Begeisterte sein Publikum: der niederländische Organist Erwin Wiersinga. Foto: Cordes
Begeisterte sein Publikum: der niederländische Organist Erwin Wiersinga. Foto: Cordes
Niederländer aus Groningen

Otterndorf: Erwin Wiersinga begeistert in St. Severi mit feinen Orgelklängen

12.09.2026

Erwin Wiersinga entfesselt an der restaurierten Gloger-Orgel ein barockes Klangspektrum, das die Zuhörer in Otterndorf mit brillanten und feinen Nuancen verzaubert. Ein Konzert voller Farben, meisterhaft interpretiert.

Wer ihn im Juli vor drei Jahren beim "Internationalen Orgelsommer" in Lüdingworth gehört hatte, wollte ihn nun natürlich auch in Otterndorf hören - den niederländischen Organisten Erwin Wiersinga. Die spannende Frage: Wie würde er die erst jüngst aufwendig restaurierte Gloger-Orgel spielen, welche Klangfarben würde er dem Instrument entlocken?

Dass diese Klangfarben allesamt besonders, sogar sehr besonders waren, sorgte im Konzert am vergangenen Sonnabend beim Publikum unüberhörbar für Begeisterung - und das zu Recht. Selbstverständlich ist diese Konzentration eines Interpreten auf das ganz Spezielle eines Instrumentes nicht. Es bedarf nämlich eines besonderen Gespürs für das Instrument und dessen ganz eigenen Klangcharakter. Und genau das hat der Niederländer. Festzustellen war das bereits seinerzeit bei seinem Konzert an Lüdingworths Wilde-Schnitger-Orgel und jetzt an der Gloger-Orgel. Als Titularorganist an der berühmten Arp-Schnitger-Orgel der Martinikerk in Groningen, der er seit 2014 gemeinsam mit Leo van Doeselaar ist, gilt er nicht von ungefähr als exzellenter Fachmann für die Musik jener Zeit.

Sein Programm - zum Auftakt ein Buxtehude-Präludium, als Finale dann Präludium und Fuge in C BWV 545 - bot eine Fülle von Barock-Werken, mit denen sich das ganze Klangfarben-Spektrum der Gloger-Orgel in St. Severi überaus wirkungsvoll vorführen ließ. Bei vergangenen Konzerten setzte so mancher Interpreten auf die offenbar vorherrschende Kraftfülle der restaurierten Orgel. Nicht so Wiersinga, er brachte die Feinheiten des Instrumentes zum Klingen. Und genau dafür waren Orgelwerke wie Samuel Scheidts "Ach du feiner Reiter" mit den sechs Versen geradezu vorzüglich geeignet, auch Georg Böhms Choralbearbeitung "Vater unser im Himmelreich", die "Fantasie in F" von Johannes Gottfried Müthel und Delphin Struncks "Verbum Caro factum est". Mit solchen figuren- und verzierungsreichen Werken konnte der Niederländer sozusagen aus dem Vollen schöpfen, sich einer ganzen Palette von Registerfarben bedienen.

Da reizte es dann auch, einen ausgesprochenen "Ohrwurm" wie das Vivaldi-Concerto a-moll von Johann Sebastian Bach ins Programm zu nehmen. Faszinierend für Interpret und Zuhörer immer wieder, wie es Bach gelingt, Vivaldis Streichereffekte auf der Orgel zum Klingen zu bringen. Dass das Werk (hier in einem Arrangement von Guy Bovet) einen absoluten Könner verlangt, brillant und transparent im Spiel, könnte man bei all der ausstrahlenden Leichtigkeit fast vergessen. Viel Glanz und eine fast analytisch klar interpretierte Fuge dann am Schluss mit Bachs Präludium und Fuge in C BWV 545. Womit sich der Kreis schloss, der mit dem anfänglichen, so farbenreichen "Praeludium ex g" von Dieterich Buxtehude die Zuhörerinnen und Zuhörer schon neugierig auf das gemacht hatte, was alles in diesem Orgelkonzert noch kommen würde.

Von Ilse Cordes

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