In Otterndorf geht CDU-Kandidat Michael Merz auf Stimmenfang für Land Hadeln
CDU-Kandidat Michael Merz will Samtgemeindebürgermeister in Hadeln werden. Beim Haustürwahlkampf in Otterndorf trifft er auf unentschlossene Wähler, Kritik an der Politik & konkrete Sorgen. Und er muss erklären, welcher Merz er eigentlich sein will.
Grau hängt der Himmel über Otterndorf. Den ganzen Vormittag hat es geregnet, jetzt hat der Haustürwahlkampf von Michael Merz zumindest mit dem Wetter Glück. Es ist windig, aber trocken. Gemeinsam mit fünf weiteren CDU-Kandidierenden zieht der Kandidat für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters durch ein Wohngebiet in Otterndorf.
Bevor es losgeht, wirkt Merz etwas angespannt. Er hat bereits etliche Wahlkampftermine hinter sich. Podiumsdiskussionen, Besuche bei landwirtschaftlichen Betrieben, in der Apotheke oder im Feuerwehrhaus. Kaum ein Tag ohne Termin. Auch den Wahlabend wollen die Kandidierenden gemeinsam verbringen. Vorher werde er versuchen, sich abzulenken, sagt er. "Ein Tipp von Enak Ferlemann." Eine Wahl sei eben aufregend. Und nervös mache sie ihn auch.
An den ersten Türen passiert nichts. Niemand öffnet. Dann Hundegebell hinter einer der nächsten Türen. Dieses Mal kommt jemand. Mit dem ersten Gespräch verändert sich auch Merz. Die Anspannung weicht, er lächelt.
"Die jungen Wählerinnen, die 18-Jährigen, sind am wichtigsten. Die müssen sich erst einmal orientieren", sagt die Frau an der Tür. Merz reagiert sofort, erzählt von der Jungen Union und holt Emilia Yololan dazu.
"Ich hoffe, der Merz mit Herz"
An anderen Türen benötigt Michael Merz kaum eine Vorstellung. Sein Gesicht ist in diesen Wochen auf zahlreichen Wahlplakaten zu sehen. Viele haben bereits per Briefwahl abgestimmt. Trotzdem wird gesprochen. Dazu gibt es das Wahlprogramm und Chips - den Wahl-Mampf - und Traubenzucker.
An der nächsten Tür ist noch keine Entscheidung gefallen. "Schwieriges Thema", sagt die Frau. "Wir gehen wählen - aber wen?" Und dann ist da dieser Nachname. Merz. Die Frau erzählt, sie habe Bundeskanzler Friedrich Merz gewählt und bereue es inzwischen. Was bekommt sie also, wenn sie dieses Mal wieder einen Merz wählt? "Ich bin der andere Merz. Ich hoffe, der Merz mit Herz", antwortet der CDU-Kandidat.
Bundes- und Kommunalpolitik lassen sich an den Haustüren nicht immer trennen. Bei einer früheren Tour habe ein Mann ihm gesagt, dass er der Politik überhaupt nicht mehr vertraue. Für manche Menschen seien Politik und Verwaltung inzwischen eine "Blackbox" geworden, so Merz.
Arbeit in der Verwaltung prägt Merz' politischen Blick
Ausgerechnet er kennt die Verwaltung seit Jahrzehnten von innen. Seit mehr als 38 Jahren arbeitet Merz in der Verwaltung des Landkreises Cuxhaven. An den Haustüren habe er gemerkt, dass Verwaltung oft glaube, ausreichend zu erklären - bei den Menschen komme das aber nicht unbedingt so an. Als Samtgemeindebürgermeister will er deshalb auf direkte Sprechstunden und weniger Amtsdeutsch setzen. Seine Arbeit mit Haushalts- und Finanzfragen hat auch Merz' politischen Blick verändert.
Früher habe er darauf vertraut, dass sich finanzielle Schwierigkeiten im politischen Prozess lösen ließen. Inzwischen sei für ihn eine frühzeitige und konsequente Finanzsteuerung entscheidend. "Gute Politik bedeutet nicht, möglichst viel zu versprechen, sondern mit den vorhandenen Mitteln möglichst viel für die Menschen zu erreichen."
An der nächsten Tür erwartet ihn eine Frau aus dem Gastgewerbe. Sie sorgt sich um einen zu schnell wachsenden Tourismus. Merz spricht sich für ein gesundes, nachhaltiges und langsames Wachstum aus.
Dass eine sachlich begründete Entscheidung allein nicht immer ausreicht, habe er lernen müssen, so Merz. Als Beispiel nennt er die Fusion der Samtgemeinden Am Dobrock und Hadeln und die damit verbundene Schließung der Grundschule in Oberndorf. An der damaligen Entscheidung hält er fest. Den Weg dorthin beurteilt er heute kritischer. Die emotionalen Reaktionen hätten ihn beschäftigt. Betroffene hätte man früher einbeziehen müssen. Akzeptanz entstehe "durch Mitnehmen, nicht durch Verkünden".
Für einen Tag ein SPD-Minister
In die Rolle welches Politikers würde der CDU-Mann gerne für einen Tag schlüpfen? Merz entscheidet sich für SPD-Bundesfinanzminister Lars Klingbeil.
Er würde die Ausgaben des Bundes unter die Lupe nehmen, Bürokratie abbauen und die Kommunen stärker unterstützen. Und selbst mit den Möglichkeiten eines Bundesfinanzministers landet Merz gedanklich schnell wieder in Land Hadeln. Fördergelder für die Sanierung der beiden Schwimmbäder würde er organisieren.
Ein Tag könnte dafür allerdings knapp werden. "Vielleicht kann ich mit Herrn Klingbeil auch etwas länger tauschen."
Dann geht es zurück auf die kleinere politische Bühne. Kein Bundeshaushalt, kein Ministerium in Berlin. Stattdessen Otterndorf, Wahlprogramme, Chips und Traubenzucker. Und die nächste Haustür.
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