In St.-Petri-Kirche Osten: Stader Kammerorchester begeistert mit Schuberts Sinfonie
Das Stader Kammerorchester verzauberte in Zusammenarbeit mit der Theater-AG der IGS Stade in der St.-Petri-Kirche in Osten (Samtgemeinde Land Hadeln / Kreis Cuxhaven) mit einer einzigartigen Inszenierung von Schuberts Sinfonie.
Als Schnee und Eis ziemlich weggetaut waren, bot sich die ideale Gelegenheit für einen Konzertbesuch in der St.-Petri-Kirche in Osten. Das Stader Kammerorchester lockte viele Besucher an, sodass das Kirchenschiff schon vor Beginn gefüllt war. Angekündigt wurde ein neues Format in Zusammenarbeit mit der Theater-AG der Integrierten Gesamtschule (IGS) Stade. Die Musik solle nicht nur zum Klingen, sondern auch auf die Bühne gebracht werden. Damit werde für alle etwas Neues sichtbar.
Als Rahmenhandlung zur halbszenischen Darstellung erklang zu Beginn die Egmont-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven. "Schubert war ja auch Beethoven-Fanboy", erklärte Theaterspielerin Jule. Nach dem Drama von Johann Wolfgang von Goethe stellt das op. 84 musikalisch den Kampf gegen Unterdrückung dar und endet mit einem triumphalen Ausdruck von Freiheit und Sieg - wunderbar umgesetzt vom Stader Kammerorchester unter der Leitung von Alexander Mottok. Die Musiker füllten nicht nur den Altarraum, sondern brachten die ganze Kirche zum Klingen.

In Wien entdeckt, in Leipzig uraufgeführt
In das Jahr 1838 versetzte Robert Schumann (Marwan Hseinow) die Zuhörer, als er durch das Kirchenschiff schritt. Sein erster Besuch in Wien führte ihn nicht nur zu den Gräbern von Beethoven und Schubert, sondern auch zu Ferdinand Schubert (Mira Keresztesi), dem Bruder von Franz Schubert. Im Gespräch kam der Fund einer bis dahin unbekannten Komposition einer Sinfonie von Franz heraus. Nachdem diese zu Felix Mendelssohn Bartholdy (Leni Diekmann) geschickt und im Leipziger Gewandhaus elf Jahre nach Schuberts Tod uraufgeführt worden war, erlangte sie weltweiten Ruhm. Die Sinfonie Nr. 8 in C-Dur, genannt "Die Große", gilt oft als die erste romantische Sinfonie, da sie lyrische Melodien mit klassischer Struktur verbindet.

Musikklausur einmal anders
Jule (Svea Horeis, Stimme: Lykka Horeis) steht vor der Aufgabe einer Musikklausur und lässt das Publikum an ihren Gedanken, wie sie sich mit der Sinfonie auseinandersetzt, teilnehmen. "Die hat eine Länge wie ein dicker Roman." Dank moderner Abspielgeräte hat die Schülerin die Möglichkeit, in einzelne Passagen hineinzuhören. Das gesamte Stader Kammerorchester und einzelne Stimmgruppen setzten diese Melodien um. "Wow, da sind die lauten Gedanken auf die anderen Instrumente verteilt. Eine Melodie von allen drei Posaunen. Posaunen können alles, wenn man sie nur lässt. Ein Dialog zwischen Büffelherde und einem Fliegenschwarm": Jules kluge Gedanken sprudelten aus ihr heraus und sie war sich sicher, eine "gute Note im Sack" zu haben.
Für das Publikum war es eine Möglichkeit, die Sinfonie mitzuentdecken. Diese neue Interpretation des Werks kam supergut an und wurde mit viel Applaus honoriert. Begeistert wurde im zweiten Teil die gesamt gespielte Sinfonie Nr. 8 in C-Dur "Die Große" aufgenommen. Das Kammerorchester, das fast ausschließlich aus Laienmusikern besteht, hatte unter der Leitung von Alexander Mottok dem Publikum zwei wunderschöne Stunden Musik beschert.
Von Heidi Giesecke