Das freut auch den Utröper: Die Otterndorfer Altstadt mit ihren kopfsteingepflasterten Gässchen und den historischen Häusern ist bei Urlauberinnen und Urlaubern äußerst beliebt. Foto: Florian Trykowski
Das freut auch den Utröper: Die Otterndorfer Altstadt mit ihren kopfsteingepflasterten Gässchen und den historischen Häusern ist bei Urlauberinnen und Urlaubern äußerst beliebt. Foto: Florian Trykowski
Empfehlungen fürs Nordseebad

Neues Tourismuskonzept für Otterndorf: Stadt will Angebote modernisieren & erweitern

von Christian Mangels | 06.11.2025

Die Stadt Otterndorf hat ein umfangreiches Tourismuskonzept erarbeiten lassen, das jetzt in der politischen Debatte ist. Welche Ziele und Hoffnungen dahinterstecken und welche Stärken das Nordseebad nach vorn bringen sollen.

Die pittoreske Altstadt, das Kulturangebot, die Seenlandschaft - das Nordseebad Otterndorf hat einiges, womit es bei Urlaubern und Tagestouristen punkten kann. Um diese Position nachhaltig zu sichern und strategisch weiter auszubauen, haben Politik und Verwaltung ein Tourismusentwicklungskonzept in Auftrag gegeben. 

Wie kann und soll sich die Stadt Otterndorf zukünftig touristisch aufstellen? Dieser Frage ist das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr (dwif) auf den Grund gegangen. Das Konzept, das Fördermittel für tourismusbezogene Projekte erleichtert, liegt mittlerweile vor und wird in den politischen Gremien beraten. Das 50-seitige Strategiepapier baut auf das neue Tourismusentwicklungskonzept "Cuxland 2030" des Landkreises Cuxhaven auf.

Die Studie verdeutlicht, dass Otterndorf beim Tourismus zwar vieles richtig macht, aber durchaus noch Luft nach oben hat: Bis 2019 habe sich die touristische Nachfrage dynamisch entwickelt. "Seitdem stagniert die Übernachtungsnachfrage jedoch", sagen die Marktforscher. So sei die Zahl der Übernachtungen 2024 im Vergleich zum Vorjahr sogar um 9,9 Prozent zurückgegangen. Die meisten Otterndorf-Urlauber - 83,8 Prozent - verbringen ihre Ferien in Ferienwohnungen, Ferienhäusern, Gruppenunterkünften oder auf dem Campingplatz. "Verglichen mit anderen Küstenorten scheint insbesondere im Hotellerie-Segment Potenzial zu bestehen."

Open Data und Digitalisierung spielen große Rolle

Im Tourismusentwicklungskonzept gibt das dwif der Stadt Otterndorf einen umfangreichen Maßnahmenkatalog an die Hand, der das Nordseebad voranbringen soll. Eine wichtige Rolle werden neben der Nachhaltigkeit künftig Open Data, also "offene Daten", und Digitalisierung spielen: "Die Herausforderung für die Zukunft besteht darin, dieses Thema in Otterndorf grundsätzlich bei allen touristischen Handlungen und Aktivitäten mitzudenken", sagen die Experten. Und: Die "Herstellung einer Online-Buchbarkeit sämtlicher Freizeit- und Beherbergungsangebote" in Otterndorf sollte angestrebt werden.

Weiterhin rät das Institut, die Wege-Infrastruktur im Nordseebad aufzuwerten und "trendgerechte Ergänzungsangebote an Rad- und Wanderwegen zur Attraktivitätserhöhung" zu schaffen. Um eine bessere Auslastung der Unterkünfte zu erreichen, muss der Ganzjahrestourismus weiterentwickelt werden, so das dwif: "Ganzjahrestourismus führt zu einer Entzerrung der Saison und zu einer Verringerung der typischen Belastungserscheinungen in den Küstenorten im Sommer." Das Institut empfiehlt die Investition in wetterunabhängige Angebote, etwa in eine Boulderhalle oder einen Escape-Room.

Ausbaubedürftig ist aus Sicht der Konzept-Autoren die Verbindung von der Innenstadt zum Strand und Freizeitgebiet. Vielleicht könnten ein Wassertaxi auf der Medem oder ein autonomer Bus diese Lücke schließen. Das Institut regt zudem an, einen stadtnahen Reisemobilstellplatz zu errichten. Die Stadt hat dieses Thema bereits im Blick und erwägt, einen Stellplatz hinter der Sole-Therme aufzubauen.

Ein weiterer Baustein des Konzeptes ist die Tourismusakzeptanz in der Bevölkerung. "Es gilt, die Einwohner von Otterndorf künftig stärker in die Tourismusentwicklung der Stadt einzubeziehen", heißt es in dem Strategiepapier. Apropos einbeziehen: Die Kommunikation zwischen der Politik und der Verwaltung einerseits und den Stakeholdern (also den Menschen, die ein berechtigtes Interesse am Thema Tourismus haben) andererseits muss besser werden, finden die Marktforscher. Ein erster Schritt ist bereits gemacht: Die touristischen Leistungsträger und die Tourismusabteilung der Stadt tauschen sich seit Kurzem im Rahmen eines "runden Tisches" aus.

Eine große Herausforderung wird es aus Sicht des Instituts künftig sein, Arbeitskräfte für den Tourismus zu gewinnen und langfristig zu binden.

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Christian Mangels

Redakteur
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