"Nicht, weil ich es muss": Warum Schwanemann Hadelns Bürgermeister werden will
Maik Schwanemann strebt das Amt des Samtgemeindebürgermeisters an und setzt auf Bürgernähe und Erfahrung. Der parteilose Kandidat will die Verwaltung modernisieren und die Vereinsarbeit unterstützen.
Auf dem Kirchplatz in Otterndorf wird Maik Schwanemann von einer älteren Dame angesprochen. Über seine Pläne als möglicher Samtgemeindebürgermeister will die Auswärtige gar nicht so viel wissen. Ihr Anliegen ist ein anderes: die Parkplatzsituation. Schwanemann kann helfen.
Vielleicht passt diese kleine Szene ganz gut zu dem 56-Jährigen. Denn bei aller Erfahrung mit Verwaltung und Politik, er ist Diplom-Verwaltungswirt, will er nah am Menschen sein - und an den Dingen, die ihren Alltag betreffen.
Schwanemann ist in Ihlienworth als Landwirtssohn aufgewachsen. "Ich komme vom Dorf", sagt er. Das prägt ihn bis heute. Familie, Vereine und Ehrenamt spielen eine große Rolle. Vier Kinder hat er in einer Patchwork-Familie, das jüngste ist neun, das älteste 25: "Ich kenne mich daher mit Kinder- und Jugendthemen sehr gut aus."
Die verschiedenen Ehrenämter Schwanemanns
Hinzu kommen einige Ehrenämter: Kirchen- und Schulvorstand, Lions-Club, Leichtathletiktrainer für Jugendliche, Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, um nur ein paar von ihnen zu nennen. "Es macht mir Spaß. Ich habe das nie als Arbeit angesehen. Man kann mit Freunden etwas bewirken und man merkt, dass man etwas schafft."
Auch beruflich ist Schwanemann ein kommunaler Vollblutmensch. 1987 begann er seine Ausbildung bei der Samtgemeinde Sietland, wurde später stellvertretender und von 2006 bis 2010 hauptamtlicher Samtgemeindebürgermeister. Nach der Fusion mit Hadeln wurde er Erster Samtgemeinderat.
Apropos: An die Fusion erinnert er sich besonders gern. Gemeinsam mit Harald Zahrte trieb er den Zusammenschluss voran. "Es war ein Zusammenschluss auf Augenhöhe", blickt Schwanemann zurück, "ein Vorzeigeprozess." Dass er anschließend gegen Zahrte um das Samtgemeindebürgermeisteramt antreten würde, kam für ihn nicht infrage. "Das Zugriffsrecht hatte der Ältere", sagt er lachend.
2019 verließ Schwanemann nach 32 Jahren den öffentlichen Dienst. Die Samtgemeinde war entschuldet und hatte in Schwanemanns Augen eine gut funktionierende Verwaltung. Er wollte etwas Neues und machte als passionierter Langstreckenläufer sowie Fußball-Fan sein Hobby zum Beruf. Nach dem Kreissportbund wurde er im Januar 2022 Geschäftsführer des TSV Otterndorf. Mehr als 2400 Mitglieder hat der Verein. Schwanemann wollte wieder näher an der Praxis sein.
Jetzt will er noch einmal zurück. Nicht aus beruflicher Notwendigkeit, sondern aus Überzeugung. Vor rund zwei Jahren begann er, darüber nachzudenken. Mit seiner Frau sprach er lange darüber. "Ich wäre sonst nicht glücklich, wenn ich es nicht versuche. Das würde ich mir später vorwerfen."
Eine parteilose Kandidatur
Schwanemann kandidiert bewusst parteilos. "Ich habe eine gute Verbindung zu allen Parteien", betont er. Auf kommunaler Ebene sei Parteipolitik im Vergleich zur Landesebene ohnehin weniger entscheidend. "Da wählt man eher den Menschen."
Seine Motivation sei vor allem die Lage der Samtgemeinde. "Ich mache mir Sorgen um die Samtgemeinde. Es ist eine ziemlich große Baustelle." Die Verwaltung müsse schneller und dienstleistungsorientierter werden, Entscheidungswege seien zu lang. "Das habe ich von der Pike auf gelernt. Ich kenne jeden Platz in der Samtgemeindeverwaltung."
Besonders wichtig sind ihm die Vereine. Sie seien durch Bürokratie zunehmend belastet. Einen "Kümmerer" aus der aktuellen Verwaltung will er deshalb als Ansprechpartner etablieren. "Wir brauchen die Vereine und Verbände in den Dörfern. Das ist der Kitt der Gesellschaft."
Und er will näher bei den Bürgern sein. Entscheidungen sollen transparenter werden, Bürger frühzeitig ihre Meinung einbringen können.
"Ich mache 24/7 Wahlkampf"
Wahlkampf im klassischen Sinn macht Schwanemann kurz vor der Wahl nicht mehr. Er sei ohnehin ständig unterwegs. "Ich mache 24/7 Wahlkampf, nicht nur vor der Wahl, sondern auch nach der Wahl." Auch wenn er gewählt werde, will er sich "unter das Volk" mischen. Ich bin nicht nur in den letzten fünf Monaten unterwegs."
Wenn es am Sonntag nicht klappt, bleibt sein Leben weitgehend, wie es ist. TSV, Familie, Sport, Ehrenamt. "Ich kandidiere nicht, weil ich es muss", hebt er hervor. "Ich könnte mich einfach einbringen, zum Wohle der Samtgemeinde."
Und wenn er einmal Abstand braucht, geht er mit seinem siebenjährigen Hund Enno, ein Australian-Shepard-Münsterländer-Mix, an den See oder auf den Deich. "Da kann ich die Seele baumeln lassen und mir den Wind um die Nase wehen lassen."
Vielleicht ist genau das Schwanemanns Antrieb: Er könnte es sich auch einfacher machen. Aber er will noch einmal etwas bewegen.
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