Otterndorfer Stadtrat vor großem Umbruch: Elf Mitglieder hören auf
Der Otterndorfer Stadtrat hat am Donnerstag elf Mitglieder zum Abschluss der Wahlperiode verabschiedet. Neben Ehrungen und Worten des Dankes bot die Sitzung auch Anlass, über die politische Zusammenarbeit und den gegenseitigen Respekt nachzudenken.
Drei Jahrzehnte lang hat Frank-Uwe Strüning die Otterndorfer Kommunalpolitik mitgestaltet. Jetzt ist Schluss. Bei der 26. und letzten Sitzung der Wahlperiode wurde der SPD-Politiker am Donnerstagabend nach 30 Jahren Ratsarbeit verabschiedet - und mit einer besonderen Auszeichnung bedacht: Strüning darf sich künftig "Ehrenratsherr der Stadt Otterndorf" nennen.
Seit dem 1. November 1996 gehörte Strüning ununterbrochen dem Stadtrat an, ebenso lange war er Mitglied des Verwaltungsausschusses. Als einen Höhepunkt seiner politischen Laufbahn bezeichnete er die Planung und Umsetzung der Otterndorfer Ortsumgehung und die anschließende Neugestaltung der Ortsdurchfahrt. Strüning hatte seinerzeit den Vorsitz des sogenannten Rückbauausschusses inne.
Sakko und Krawatte waren früher selbstverständlich
Zum Abschied blickte der Sozialdemokrat mit Humor, aber auch nachdenklich auf seine Ratszeit zurück. Er wolle "nicht als lebendes Fossil aus dem Rat gehen", sagte Strüning. Er erinnerte an Zeiten, in denen im Ratssaal noch geraucht wurde, Sakko und Krawatte selbstverständlich waren und die Ratsmitglieder nach den Sitzungen gemeinsam ein Bier tranken.
Dass Kommunalpolitik auch den Blick auf den politischen Gegner verändern kann, machte Strüning an seiner eigenen Entwicklung deutlich. Früher sei die CDU für ihn ein "No-Go" gewesen. Doch er habe gelernt, "dass das Parteibuch nicht unbedingt zeigt, ob jemand ein guter oder ein schlechter Mensch ist". Ganz ohne Kritik ging er allerdings nicht: "Die Art und Weise, wie hier mitunter Politik gemacht wurde, hat nicht immer meine Zustimmung gefunden."

Insgesamt elf der bislang 21 Ratsmitglieder scheiden aus dem Gremium aus. Neben Strüning wurden Thomas Bullwinkel (15 Jahre), Kevin Hanke (5), Normen Herting (10), Ursula Holthausen (15), Oliver Plump (12), Karlheinz Steinacker (5), Jochen von Stemmen (15), Ralf Gütlein (1), Niclas Röse (5) und Christiane Steffens (2) verabschiedet. Bürgermeister Claus Johannßen (SPD) sprach von einer "Runderneuerung des Rates". Nur zehn der bisherigen Mitglieder werden dem neuen Gremium noch angehören.
Ungewöhnlich knapp fiel die Verabschiedung von Thomas Bullwinkel (CDU) aus. Der frühere Bürgermeister hatte nach seinem überraschenden Rückzug aus Stadt- und Samtgemeinderat ausdrücklich darum gebeten, auf Abschiedsreden und Laudationen zu verzichten. Bullwinkel hatte seinen Schritt mit persönlichen Anfeindungen und dem politischen Klima in den Gremien begründet. Johannßen respektierte den Wunsch und verabschiedete ihn mit wenigen Worten.
Wie wichtig ein respektvoller Umgang miteinander ist, klang auch in anderen Abschiedsworten an. Ralf Gütlein (CDU) schlug augenzwinkernd vor, per Satzung festzulegen, dass nach jeder Ratssitzung der Ratskeller geöffnet werden müsse - damit die Tradition des gemeinsamen Zusammensitzens wieder auflebe.
Auszeichnungen für langjähriges Engagement
Nicole Friedhoff, Vorsitzende des Kreisverbandes des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes und Bürgermeisterin von Wanna, übernahm die Ehrungen für langjährige kommunalpolitische Tätigkeit. Neben Strüning erhielt auch Malte Hinck für 30 Jahre eine Medaille. Carsten Nickel wurde für 20 Jahre mit Silber ausgezeichnet. Bronze gab es für Thomas Bullwinkel, Ursula Holthausen und Jochen von Stemmen für jeweils 15 Jahre. Friedhoff erinnerte daran, dass bei allem politischen Ringen und der Suche nach Kompromissen stets das Wohl der Einwohner im Vordergrund stehen müsse.
Einen inhaltlichen Akzent setzte der Rat zum Abschluss ebenfalls: Einstimmig beschlossen die Mitglieder, die Kulturförderung dauerhaft als eigenständige Aufgabe in der Stadtverwaltung zu verankern. Angestoßen hatten dies die scheidenden Ratsmitglieder Ursula Holthausen (SPD) und Ralf Gütlein (CDU). "Die Kultur ist ein sehr hohes Gut", gab Holthausen ihren Nachfolgern mit auf den Weg. Gütlein wertete den gemeinsamen Antrag als Zeichen dafür, dass die politische Mitte auch parteiübergreifend etwas bewegen könne.
Am Mittwoch, 4. November, kommt der neu gewählte Stadtrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.
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