Gospel in der St.-Severi-Kirche: „The Cheerful – Gospel and More“ sorgten mit ihrem Auftritt um 19 Uhr für musikalische Unterhaltung. Foto: Larschow
Gospel in der St.-Severi-Kirche: „The Cheerful – Gospel and More“ sorgten mit ihrem Auftritt um 19 Uhr für musikalische Unterhaltung. Foto: Larschow
Kultur in der Medemstadt

Nacht der Kultur in Otterndorf: "Man weiß gar nicht, wo man zuerst hingucken soll"

von Tim Larschow | 29.08.2026

Als die Nacht der Kultur beginnt, ist der Himmel noch grau. Doch dann lässt der Regen nach und die Straßen der Medemstadt füllen sich. Menschen ziehen von einem historischen Gebäude zum nächsten, schauen in Museen oder hören Musik. Bilder des Abends.

Es prasselt der Regen auf die Dächer der Otterndorfer Altstadt. Als um 18 Uhr die Kulturveranstaltung beginnt, ist der Himmel noch grau. Doch dann lässt der Regen nach, die Sonne kommt langsam heraus - und mit ihr füllen sich die Straßen der Medemstadt. Menschen ziehen von einem historischen Gebäude zum nächsten, schauen in Museen oder hören Musik.

Die Altstadt ist an diesem Abend wieder ein großer Kulturort. Museen, historische Gebäude und kulturelle Einrichtungen öffnen ihre Türen. Bei freiem Eintritt gibt es Ausstellungen, Führungen, Lesungen, Konzerte und Mitmachaktionen.

Silberstücke und ein spezieller Wandteppich

Auch im Kranichhaus ist einiges los. Zu Beginn hält sich der Andrang allerdings noch in Grenzen. "Heute ist es eine Wundertüte", sagt der Vorsitzende der Kranichhaus-Gesellschaft in Otterndorf, Thomas Dock. Im vergangenen Jahr hatte das Kranichhaus 541 Besucher gezählt. An diese Zahl werde man diesmal vermutlich nicht anknüpfen können. Doch die Skepsis erweist sich schnell als unbegründet: Nach und nach füllte sich das historische Gebäude.

Im ersten Stock stand Jan Beckebrede vom Kehdinger Geschichtskontor und zeigte, mit welchen Instrumenten berühmte Entdecker und Weltumsegler wie Christoph Kolumbus oder Vasco da Gama ihren Weg über die Meere fanden. Quadrant, See-Astrolabium und Jakobsstab lagen bereit. Beckebrede erklärte, wie die teilweise filigranen Winkelmessinstrumente funktionieren und wie sich Seeleute damit auf hoher See orientierten.

In historischer Kleidung erklärte Jan Beckebrede vom Kehdinger Geschichtskontor nautische Instrumente. Foto: Larschow

Eine Etage darüber ging es um eine Frage: Was ist wertvoll - und was ist doch nur Trödel? Beim Expertenabend können Besucher Fundstücke aus Keller und Dachboden kostenlos von Olaf Rennebeck begutachten lassen. Gemälde, Druckgrafik, Porzellan, Keramik, Glas, Silbergegenstände, Spielzeug und andere Kleinigkeiten landen auf dem Tisch.

An diesem Abend sind darunter etwa Gläser der Großmutter aus dem 18. Jahrhundert und ein Goldring mit Diamanten. Besonders interessant wird es bei einem Wandteppich mit dem Titel "Katze in der Nacht". Das Werk stammt von Else Mögelin, einer deutschen Malerin und Weberin, die von 1927 bis 1945 die Textilklasse der Kunstgewerbeschule Stettin leitete. Ihre Bildwebereien sind in Kirchen, Museen und anderen öffentlichen Gebäuden zu finden. "Die Bandbreite ist groß", sagt Rennebeck. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm etwa ein alter Steiff-Teddy den jemand vor ein paar Jahren mitgebracht hatte. Seine eigentliche Expertise liege allerdings auf einem anderen Gebiet: "Altes Silber und Bildende Kunst des späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts interessieren mich besonders."

Olaf Rennebeck schaut sich alte Likörgläser an. Im Kranichhaus wurde geklärt, was wertvoll und was Trödel ist. Foto: Larschow

Kurzführungen durch die Möbus-Wohnung

Auch Musik gehört zur Kulturnacht. In der St.-Severi-Kirche stand um 19 Uhr das Konzert "The Cheerful - Gospel and More" auf dem Programm. Die Kirche ist gut gefüllt, als die ersten Töne erklingen. Die Gruppe trifft sich jeden Dienstag ab 19.15 Uhr in der Grundschule Otterndorf um zu proben.

Einen besonderen Einblick bietet auch das Amtsgericht. Bis 21 Uhr nahmen Besucher an Kurzführungen durch die Möbus-Wohnung teilnehmen. Jeden Winkel, jede Wand seiner Wohnung füllte der frühere Amtsgerichtsdirektor Erich Möbus mit Bildern, Objekten, Designer-Möbeln und Teppichen. Die Fülle ist überwältigend. "Man weiß gar nicht, wo man zuerst hingucken soll", sagte eine Besucherin.

Die Stadt Otterndorf arbeitet daran, die Wohnung künftig zu festen Terminen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auch Gruppen sollen Führungen buchen können, ähnlich wie bei den Stadtführungen.

So führt der Abend durch ganz unterschiedliche Welten: von historischen Navigationsinstrumenten über alte Silberstücke und einen ungewöhnlichen Wandteppich bis zu moderner Kunst, Gospelmusik und einer außergewöhnlichen Wohnung voller Kunst und Design.

Besucher erkunden die mit Kunstwerken und Designstücken gefüllte Möbus-Wohnung im Amtsgericht. Foto: Larschow

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Tim Larschow

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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