Hagebaumarkt Otterndorf steht vor großem Umbau: Das soll sich 2027 alles ändern
Die Kunden sparen, die Baukonjunktur lahmt - doch Schölermann will nicht abwarten. Das Familienunternehmen steckt 2027 viel Geld in den Hagebaumarkt in Otterndorf und plant einen tiefgreifenden Umbau im bestehenden Gebäude.
Die Zeiten für Baumärkte sind schwierig. Die Kunden halten ihr Geld zusammen, die Baukonjunktur schwächelt - und mit Hellweg ist in diesem Sommer eine der größeren deutschen Baumarktketten in die Insolvenz gerutscht. In Otterndorf geht das Familienunternehmen Schölermann dennoch in die Offensive: Der Hagebaumarkt an der Cuxhavener Landstraße soll im kommenden Jahr grundlegend umgebaut werden. Familie Schumacher nimmt dafür einen hohen sechsstelligen Betrag in die Hand.
"Wir investieren in schwierigen Zeiten", sagt Geschäftsführer Jan-Lasse Schumacher. Mehr als eine halbe Million Euro soll der Umbau kosten. Beginnen sollen die Arbeiten voraussichtlich im Herbst oder Winter 2027. Rund zwei bis drei Monate sind dafür eingeplant - und zwar bei laufendem Betrieb.
Ein Neubau ist allerdings nicht geplant. Die äußere Hülle des rund 12.000 Quadratmeter großen Marktes bleibt bestehen. Im Inneren dagegen soll sich einiges ändern. Sortimente werden verschoben und neu angeordnet, ein neues Regalsystem wird eingebaut, auch die Beleuchtung wird verändert.
Marktleiter Thomas Stanke spricht von einer inzwischen "intensiven Planung". Einfach ein paar Regale an eine andere Stelle zu setzen, werde nicht reichen. "Das ist ein bisschen wie bei einem Puzzle", sagt Schumacher. "Wenn man da ein Teil verändert, dann wirkt sich das eben auch auf die anderen Teile aus." Entsprechend groß sei der logistische Aufwand.
Ein schwieriges Umfeld für die Baumärkte
Dass Schölermann gerade jetzt investiert, ist bemerkenswert. Denn Deutschlands Baumärkte haben die Sonderkonjunktur der Corona-Jahre längst hinter sich. Während der Pandemie wurde renoviert, gebaut und gegärtnert wie selten zuvor. Inzwischen ist die Nachfrage deutlich verhaltener.
Nach Zahlen des auf die Branche spezialisierten Dähne Verlags setzte der Hagebau-Einzelhandel 2025 in Deutschland 5,5 Prozent weniger um als im Vorjahr. Auch Rewe mit Toom, B1-Discount-Baumarkt und Klee Gartencenter verlor 2,6 Prozent. Andere große Anbieter wie Hornbach oder Globus konnten dagegen zulegen. Die Entwicklung ist also keineswegs überall gleich - der Markt insgesamt bleibt aber unter Druck.
Die Gründe für die Probleme der Branche sind vielfältig: Die hohen Preise haben die Konsumlaune gedämpft, gleichzeitig steckt der Wohnungsbau in der Krise. Weniger Neubauten und Umzüge bedeuten auch weniger Nachfrage nach vielen klassischen Baumarktprodukten. Hinzu kommt Konkurrenz durch Discounter, die regelmäßig Werkzeug, Gartenartikel oder Heimwerkerbedarf als Aktionsware anbieten.
Auch in Otterndorf spüre man, dass Kunden ihre Ausgaben abwägen. Marktleiter Stanke bringt es so auf den Punkt: "Wenn die Leute Geld locker haben, dann stecken sie es eher in eine Reise." Bei Schölermann hat man sich dennoch gegen Abwarten entschieden. "Wir wollen nicht klagen und jammern. Wir investieren", sagt Schumacher. Gerade jetzt sei der richtige Zeitpunkt, "seine Hausaufgaben zu machen".
Der geplante Umbau folgt dabei nicht allein optischen Vorstellungen. Drei Faktoren seien entscheidend: aktuelle Trends im Handel, Rückmeldungen aus Kundengesprächen und die Auswertung der Geschäftszahlen. "Wir nähern uns dem Projekt emotional, aber auch zahlengetrieben", sagt Schumacher.
Ein Beispiel: Gartenmöbel und Grills sollen künftig räumlich stärker der Gartenabteilung zugeordnet werden. Andere Sortimente werden ebenfalls neue Plätze bekommen. Dahinter steht das Ziel, Wege durch den Markt und die Zusammenstellung der Waren neu zu ordnen. "Es geht darum, das Gute zu erhalten, aber einige Sachen besser zu machen", sagt Schumacher.
Der größte Eingriff seit Jahren
Für den Otterndorfer Markt ist es der größte Eingriff seit Jahren. 1984 verfügte der Betrieb nach Unternehmensangaben noch über rund 400 Quadratmeter Fläche. Heute sind es etwa 12.000 Quadratmeter. Der letzte größere Umbau liegt rund 14 Jahre zurück; damals wurde eine weitere Halle angebaut.
Der Standort hat zudem eine Besonderheit: Unter dem Dach des Familienunternehmens sind Baumarkt und Baustoff-Fachhandel miteinander verbunden. Insgesamt beschäftigt der Baumarkt, dessen Geschichte bis ins Jahr 1873 zurückreicht, rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die Investition von mehr als einer halben Million Euro sei auch eine Entscheidung für den Standort Otterndorf, sagt Schumacher. Er sieht die Region grundsätzlich auf einem guten Weg, erwartet aber auch von der Politik langfristigere Entscheidungen für die wirtschaftliche Entwicklung. "Wachstum in der Region ist die Lösung für viele Herausforderungen", sagt er.
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