Diese Stelle an der Besenhalmer Trift sorgt für Aufsehen: Hier fand Dirk Grabau die Überreste eines Schafs. Aus Pietätsgründen hat die NEZ/CN-Redaktion das Bild gepixelt. Foto: Grabau
Diese Stelle an der Besenhalmer Trift sorgt für Aufsehen: Hier fand Dirk Grabau die Überreste eines Schafs. Aus Pietätsgründen hat die NEZ/CN-Redaktion das Bild gepixelt. Foto: Grabau
Verdacht fällt nicht auf den Wolf

Kadaver am Elbdeich zwischen Otterndorf und Cuxhaven-Altenbruch: Rätsel um totes Tier

von Jens Potschka | 23.06.2026

Als ein passionierter Radfahrer an einem sonnigen Samstagmorgen den Deichweg zwischen Altenbruch und Cuxhaven entlangradelt, entdeckt er etwas, das ihm den Atem stocken lässt. Ein mysteriöser Fund gibt Rätsel auf.

Dirk Grabau fährt gern früh los. An diesem Sonnabend (20. Juni 2026) schwingt er sich kurz nach acht Uhr aufs Rad und folgt dem Deichverteidigungsweg von Otterndorf Richtung Altenbruch. Hinter den Strandkörben weiden die ersten Schafe, dahinter Rinder, dann wieder Schafe. Grabau kennt die Strecke gut.

Auf Höhe der Besenhalmer Trift hält ihn ein Anblick an. Vier Meter vom Weg entfernt liegt ein Tier im Gras. Nur die hintere Hälfte. Grabau steigt ab und macht ein Foto. Was er sieht, lässt keinen Zweifel: Hier hat etwas ein Schaf gerissen, oder zumindest seine Reste zurückgelassen.

Am Elbdeich in Sichtweite des Leuchtturms "Dicke Berta" grasen die Schafe. Archivfoto: Koppe

Schock am frühen Morgen

Grabau greift zum Telefon. Die Polizeidienststelle Otterndorf ist am Wochenende nicht besetzt, also wählt er die Nummer der Polizeiinspektion in Cuxhaven. Dort nimmt jemand die Meldung auf und verspricht, den zuständigen Schäfer zu informieren. Für Grabau ist die Sache damit erledigt. Er hat seine Pflicht getan und den Fund gemeldet, so wie es ein aufmerksamer Bürger tut, der die Region und ihre Weiden seit Jahren kennt.

Schäfer widerspricht Wolfsverdacht

Florian Heitsch vom Deichverband Land Hadeln kennt die Flächen am Elbdeich genau. Drei Schäfer beweiden dort die Deichabschnitte, einer von ihnen betreut den Bereich um die Besenhalmer Trift. Die Polizei hatte den Schäfer  bereits über den Kadaverfund informiert, als Heitsch von dem Fall erfährt. Der Schäfer ist wolfserfahren und sagt gegenüber cnv-medien.de ganz klar: Ein Wolf war es nicht. Möglich sei ein Hund gewesen, oder das Tier sei zuvor an der Hitze verstorben und danach von anderen Tieren angefressen worden. An jenem Sonnabend war es heiß, am Nachmittag kippte ein weiteres Schaf in der Nähe um, der Schäfer konnte es noch retten. Weil der erfahrene Mann keine Anzeichen für einen Wolfsriss sah, blieb es bei dieser Einschätzung. Eine DNA‑Probe wurde nicht genommen.

Im Neubaugebiet Am Medembogen prägen Familien das Stadtbild. Hier kam es jetzt zum Riss eines Rehs. Foto: Kramp

Erster Fall bleibt ungeklärt

Es ist nicht der erste Wolfsverdacht in der Gegend. Vor rund sechs Wochen war im Neubaugebiet Am Medembogen in Otterndorf ein gerissenes Reh aufgefunden worden. Ob ein Wolf dafür verantwortlich war, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Auch Grabau selbst hatte dazu einen Leserbrief geschrieben und mehr Transparenz von den Behörden gefordert. Eine Antwort darauf gibt es weiterhin nicht. Zwei Funde binnen sechs Wochen, zwei offene Fragen: Otterndorf wartet auf Klarheit.

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