungen sorgte das Marinemusikkorps Wilhelmshaven für den musikalischen Rahmen. Dabei beherrschten sie mehr als Militärmusik und gaben auch ein Robbie-Williams-Medley zum Besten.


Die letzte Konsequenz
Zur offiziellen Eröffnung begrüßte Kapitän zur See Broder Nielsen, Kommandeur der Marineflieger, die Gäste mit einem norddeutschen "Moin".
"Sie haben schon mal alles richtig gemacht. Sie haben die Chance genutzt und sind nach Nordholz gekommen", sagt er. Doch Nielsen machte früh deutlich, dass der Tag mehr sein soll als eine Leistungsschau. Es sei ein Tag der Freude, aber auch ein Tag des Gedenkens.
Die Marine trauert um einen Angehörigen der Minentaucher und um einen Musiker des Marinemusikkorps Wilhelmshaven. Statt einer klassischen Schweigeminute bat Nielsen die Besucher während eines poetischen Beitrags von Leutnant zur See Veronika Scholz, bekannt als "Poesie-Matrose", innezuhalten. Auf dem weitläufigen Gelände wurde es für einen Moment ungewöhnlich ruhig.

Bundeswehr wirbt um Vertrauen
Am Mittag wurden Reden von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Bundeskanzler Friedrich Merz live auf einer Leinwand übertragen. Pistorius berichtete von bundesweit bereits rund 300.000 Besucherinnen und Besuchern beim Tag der Bundeswehr- etwa 20.000 mehr als beim vergangenen Mal. Die Streitkräfte stünden fest in der Mitte der Gesellschaft. Soldatinnen und Soldaten kämen aus Städten und Dörfern, aus unterschiedlichen Lebenswelten und mit unterschiedlichen Biografien.
Der Auftrag, Deutschland zu schützen und zu verteidigen, sei keine Floskel, betonte der Minister. Die aktuellen Konflikte in Europa und weltweit würden dies deutlich machen. Allein im vergangenen Jahr habe die Bundeswehr rund 25.000 neue Soldatinnen und Soldaten gewonnen - so viele wie seit Jahren nicht mehr.


Anschließend meldete sich Bundeskanzler Friedrich Merz aus Rostock zu Wort. Ein Satz seiner Rede blieb vielen in Erinnerung: "Wir wollen uns verteidigen können, damit wir uns nicht verteidigen müssen."
Als sich der Nachmittag dem Ende näherte, füllten sich die Wege erneut. Familien machten sich auf den Rückweg zu den Shuttlebussen. Gespräche über Flugzeuge, Ausrüstung und den Austausch mit Soldatinnen und Soldaten waren zu hören.
Viele Besucher hatten genau das gefunden, weshalb sie gekommen waren: einen Blick hinter die Uniformen.
Von Bengta Brettschneider und Maren Reese-Winne

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