Otterndorfer Frank Thielebeule bewirbt sich um zweite Amtszeit in Land Hadeln
Frank Thielebeule, Samtgemeindebürgermeister in Land Hadeln, kandidiert erneut. Herausforderungen wie Haushaltsausgleich, Investitionsstau und gesellschaftlicher Zusammenhalt prägen seine Bewerbung um das Amt und seine Vision für die Zukunft.
In der Otterndorfer Altstadt sind an diesem Dienstagmittag überwiegend Urlauber und nur wenige Einheimische anzutreffen. "Das ist doch eigentlich positiv", findet Frank Thielebeule. Allerdings wird es so schwieriger für ihn, bei diesem kleinen Spaziergang seine Wahlflyer an den Mann oder die Frau zu bringen.
Am kommenden Sonntag wird sich erweisen, ob die Wählerinnen und Wähler dem 56-Jährigen das Vertrauen für eine zweite Amtszeit als hauptamtlicher Bürgermeister der Samtgemeinde Land Hadeln schenken oder einem seiner beiden Mitbewerber, Michael Merz (CDU) oder Maik Schwanemann (parteilos). Auch Thielebeule legt großen Wert darauf, sich als unabhängiger Kandidat zu präsentieren, auch wenn er von der SPD nominiert wurde und unterstützt wird. "Ich kann mit allen zusammenarbeiten. Mir ist die Parteizugehörigkeit erst einmal nicht wichtig. Als Samtgemeindebürgermeister bin ich an Mehrheiten gebunden, aber nicht von Parteidoktrinen gelenkt."
Als Verantwortlicher für eine Samtgemeinde mit 14 Mitgliedsgemeinden und mehr als 26.000 Einwohnerinnen und Einwohnern trägt Thielebeule mehrere Rucksäcke auf den Schultern, auch wenn er selbst dieses Bild nicht verwenden würde. Da ist die schwierige Haushaltslage, die 2024 und 25 Haushaltssicherungsmaßnahmen erforderlich machte. "Mit einiger Anstrengung haben wir für 2026 den Haushaltsausgleich hinbekommen und ich bin zuversichtlich, dass wir das auch für den Haushalt 2027 schaffen."
Investitionsstau hat etliche Bereiche erfasst
Ein ausgeglichener Haushalt ändert aber nichts an der Tatsache, dass ein enormer Investitionsstau - in fast jeder Kommune, nicht nur in Land Hadeln - herrscht. "Wir haben über die vergangenen 20, 30 Jahre die bestehende Infrastruktur nicht gut genug erhalten und stehen jetzt vor einem Substanzverlust, der uns zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt mit schwächelnden Haushalten auf die Füße fällt." Der Investitions- und Sanierungsdruck ist auch in der Samtgemeinde enorm. Da ist die Umsetzung des Feuerwehrbedarfsplans mit Modernisierungen und Neubauten von Feuerwehrgerätehäusern sowie Neubeschaffungen von Fahrzeugen. "Damit sind wir sehr gut aufgestellt, um unsere Standorte zu sichern. Das ist unser größter Ausgabeposten."
Als Solidargemeinschaft alle mitnehmen
Da ist aber auch die teure Instandhaltung und Sanierung der Bäder, die Umsetzung des Ganztagsbetriebs an den Grundschulen oder auch der Erhalt bestehender Radwege, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Das alles muss für jeden Winkel der Samtgemeinde gedacht werden. "Auch wenn unterschiedliche örtliche Gegebenheiten berücksichtigt werden müssen, behandeln wir alle Gemeinden gleich. Wir müssen als Solidargemeinschaft alle mitnehmen und dürfen die Schwächeren nicht zurücklassen." Die Frage nach einem erneuten Anlauf für die Bildung einer Einheitsgemeinde liegt an dieser Stelle nahe. "Wir haben es 2024 probiert und im Ergebnis keine Zustimmung erhalten. Wir bleiben eine Samtgemeinde. Und falls ich für eine erneute Amtszeit gewählt werden würde, lege ich das Thema nicht wieder auf den Tisch, es sei denn, der Anstoß kommt vom Land Niedersachsen."
Was Frank Thielebeule am meisten umtreibt, ist der gesellschaftliche Zusammenhalt. "Wir müssen gegen die Spaltung arbeiten, verbinden und nicht auseinanderdriften." Er sieht in der Samtgemeinde gute, organisch gewachsene Strukturen mit einem lebendigen Vereinsleben und viel ehrenamtlichem Engagement. Er sieht aber auch die Gefahr, dass viele politische Entscheidungen in der Bevölkerung als intransparent wahrgenommen werden könnten. Als seine Hauptaufgabe für eine mögliche zweite Amtszeit sieht Frank Thielebeule deshalb, andere Formen der Bürgerbeteiligung zu finden, um den Menschen die Politik näherzubringen, Entscheidungen nachvollziehbarer zu machen und Verdrossenheit aufzulösen. "Politik muss nahbarer werden, auch wenn es hier nicht um Basisdemokratie geht. Aber auch nachteilige Entscheidungen müssen wir künftig durch ein hohes Maß an Kommunikation und Einbeziehung so vermitteln können, dass sie verstanden und akzeptiert werden. Denn es wird nicht jeder Wunsch erfüllt werden können." Statt Politikbashing in den sozialen Medien zu betreiben, sei es konstruktiver, sich an einen Tisch zu setzen und zu diskutieren. "Ich möchte zum Beispiel gerne den Zugang zu Jugendlichen finden, herausfinden, warum sie sich nicht mitgenommen fühlen, und ihnen Lust auf Demokratie machen."
"Für die Demokratie zu kämpfen, um unsere Freiheit zu schützen"
Das für Frank Thielebeule prägendste Ereignis in den vergangenen fünf Jahren war der 100. Geburtstag der Otterndorferin Hannelore Brüning, die über ihre Jugend im Nationalsozialismus und Krieg sprach. "In Anbetracht der jüngsten Wahlergebnisse haben ihre Erinnerungen zum Nachdenken angeregt und uns noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, sich gegen den Faschismus zu wehren und für die Demokratie zu kämpfen, um unsere Freiheit zu schützen."
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