So könnte eine begrünte Fassade aussehen. Foto: dpa/Karmann
So könnte eine begrünte Fassade aussehen. Foto: dpa/Karmann
Otterndorfer Abiturientin

Mit Algorithmus: Wie eine junge Otterndorferin (20) die Gebäude-Zukunft verändert

25.03.2024

Um für mehr Naturnähe im urbanen Raum zu sorgen, haben Schüler aus ganz Deutschland, die der "StartUP AG" angehören, etwas Besonderes entwickelt. Die Ideengeberin für einen passenden Algorithmus ist eine Otterndorfer Abiturientin.

Die "StartUp AG" wurde von der jungen Naturschutzorganisation "wilde-natur.org" aufgebaut, um Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland für den Naturschutz zu begeistern. Bei digitalen Treffen tauschen die Teilnehmer ihre Ideen aus. Gleichzeitig solle ihnen dabei der Prozess einer Firmengründung nähergebracht werden. Das erste Pilotprojekt der Arbeitsgemeinschaft (AG) war die Entwicklung eines Online-Shops für heimisch angebautes, nachhaltiges Wildvogelfutter. Jetzt startete die AG das neue Projekt "Fassadenbegrünung". 

Bei der Fassadenbegrünung werden die Außenfassaden von Häusern oder Wohnungen mit Pflanzen begrünt. Dadurch wird ein naturnaher Lebensraum für Insekten und andere Tiere geschaffen. Die "StartUp AG" hat dafür einen Algorithmus entwickelt, der die passende Pflanze für die jeweiligen Vorlieben der Bürger herausfindet. "Die Natur stärken, wo sonst der Beton nur so sprießt: Das ist das selbst gewählte Ziel der deutschlandweiten StartUp AG", erklärt Elke Freimuth von der Naturschutzorganisation "wilde-natur.org". Besonders vorangebracht wurde das Projekt durch die 20-jährige Otterndorferin Jiline Schwenker.

Ein Algorithmus für die richtige Pflanze

Die 20-Jährige entwarf einen Bewertungsalgorithmus, um eine passende Pflanze für den jeweiligen Nutzer zu finden. "Bei einem Bewertungsalgorithmus gibt man verschiedene Kriterien an, die vom Nutzer ausgewählt werden können. Diese Kriterien, wie zum Beispiel, ob die Fassade eher sonnig oder schattig ist, erhalten verschiedene Punktzahlen. Hat man alle für sich zutreffenden Kriterien angegeben, gewinnt sozusagen am Ende die Pflanze mit den meisten Punkten. Das ist dann die Pflanze, die für den Nutzer am besten geeignet ist", erklärt Schwenker. Weitere Kriterien sind unter anderem die Laub- oder Blütenfarbe, die Pflanzenart oder die Laubphase. 

Für Jiline Schwenker ist der Naturschutz eine Herzensangelegenheit. Foto: Grell

Jiline Schwenker hat sich schon früh für künstliche Intelligenz (KI) begeistert. Ursprünglich plante sie, eine KI für die Pflanzenauswahl zu generieren. "Allerdings hat mich mein Informatiklehrer am Gymnasium schnell auf den Boden der Tatsachen geholt", erinnert sich die 20-Jährige. Denn eine KI an der Schule zu generieren, sei kaum machbar. So einigten sie sich auf den Bewertungsalgorithmus. Diesen stellte sie bei einem der digitalen Treffen der AG vor.

Mühselige Arbeit, die sich ausgezahlt hat

Etwa ein Dreivierteljahr dauerte es, den Algorithmus im Rahmen der "StartUp AG" zu programmieren. Die Otterndorferin opferte viel ihrer Freizeit für die Programmierung: "Ich habe selbst alle Pflanzendaten in den Algorithmus eingepflegt. Die Zeit in der Schule reichte dafür nicht aus, ich beschäftigte mich auch zu Hause damit." Doch die Arbeit hatte sich am Ende gelohnt: Denn jetzt übernimmt der Bundesverband Gebäudegrün den Algorithmus. Elkre Freimuth freut sich über die gelungene Arbeit der Schüler: "Der Algorithmus zur Pflanzenauswahl wird vom Bundesverband inhaltlich weiter ausgebaut. Dieser wird künftig auf dem neuen Internetauftritt des Verbandes zu finden und auszuprobieren sein." 

Jiline Schwenker ist sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Ihr liege der Naturschutz besonders am Herzen und das Projekt "Fassadenbegrünung" sei ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. "Ich wünsche mir im Bereich Naturschutz mehr Aktivität von allen Bürgern. Durch meinen Algorithmus habe ich selbst etwas unternommen, um gegen den Klimawandel anzugehen und mehr Hoffnung für die Zukunft zu schaffen." Dieses Ziel möchte die 20-Jährige auch weiterhin verfolgen. Daher studiert sie nun Bioinformatik an der Eberhard Karls Universität in Tübingen. Jiline Schwenker ist sich sicher: "Ich möchte weiterhin in der StartUp AG bleiben und die Projekte unterstützen und vorantreiben." Der Algorithmus sowie weitere Informationen zu dem Projekt sind auf der Internetseite fassaden-begruenung.org zu finden.

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