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„Ketten-Karlchen“ dreht seine Runden: Ein lebendiges Zeugnis von Familie Klühs Leidenschaft für nostalgischen Fahrspaß. Foto: Mangels
„Ketten-Karlchen“ dreht seine Runden: Ein lebendiges Zeugnis von Familie Klühs Leidenschaft für nostalgischen Fahrspaß. Foto: Mangels
Kirmesglück aus Müggendorf

Familie Klüh aus Otterndorf bringt historische Karussells wieder zum Leuchten

von Christian Mangels | 16.10.2026

Familie Klüh aus Otterndorf-Müggendorf haucht alten Karussells neues Leben ein. Was als privates Vergnügen begann, ist längst ein aufwendiges Familienprojekt geworden - mit viel Arbeit, noch mehr Leidenschaft und einer gehörigen Portion Nostalgie.

Wenn sich "Ketten-Karlchen" langsam in Bewegung setzt, die Sitze nach außen schweben und die Lichter angehen, sieht alles ganz einfach aus. Einsteigen, Musik an - los geht's. Daniel Klüh weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt. Bevor ein Karussell seine Runden drehen kann, haben er, seine Frau Sabrina und die vier Kinder getragen, sortiert, geschraubt und aufgebaut. Rund einen Tag dauert es, bis aus vielen Einzelteilen wieder ein Fahrgeschäft geworden ist. Jedes Teil ist nummeriert, jeder Handgriff sitzt. "Wir sind ein eingespieltes Team", sagt Daniel Klüh.

Daniel und Sabrina Klüh aus Otterndorf-Müggendorf hauchen alten Karussells neues Leben ein: Mit Leidenschaft und handwerklichem Geschick verwandeln sie ihr Hobby in ein aufregendes Familienprojekt. Foto: Mangels

Die sechsköpfige Familie lebt seit drei Jahren in Otterndorf-Müggendorf. Ursprünglich kommt sie aus Rheda-Wiedenbrück in Ostwestfalen. Am Rand von Otterndorf haben die Klühs heute vor allem eines, das sie für ihr ungewöhnliches Hobby brauchen: viel Platz.

Denn die Familie besitzt mehrere Fahrgeschäfte. Dazu gehören das Kettenkarussell "Ketten-Karlchen", die historische Schiffschaukel "Schaukel-Peter", der Babyflug "Raketen-Rudi" und die Bungee-Anlage "Flauschi-Flieger". 

Schon als Kind von Kirmes und Fahrgeschäften begeistert

Dass ausgerechnet Karussells zum Familienhobby wurden, liegt vor allem an Sabrina Klüh. Sie stammt ursprünglich aus München und war schon als Kind von Kirmes und Fahrgeschäften begeistert. "Je schneller und wilder, desto besser", sagt sie. Irgendwann sprang die Begeisterung auf die ganze Familie über. Das erste Karussell kauften die Klühs noch in Westfalen - nur für sich selbst. Es kam in den Garten. Bei anderen Familien wäre dort vielleicht ein Pool gelandet. Bei den Klühs wurde es ein Karussell.

Aus dem einen Fahrgeschäft wurden mehrere, aus dem privaten Vergnügen ein Familienprojekt. Dabei sind die Klühs keine klassischen Schausteller. Sabrina ist gelernte Altenpflegerin und heute vor allem, wie sie sagt, "Familienmanagerin". Daniel arbeitet hauptberuflich in der IT. Das Karussellgeschäft läuft nebenher. "Ein Hobby, das wir alle mögen", sagt Sabrina Klüh. Ein aufwendiges Hobby allerdings.

"Ketten-Karlchen" in voller Fahrt: Familie Klüh erweckt nostalgische Karussells mit Leidenschaft und Teamarbeit zum Leben und verbreitet damit kindliche Freude. Foto: Klüh

Die Klühs haben sich vor allem auf ältere Fahrgeschäfte spezialisiert. Sie kaufen sie, restaurieren sie und modernisieren die Technik. Der ursprüngliche Charme soll dabei erhalten bleiben - ergänzt um neue Beleuchtung und Effekte wie Bodennebel oder Seifenblasen. Daniel Klüh hilft dabei seine Erfahrung als Tüftler. Lange war er im Flugmodellbau aktiv. Was früher kleinen Flugzeugen galt, kommt ihm heute beim Restaurieren der Karussells zugute. Im Winter ist deshalb Bastelzeit in Müggendorf. "Es gibt immer etwas zu tun", sagt er.

"Raketen-Rudi" etwa, ein älterer Sartori-Babyflug, wird derzeit komplett überarbeitet und soll 2027 mit neuer Technik und neuem Thema wieder einsatzbereit sein. "Schaukel-Peter", eine Nostalgie-Schiffschaukel, stammt aus dem Jahr 1965. "Ketten-Karlchen" erhielt 2025 eine neue Gestaltung mit Zirkus-Thema, neuer Beleuchtung und zusätzlichen Effekten.

Eine bunte teuflische Zeichnung schmückt eines der nostalgischen Fahrgeschäfte im Lager der Familie Klüh, die den alten Karussells neues Leben einhaucht. Foto: Mangels

Bei aller Verspieltheit geht es um ernsthafte Technik. Der TÜV schaut genau hin, die Familie investiert viel Geld und Zeit in Wartung und Sicherheit. "Eine goldene Nase verdient man sich damit sicherlich nicht", sagt Daniel Klüh. Zudem sei die Konkurrenz unter den Schaustellern hart.

Wenn die Bastelsaison endet, beginnt die Reisezeit. Im Sommer und Herbst sind die Klühs mit ihren Fahrgeschäften auf Veranstaltungen in der Region unterwegs - etwa auf dem Fleckenmarkt in Cuxhaven sowie auf Schützen- und Feuerwehrfesten. In diesem Jahr waren sie erstmals mit "Ketten-Karlchen" beim Kulturstrand in Otterndorf dabei.

Jeder Einsatz ist eine logistische Herausforderung

Jeder Einsatz ist eine logistische Herausforderung. Die Karussellteile müssen verladen, transportiert und am Ziel wieder zusammengesetzt werden. Doch alle packen mit an. Gerade das macht für die Klühs einen Teil des Reizes aus. Sie fahren nicht nur gemeinsam zu Veranstaltungen. Sie restaurieren, bauen auf und betreiben ihre Fahrgeschäfte als Familie.

Und die Sammlung wächst weiter. Auf dem Grundstück in Müggendorf wartet der "Polar-Express", eine Raupenbahn, auf seinen ersten Einsatz. Vor allem Holzarbeiten stehen noch an. 2027 soll auch er auf Tour gehen.

Dann wird die Arbeit noch einmal mehr. Doch darum scheint es den Klühs ohnehin nicht zu gehen. Es geht um den Moment, in dem aus Einzelteilen wieder ein Karussell wird. Wenn die Lichter angehen, die Musik läuft und ein altes Fahrgeschäft nach vielen Jahren wieder seine Runden dreht.

Und vielleicht auch um ein Stück Kindheit, das Sabrina Klüh nie ganz losgelassen hat. Früher lief sie über die Kirmes und suchte das nächste Karussell. Heute bringt sie die Karussells selbst mit.

In der Werkstatt von Familie Klüh türmen sich Werkzeuge und Ersatzteile - ein chaotisch inspirierender Ort, an dem alte Karussells wieder zum Leben erweckt werden. Foto: Mangels

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Christian Mangels

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