Immer mehr Kommunen verankern die UN-Nachhaltigkeitsziele in ihrem Verwaltungshandeln. Braucht die Stadt Otterndorf auch ein Nachhaltigkeitsmanagement? Foto: ChatGPT
Immer mehr Kommunen verankern die UN-Nachhaltigkeitsziele in ihrem Verwaltungshandeln. Braucht die Stadt Otterndorf auch ein Nachhaltigkeitsmanagement? Foto: ChatGPT
Nachhaltigkeitsmanagement

Grüne fordern neue Stelle in Otterndorf - Verwaltung warnt vor Mehrkosten

von Christian Mangels | 24.06.2026

Soll die Stadt Otterndorf einen eigenen Nachhaltigkeitsbeauftragten bekommen? Die Grünen und Ratsfrau Susann Rennebeck sehen darin eine wichtige Unterstützung für Politik und Verwaltung. Die Verwaltung warnt vor Mehrkosten.

Die Stadt Otterndorf soll nach dem Willen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der Ratsfrau Susann Rennebeck künftig über ein eigenes Nachhaltigkeitsmanagement verfügen. Einen entsprechenden Antrag stellten die Antragsteller in der jüngsten Sitzung des Stadtrates vor. 

Konkret schlagen Susann Rennebeck und die Grünen die Einrichtung einer Stelle für einen Nachhaltigkeitsbeauftragten beziehungsweise eine Nachhaltigkeitsbeauftragte vor. Voraussetzung soll eine Förderung durch die Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums sein. Die Verwaltung soll einen entsprechenden Förderantrag stellen und im Erfolgsfall die Stelle für zunächst drei Jahre ausschreiben. Nach Angaben der Antragsteller könnte ein Erstvorhaben mit bis zu 70 Prozent der Personalkosten gefördert werden.

Nach Auffassung von Susann Rennebeck braucht Otterndorf eine feste Instanz im Rathaus, die städtische Vorhaben systematisch auf ihre Nachhaltigkeit überprüft. Dabei soll nicht allein der Klimaschutz im Mittelpunkt stehen. Grundlage ist das sogenannte Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit mit ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten. Geprüft werden sollen beispielsweise Bauprojekte und der Erhalt von Freiflächen, die Auswirkungen auf den örtlichen Einzelhandel sowie die Folgen von touristischen Großvorhaben für das Stadtbild und die Lebensqualität.

Darüber hinaus sehen die Antragsteller in der Stelle eine Entlastung für die ehrenamtlichen Ratsmitglieder. Durch fachliche Vorprüfungen und ausgearbeitete Entscheidungsvorlagen könnten komplexe Planungen schneller und fundierter bewertet werden.

Stelle würde sich im Haushalt bemerkbar machen

Stadtdirektor Frank Thielebeule äußerte in der Ratssitzung jedoch Bedenken. Er verwies darauf, dass die Samtgemeinde Land Hadeln bereits einen Klimaschutzmanager beschäftigt, der auch für die Mitgliedsgemeinden und damit für Otterndorf tätig sei. "Eine zusätzliche Stelle würde sich im städtischen Haushalt bemerkbar machen", erklärte Thielebeule.

Dem widerspricht Ratsfrau Susann Rennebeck. "Projektfokussiertes Nachhaltigkeitsmanagement für Otterndorf ist inhaltlich explizit etwas anderes als Klimaschutzmanagement in der Samtgemeinde", argumentiert sie. Während sich der Klimaschutzmanager vor allem mit übergeordneten Themen wie Energie- und Wärmeplanung befasse, solle ein kommunaler Nachhaltigkeitsbeauftragter konkrete Projekte in Otterndorf unter ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten begleiten. Dieser Unterschied werde auch im Antrag ausdrücklich hervorgehoben.

Wie relevant eine solche Abwägung sein kann, zeigt die aktuelle Diskussion um das geplante Wohngebiet am Hoffmann-von-Fallersleben-Weg. Dort sollen auf einer rund 6,8 Hektar großen Fläche etwa 41 Baugrundstücke entstehen. Gegen die Pläne hat sich inzwischen die Interessengemeinschaft "Nachhaltige und klimabewusste Stadtentwicklung Otterndorf" gegründet. Die Anwohner befürchten den Verlust einer wichtigen Grünfläche und Frischluftschneise und sehen das Stadtklima gefährdet. Die Stadt hatte die Beratung des Bebauungsplans zuletzt verschoben, um weitere Hinweise und Anregungen zu prüfen.

Gerade bei solchen Konflikten zwischen Wohnraumbedarf, Stadtentwicklung und Klimaanpassung sehen die Antragsteller die Notwendigkeit eines unabhängigen Nachhaltigkeitsmanagements. Ein Nachhaltigkeitsbeauftragter könnte Vorhaben bereits im Vorfeld bewerten und die politischen Gremien mit fachlichen Einschätzungen unterstützen.

Noch ist offen, ob die Stadt dem Vorschlag folgen wird. Als Nächstes steht der Antrag auf der Agenda des Ausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Personal - vermutlich jedoch erst nach der Kommunalwahl.

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