Otterndorfer Traditionsgasthaus "Zum Elbblick": Neuer Besitzer hat große Pläne
Fleischerlehre, Skihütte, Bundeswehreinsätze im Nahen Osten - langweilig war das Berufsleben von Nils Fenske nie. Jetzt stellt sich der 44-jährige Altenbrucher einer neuen Herausforderung: Er übernimmt das Otterndorfer Traditionshaus "Zum Elbblick".
Er kann anpacken. Er kann rechnen. Und er hat Ideen. Nils Fenske bringt einiges mit für seine neue Aufgabe als Chef des Otterndorfer Traditionshauses "Zum Elbblick". Seit dem 1. Oktober hat der 44-Jährige dort das Sagen. Sein Ziel: Neues wagen, ohne Bewährtes über Bord zu werfen.
Dass Fenske nicht lange fackelt, zeigt sich schon jetzt. Eigentlich hat er gerade Urlaub von seinem Beruf bei der Bundeswehr in Nordholz. Doch statt sich zu erholen, kümmert er sich um eine neue Spülstraße, ein modernes Kassensystem, die Internetseite und all die Dinge, die anfallen, wenn man ein Restaurant samt Pension übernimmt.
Ohne Förderung hätte er den Schritt nicht gewagt
Ein eigenes Gasthaus zu führen, war für Nils Fenske lange ein Traum. Zunächst hatte er das "Deutsche Haus" in Altenbruch im Auge, wo er mit seiner Familie lebt. Doch bei den Preisvorstellungen kam man nicht zusammen. Dann erhielt er einen Tipp: Das traditionsreiche Gasthaus "Zum Elbblick" in Otterndorf, bislang von Familie Pankrath geführt, sei zu haben. Fenske schaute es sich an und war überrascht, wie gut ihm das Haus gefiel. "Und dann habe ich angefangen, zu rechnen", erzählt er. Dass daraus tatsächlich etwas werden konnte, lag auch an der Unterstützung durch die N‑Bank. Ohne die Förderung hätte er den Schritt nicht gewagt.
Wer verstehen will, warum sich Fenske an ein solches Projekt herantraut, muss einen Blick auf seinen Lebensweg werfen. Geboren in Schwerin, kam er in den 1990er-Jahren ins Cuxland. In Neuhaus an der Oste begann er bei der Fleischerei Pupke eine Ausbildung zum Fleischer. Als er im Jahr 2000 seinen Abschluss machte, war er gerade erst 18 Jahre alt - und einer der Jüngsten seines Jahrgangs.
Danach zog es ihn in die Gastronomie. Er arbeitete als Pizzalieferant, sammelte Erfahrungen in verschiedenen Betrieben und landete schließlich auf einer Skihütte in Österreich. Stillstand war nie seine Sache. 2006 kehrte er ins Cuxland zurück und half beim Aufbau des Restaurants "Leuchtfeuer" in Duhnen. Von 2007 bis 2009 ließ er sich zum Koch ausbilden. Fenske kennt das gastronomische Geschäft aus unterschiedlichen Perspektiven.
Seit 2012 ist er bei der Bundeswehr. Mehrfach war er im Ausland eingesetzt, unter anderem im Irak und in Jordanien. Heute arbeitet er in der Truppenküche in Nordholz. Dort steht er allerdings nicht selbst am Herd, sondern kümmert sich vor allem um Bestellungen, Rechnungen und organisatorische Abläufe.
Mit großen Zahlen kann Fenske umgehen. In Nordholz werden mittags rund 750 Menschen versorgt. Da wirken die Dimensionen des "Elbblicks" überschaubar. Doch ein eigenes Gasthaus ist noch einmal etwas anderes.
Die alten Chefs bleiben weiterhin an Bord
Dass Fenske in Otterndorf nicht bei null anfangen muss, ist ein großer Vorteil. Seit 1920 gibt es das Haus direkt hinter dem Deich. Für viele Otterndorfer ist der "Elbblick" mehr als nur ein Restaurant. Hier hängen Erinnerungen an Familienfeiern und gesellige Stunden. Diese Geschichte will der neue Eigentümer bewahren. Frank und Astrid Pankrath, die das Haus über viele Jahre geprägt haben, bleiben dem Betrieb erhalten - nun als Angestellte. "Ihre jahrzehntelange Erfahrung ist unersetzlich", sagt Fenske.
Einige Neuerungen hat der Gastronom bereits umgesetzt. Statt mehrerer Schließtage gibt es nur noch einen Ruhetag. Täglich wird ein Frühstücksbuffet angeboten, die Speisekarte wurde überarbeitet. Weitere Modernisierungen sollen folgen. Im kommenden Jahr möchte Fenske das Mobiliar im Gastraum erneuern. Auch eine Photovoltaikanlage und Wallboxen für Elektroautos sind angedacht.
Vor allem möchte der neue Inhaber zusätzliche Gäste gewinnen. Familien sollen sich ebenso willkommen fühlen wie Radurlauber, Wohnmobilreisende oder Handwerker auf Unterkunftssuche. Die Pension verfügt über 13 Zimmer und vier Stellplätze.
Dabei setzt Fenske auf die Lage direkt am Elberadweg, nahe der Medem und nur wenige Schritte vom Deich entfernt. Otterndorf hält er für einen Standort mit viel Potenzial. Nicht so überlaufen wie Cuxhaven, dafür mit eigenem Charme. Für ihn ist die Stadt an der Medem "noch ein Geheimtipp". Die ersten drei Wochen nach der Übernahme stimmen ihn zuversichtlich. Die Gäste kommen, der Start ist gelungen.
Die Gäste kommen, der Start ist gelungen
Dass Fenske neben dem neuen Betrieb weiterhin seinen Dienst bei der Bundeswehr versieht, macht die Aufgabe nicht kleiner. Auch zu Hause in Altenbruch wartet schließlich seine Familie: Der 44-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 16 und neun Jahren.
Doch die Entscheidung für den "Elbblick" hat er bewusst getroffen. Nach vielen beruflichen Stationen, Jahren in der Gastronomie und Einsätzen im Ausland möchte er nun etwas Eigenes aufbauen. Einen Ort, der schon lange vor ihm da war und auch in Zukunft Menschen zusammenbringen soll.
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