Gertrud Walter wurde von ihrem Neffen in die St. Severi-Kirche in Otterndorf gebracht, wo sie von Bürgermeister Claus Johannßen begrüßt wurde. Foto: Brettschneider
Gertrud Walter wurde von ihrem Neffen in die St. Severi-Kirche in Otterndorf gebracht, wo sie von Bürgermeister Claus Johannßen begrüßt wurde. Foto: Brettschneider
Besonderer Geburtstag

Wunsch zum 105. Geburtstag: Otterndorferin kehrt an ihren Herzensort zurück

von Bengta Brettschneider | 16.01.2026

In Otterndorf feiert Gertrud Walter ihren 105. Geburtstag mit einem bewegenden Besuch in der St.-Severi-Kirche. Die 1921 geborene Jubilarin erfüllt sich einen Herzenswunsch, blickt dankbar zurück und zeigt: Verbundenheit trägt ein Leben lang.

Als Gertrud Walter, geborene Jark, im Jahr 1921 geboren wurde, war Deutschland ein Land im Umbruch. Die junge Weimarer Republik kämpfte mit politischen Spannungen, steigenden Preisen und den Folgen des Ersten Weltkriegs. 105 Jahre später blickt sie auf ein Leben zurück, das so viele Kapitel deutscher Geschichte umfasst wie kaum ein anderes.

Ein bewegender Moment

Als die Jubilarin am heutigen Morgen des 16. Januar 2026 in ihrem Rollstuhl von ihrem Neffen in die St.-Severi-Kirche in Otterndorf geschoben wurde, war sie bereits sichtlich gerührt. Empfangen wurde sie von Pastor Axel Scholz, Christoph Arp, Ehrenvorsitzender des DRK Cuxhaven-Hadeln, und auch Bürgermeister Claus Johannßen. Auch Kantor Christian Müller, Küster Lutz Andreasson und eine Freundin, Frau Petri erwiesen Gertrud Walter zu ihrem Geburtstag die Ehre. 

Gerührt hörte Gertrud Walter dem Orgelspiel des Kantors Christian Müller zu, der ihren Lieblingschoral spielte. Foto: Brettschneider

Bereits im vergangenen Jahr hatte Gertrud Walter den Wunsch geäußert, noch einmal "ihre Kirche" besuchen zu können. Zu ihrem 105. Geburtstag sollte dieser Wunsch in Erfüllung gehen. Viele Jahre wohnte sie in Otterndorf - genauer gesagt in der Voßstraße. Ihre Eltern besaßen eine Schlachterei. Sie sang als junge Frau im Kirchenchor und war als Kirchenwächterin aktiv. Auch Kirchenführungen gehörten eine Zeit lang zu ihren Aufgaben.

Seit drei Jahren lebt sie jetzt im Martin-Luther-Haus in Cuxhaven. Einmal im Jahr kommt ihr Neffe sie aus dem Saarland besuchen und auch in Amerika hat sie Verwandtschaft.

Gertrud Walter war bereits mit Frau Petris Mutter befreundet und besuchte mit ihr als junges Mädchen den Sportverein. Foto: Brettschneider

"Vor allem habe ich Dankbarkeit"

Nachdem die Geburtstagsgesellschaft ein spontanes "Viel Glück und viel Segen" angestimmt hatte, wünschte sich die 105-Jährige ihren Lieblingschoral von Kantor Müller. Nachdem der letzte Ton von "Jesus, meine Freude" verklungen war, flüsterte sie ergriffen: "Ich habe Dankbarkeit, vor allem habe ich Dankbarkeit." Ein Leben lang war sie mit der St.-Severi-Kirche verbunden. 

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich Gertrud Walter gewünscht, noch einmal in "ihre Kirche" zurückkehren zu können. Dieses Jahr ging er zu ihrem 105. Geburtstag in Erfüllung. Foto: Brettschneider

Für den besonderen Anlass hatte sich Gertrud Walter schick gemacht. Sie trug einen weißen Mantel und schönen Schmuck. Ihre Haare waren in eleganten Wellen gelegt. "Ich bin gesund, ich habe nur ein blödes Bein und kann nicht mehr so laufen wie früher", erzählte sie. Frau Petri fügte hinzu, dass Gertrud Walter seit ihrem zehnten Lebensjahr Leichtathletin war. "Meine Mutter und sie haben sich als Kinder im Sportverein kennengelernt. Später waren sie beim Kaffeeklatsch." Heute sei Gertrud Walter die letzte lebende Freundin, die sie immer mal wieder im Martin-Luther-Haus besuche. "Wir Otterndorfer halten zusammen", betonte sie. 

Zum Schluss sprachen alle ein gemeinsames Vaterunser, bevor Pastor Scholz der Jubilarin den Segen spendete. Mit zwei großen Blumensträußen verließ Gertrud Walter die Kirche. "Nächstes Jahr sehen wir uns hier wieder", verabschiedete sich Axel Scholz, und die Otterndorferin ließ noch einen dankbaren Blick über die Geburtstagsgäste gleiten.

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Bengta Brettschneider

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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