Neue Dauerausstellung in Otterndorf: Realschule macht Kunst und Geschichte lebendig
Was ein trister Schulflur war, ist heute ein Gang voller Kunst und Geschichten. Wo Schüler sonst auf dem Weg zum nächsten Unterrichtsraum vorbeieilten, laden nun Bilder zum Stehenbleiben und Nachdenken ein. Ein Durchgang ist eine Galerie geworden.
Am Freitag wurde in der Johann-Heinrich-Voß-Schule in Otterndorf die Wilhelm-Wagner-Ausstellung feierlich eröffnet. Schülerinnen und Schüler der Realschule stellten dabei Kunstwerke vor, mit denen sie sich in den vergangenen Wochen intensiv beschäftigt hatten. Titel wie "Traumschiff", "Sehnsucht" oder "Weiße Welle" wurden den Besuchern nähergebracht. Doch nicht alle Bilder haben einen maritimen Hintergrund - sie sind vor allem inspiriert vom Leben und Wirken des Künstlers und Lehrers Wilhelm Wagner, der von 1954 bis 1956 als Oberlehrer für Werken und Zeichnen an der Johann-Heinrich-Voß-Schule unterrichtete.
Viele Aquarelle und Bleistiftzeichnungen
Wilhelm Wagner wurde 1897 in Graudenz in Westpreußen (heute Polen) geboren. Sein Vater war Gutsbesitzer. Von 1916 bis 1919 leistete er Kriegsdienst, studierte anschließend in Berlin Kunsterziehung und arbeitete danach als Lehrer. Zunächst unterrichtete er in Klaipėda (heute Litauen) bis 1939, anschließend war er bis 1945 erneut im Krieg. Es folgten zwei Jahre in englischer Kriegsgefangenschaft. Ab 1950 war er Lehrer an der Mittelschule Bergen/Belsen, bevor er 1954 nach Otterndorf kam. Wagner hatte drei Söhne und verstarb 1956 in der Medemstadt.
Seine wechselvollen Lebensstationen und vor allem die Kriegserfahrungen spiegeln sich deutlich in seinen Werken wider. Der "lauernde Tod" ist ein immer wiederkehrendes Motiv. Doch die Schülerinnen und Schüler glaubten sogar, einige der Orte in Otterndorf wiederzuerkennen, die Wagner als Aquarell oder Bleistiftzeichnung festgehalten hatte.
Doch wie kam die Schule an die Kunstwerke? Darüber berichtete Schulleiter Arne Gade bei der Eröffnung, zu der zahlreiche Interessierte aus Otterndorf und Umgebung gekommen waren. Die Werke stammen aus dem Besitz der Familie Wagner. "Wolfram Wagner, einer der Söhne von Wilhelm Wagner, gehörte die Ausstellung und er hat sie uns überschrieben", erklärte Gade. Von der Schenkung bis zur fertigen Dauerausstellung verging rund ein halbes Jahr, in dem von der ersten Idee bis zur Umsetzung viele Arbeitsstunden investiert wurden.
Kunstwerke der Öffentlichkeit zeigen
Die Schülerinnen und Schüler rahmten die Bilder, brachten sie in Position. Auch ein Schriftzug wurde angefertigt und neue Beleuchtung für die Kunstwerke installiert. Zudem gibt es QR-Codes: Die Werke, mit denen sich die Schüler beschäftigt und die sie beschrieben haben, wurden eingesprochen und können von Besuchern angehört werden.
Schulleiter Gade wünscht sich, dass die Ausstellung nicht nur für Eltern und Schüler zugänglich bleibt: "Es würde mich freuen, wenn wir uns mit der Stadt vernetzen können. Es wäre toll, wenn wir die Bilder auch Besuchern und Touristen zeigen könnten." Ein Teil der Werke von Wagner sind nun in Otterndorf zu sehen, weitere befinden sich im Kunstmuseum Bonn.
Gade bedankte sich bei Familie Wagner, dem Schulamt, beim Kulturreferat des Landkreises, bei der Weser-Elbe-Sparkasse und beim Förderverein, die das Projekt finanziell unterstützt haben. Mit der neuen Dauerausstellung wird Wilhelm Wagner in Otterndorf nach seiner Zeit als Lehrer, als Künstler wieder sichtbar - und durch die Arbeit der Schüler für eine neue Generation erlebbar gemacht.