Keine Altpapiercontainer mehr: Bis zum 30. September sollen alle Standorte in den Samtgemeinden Land Hadeln, Hemmoor und Börde Lamstedt aufgelöst sein, auch dieser in Otterndorf. Foto: Lütt
Keine Altpapiercontainer mehr: Bis zum 30. September sollen alle Standorte in den Samtgemeinden Land Hadeln, Hemmoor und Börde Lamstedt aufgelöst sein, auch dieser in Otterndorf. Foto: Lütt
Müllentsorgung

Darum schafft die Firma Karl Meyer alle Altpapiercontainer im Altkreis Land Hadeln ab

von Christian Mangels | 22.08.2023

Die öffentlichen Altpapiercontainer im Altkreis Land Hadeln sind bald Geschichte: Die Firma Karl Meyer will die 17 Sammelplätze in den Samtgemeinden Land Hadeln, Hemmoor und Börde Lamstedt zum 30. September komplett auflösen.

Mal eben schnell zum Altpapiercontainer und die alten Versandkartons einwerfen - diese Zeiten sind bald vorbei. Bis zum 30. September werden die öffentlichen Altpapiersammelstellen an sämtlichen Standorten im Altkreis Land Hadeln aufgelöst. Das teilt der Entsorgungsdienstleister Karl Meyer aus Wischhafen in einer Presseerklärung mit. Betroffen sind sieben Stellplätze mit Müllgroßbehältern (Hemmoor und Lamstedt) sowie zehn Standorte mit Depotcontainern (Cadenberge, Hechthausen, Neuhaus, Otterndorf und Wingst). Insgesamt werden 73 Behälter und Container abgezogen.

Damit werde das Sammelsystem dem übrigen Teil des Landkreises Cuxhaven angepasst, teilt Unternehmenssprecher Lars Koch mit. Dort gebe es die öffentlichen Container schon lange nicht mehr. "Altpapier aus Privathaushalten im Altkreis Land Hadeln wird künftig ausschließlich über die blaue Altpapiertonne gesammelt", sagt Koch. 

Größere Kartons und Pappen werden nicht verkleinert

Die Firma Karl Meyer begründet diesen Schritt unter anderem mit dem veränderten Nutzerverhalten. Viele Bürgerinnen und Bürger hätten die öffentlichen Container in den vergangenen Jahren vor allem genutzt, um größere Kartons und Pappen zu entsorgen. "Doch gerade hier sind die Probleme entstanden", so Koch. Entsorger würden seit Jahren erklären, wie wichtig es ist, diese Kartonagen vernünftig zu zerkleinern. "Das ist allerdings zu selten geschehen. Kartons wurden nur so zusammengedrückt, dass diese gerade so durch den Einwurfschlitz passen. Diese haben sich danach allerdings wieder aufgestellt und mehr Platz eingenommen als nötig."

Diese Entwicklung habe sich durch die zunehmende Abnahme von Papier mit mehr Gewicht (Zeitschriften oder Zeitungen) und dem Anstieg der leichten Kartons durch mehr Online-Bestellungen verschlimmert. Die Folge: Die stetige Analyse des Gewichts von Altpapier ergab, dass in den meisten Containern zwischen 30 und 50 Prozent Luft transportiert wird. "Das ist weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll", sagt Achim Töter, Geschäftsführer der Karl Meyer Umweltdienste GmbH .

Die Karl Meyer Gruppe habe sich vor knapp zwei Jahren zum Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren, erklärt Koch weiter. In diesem Zusammenhang seien alle Prozesse und Abläufe auf den Prüfstand gestellt worden. In diesem Zusammenhang sei die "ineffiziente Altpapiersammlung" im Altkreis Land Hadeln aufgefallen. Ein weiteres Problem: Offenbar haben viele Gewerbebetriebe die Sammelstellen zur Papier- und Kartonentsorgung genutzt. "Dafür sind die öffentlichen Container allerdings nicht gedacht."

In den kommenden Tagen und Wochen will Karl Meyer mit Aufklebern auf den Behältern über die Auflösung der Standorte informieren und Kontaktmöglichkeiten bieten. Privathaushalte können sich an die Telefonnummer (04770) 801604 wenden oder eine für sie kostenlose blaue Tonne unter www.karl-meyer24.de bestellen.

"Die Entscheidung, die öffentlichen Papiercontainer abzuziehen, basiert auf einer gründlichen Analyse der ökonomischen und ökologischen Verhältnismäßigkeit", ergänzt Koch. Es sei festgestellt worden, dass die aufwendige Sammellogistik mit einem Kranfahrzeug vor dem Hintergrund der geringen Sammelmengen nicht mehr gerechtfertigt sei. "Durch den Abzug der Papiercontainer wird so eine effizientere Ressourcennutzung ermöglicht." Außerdem werde sich die Sauberkeit rund um die Containerstandorte erhöhen.

Die Firma Karl Meyer ermutigt die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises, ihre Papier- und Kartonabfälle in den blauen Papiertonnen zu entsorgen. In der Regel sei eine 240-Liter-Tonne ausreichend, wenn die Kartons zum Beispiel mit einem Cuttermesser zerkleinert werden. Wer regelmäßig größere Mengen Altpapier entsorgen muss und über ausreichend Platz verfügt, könne auch mehrere blaue Tonnen kostenfrei bestellen. Darüber hinaus besteht für private Haushalte die Möglichkeit, Pappe, Papier und Kartonagen bei der Abfallverwertungsstation Hemmoor-Heeßel innerhalb der Öffnungszeiten anzuliefern.

Endverbraucher müssen sich eine Lösung suchen

In Hadeln stößt die Entscheidung des Unternehmens Karl Meyer auf Verständnis einerseits, aber auch auf Kritik und Bedauern. Wolfgang Heß, Bürgermeister der Gemeinde Cadenberge, findet den Abzug der Container "grundsätzlich schlecht". Für die Flut von Paketen im privaten Sektor müssten sich die Endverbraucher jetzt eine Lösung suchen. Die blauen Tonnen würden nicht ausreichen. "Da wird wohl einiges nicht den Recyclingweg beschreiten."

Der Bürgermeister der Stadt Otterndorf, Claus Johannßen, kann dagegen "die Argumentation der Firma Meyer gut nachvollziehen." Er habe die vom Entsorger geschilderten schlechten Zustände an den Containerplätzen selbst wahrgenommen, insbesondere am Stellplatz "An der Bahn" in Otterndorf. "Die Klappen der Container waren zum Teil mit nicht zerkleinerten Pappkartons verstopft und weitere Kartons lagen neben den Containern. Es sah vermüllt aus", so Johannßen. Er sieht in dem kostenlosen Zurverfügungstellen der blauen Tonnen einen "guten Service, welcher das Sammeln und die Abfuhr von Altpapier für die Bürger super erleichtert."

Für Frank Thielebeule, Bürgermeister der Samtgemeinde Land Hadeln und Stadtdirektor von Otterndorf, kommt der geplante Abzug der Papiercontainer "sehr überraschend". Dieser Schritt sei gegenüber den Gemeinden nicht weiter kommuniziert worden, "das hätte ich mir anders gewünscht". Gleichwohl gibt er der Firma Karl Meyer insofern recht, dass es an den Sammelstellen in der Vergangenheit recht häufig zu unansehnlichen Zuständen gekommen sei. "Unser Bauhof musste dort regelmäßig Einsätze fahren, um ein Mindestmaß an Sauberkeit herzustellen." In einem Gespräch im September soll geklärt werden, ob es nach dem Abzug der Container eine Alternativlösung geben kann.

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