War ein Wolf am Werk? Die DNA-Analyse soll klären, ob der Tod eines Rehs im familiengeprägten Neubaugebiet Am Medembogen in Otterndorf auf einen Wolf zurückzuführen ist. Noch liegt kein Ergebnis vor. Foto: dpa/Wagner
War ein Wolf am Werk? Die DNA-Analyse soll klären, ob der Tod eines Rehs im familiengeprägten Neubaugebiet Am Medembogen in Otterndorf auf einen Wolf zurückzuführen ist. Noch liegt kein Ergebnis vor. Foto: dpa/Wagner
Rätsel um gerissenes Reh

Otterndorf wartet auf das DNA-Ergebnis: War ein Wolf am Medembogen unterwegs?

von Christian Mangels | 24.06.2026

War ein Wolf für den Tod eines Rehs am Otterndorfer Neubaugebiet Am Medembogen verantwortlich? Diese Frage ist auch fast zwei Monate nach dem Fund nicht beantwortet. Die Auswertung der gesicherten DNA-Probe lässt weiter auf sich warten.

Ende April war ein offensichtlich gerissenes Reh unmittelbar am familiengeprägten Neubaugebiet Am Medembogen gefunden worden. Der Kadaver lag vor einem Gartenzaun in direkter Nähe zu Spielplätzen, Kindertagesstätte und Wohnhäusern. Der Vorfall hatte unter Anwohnern für Verunsicherung gesorgt und eine intensive Diskussion über die Wolfssituation in Otterndorf ausgelöst.

In der Folge hatte sich auch die Kommunalpolitik mit dem Thema beschäftigt. Bei einer eigens einberufenen Sitzung des Bau- und Umweltausschusses informierten Experten und Verantwortliche über den Umgang mit Wölfen in Siedlungsnähe.

Reh von weiteren Tieren angefressen

Doch die entscheidende Frage, ob tatsächlich ein Wolf oder möglicherweise ein oder mehrere Hunde das Reh gerissen haben, ist bislang unbeantwortet. "Es gibt noch nichts", sagte Otterndorfs Stadtdirektor Frank Thielebeule auf Nachfrage eines Einwohners während der jüngsten Stadtratssitzung zum Stand der Untersuchung.

Bürgermeister Claus Johannßen machte deutlich, dass ein eindeutiger Nachweis ohnehin schwierig werden könnte. Das tote Reh sei nach dem eigentlichen Riss von weiteren Tieren angefressen worden. Dadurch könnten wichtige Spuren verloren gegangen sein.

Im Neubaugebiet Am Medembogen prägen Familien das Stadtbild. Hier kam es jetzt zum Riss eines Rehs. Foto: Kramp

Diese Einschätzung teilt auch Wolfsberater Heiko Hellmann. Der ehrenamtliche Experte des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hatte den Rehriss damals nach der Benachrichtigung durch Jagdpächter Jörg von Thaden begutachtet und DNA-Spuren gesichert.

"Nachnutzer wie Ratten, Marder oder Krähen können das tote Tier nach dem eigentlichen Riss weiter anfressen. Das erschwert die DNA-Analyse", erläuterte Hellmann im Gespräch mit cnv-medien.de. Von dem Tier sei bereits kurz nach dem Vorfall nicht mehr viel übrig gewesen.

Die Probe wird derzeit im Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung untersucht. Ein Ergebnis liegt nach Angaben Hellmanns bislang nicht vor. "Wir müssen uns noch ein bisschen gedulden", sagt der Wolfsberater. Bei Wildtierrissen dauere die Auswertung häufig länger, weil solche Untersuchungen bei den Laboren nachrangig behandelt würden.

Schnell unterwegs: ein Wolf auf der Pirsch. "Isegrim" könnte für den Riss in Otterndorf verantwortlich sein. Foto: Arne Dedert/dpa

Möglicherweise bleibt die Ursache ungeklärt

Ob die Analyse überhaupt ein verwertbares Ergebnis liefert, ist derzeit offen. Nach Angaben Hellmanns ist es durchaus möglich, dass die gesicherte Probe aufgrund der zahlreichen Störungen am Kadaver nicht mehr auswertbar ist. In diesem Fall könnte letztlich ungeklärt bleiben, welches Tier für den Tod des Rehs verantwortlich war.

Sobald ein Befund vorliege, werde er die Stadt Otterndorf informieren, kündigte Hellmann an. Bis dahin bleibt die Frage offen, ob sich Ende April tatsächlich ein Wolf seiner natürlichen Beute unmittelbar am Rand des Neubaugebietes bedient hat oder ob ein anderer Verursacher hinter dem Vorfall steckt.

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