Autostreit in Lamstedt endet mit schweren Verletzungen - Prozess in Otterndorf
Ein Streit um Autos, verschwundene Schlüssel und Reparaturen ist am Dienstag vor dem Amtsgericht Otterndorf verhandelt worden. Angeklagt waren ein 32-jähriger Lamstedter und sein Vater (50). Ihnen wurde gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.
Der Vorfall, um den es vor Gericht ging, ereignete sich im Dezember 2025 in Lamstedt. Der 41-jährige Geschädigte arbeitet als Kfz-Mechaniker und kannte die beiden Angeklagten bereits aus geschäftlichen Beziehungen. Vater und Sohn, die mit Autos handeln, hatten Fahrzeuge bei ihm zur Reparatur abgegeben. Doch die Zusammenarbeit war zunehmend von Streit geprägt. Nach den Schilderungen in der Verhandlung ging es unter anderem um drei Fahrzeuge, Verzögerungen bei Reparaturen, Probleme mit dem TÜV und verschwundene Autoschlüssel. Bereits vor dem späteren handfesten Streit sollen wütende Nachrichten und Sprachnachrichten ausgetauscht worden sein.
Am Tag der Auseinandersetzung erschienen Vater und Sohn gemeinsam mit einem Freund an der Werkstatt, um die Fahrzeuge abzuholen. Dort eskalierte die Situation. Zwischen dem 50-Jährigen und dem Kfz-Mechaniker kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Beide Männer gingen zu Boden und rangen miteinander. Die Frau des Geschädigten rief die Polizei.
Beteiligte schildern das Geschehen unterschiedlich
Wer den Streit begonnen hatte und wie genau die Prügelei ablief, ließ sich in der Verhandlung jedoch nicht eindeutig klären. Die Beteiligten schilderten das Geschehen unterschiedlich. Vater und Sohn behaupteten unter anderem, die Frau des Geschädigten habe einen Hund auf sie hetzen wollen und eine Brechstange aus dem Haus geholt. Der Geschädigte widersprach zumindest der Darstellung mit dem Hund: Dieser sei zu diesem Zeitpunkt nicht draußen gewesen.
Der 50-jährige Angeklagte bestritt, den Mechaniker angegriffen zu haben. "Ich wollte mich nicht mit ihm schlagen", sagte er vor Gericht. Streitigkeiten würde er normalerweise im Gespräch klären. Allerdings räumte er ein, dem Geschädigten ins Gesicht geschlagen zu haben - nach seiner Darstellung "aus Reflex". Zugleich sagte er: "Ich bereue es auch." Nach Aussage des Angeklagten sei der 41-Jährige während des Streits "völlig durchgedreht" und "voller Hass" gewesen.
Der Geschädigte stellte den Ablauf anders dar. Nach seiner Aussage hätten Vater und Sohn mit der Auseinandersetzung begonnen. "Ich habe mich gewehrt", sagte er. Außerdem schilderte er, der jüngere Angeklagte habe auf seine damalige Frau losgehen wollen. Das bestritten Vater und Sohn. Während der Auseinandersetzung sei sein Kopf zudem auf ein Knie gerammt worden, berichtete der 41-Jährige.
Die Folgen waren erheblich: Der Mann erlitt einen Bruch des Orbitabodens, also des Knochens am Boden der Augenhöhle, sowie einen Nasenbruch. Er wurde nach dem Vorfall mit einem Rettungshubschrauber abtransportiert. Vor Gericht berichtete er von bis heute bestehenden Einschränkungen: "Ich sehe nicht mehr allzu viel auf dem Auge."
Nach den Zeugenaussagen zogen sich Richterin Sabine Deutschmann, die Staatsanwältin und die Verteidiger der beiden Angeklagten zu einem Rechtsgespräch zurück. Wegen der widersprüchlichen Aussagen einigten sich die Beteiligten schließlich darauf, das Verfahren einzustellen. Die beiden nicht vorbestraften Angeklagten müssen jeweils 5000 Euro an den Geschädigten zahlen. Zwei Fahrzeuge befinden sich noch bei diesem; Vater und Sohn dürfen sie nun abholen. Die dazugehörigen Schlüssel sind nach Angaben des Geschädigten allerdings weiterhin nicht vorhanden.
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.