Die Otterndorfer Künstlerin Nele Kugler präsentiert ihre farbenfrohen, maritim inspirierten Werke, die Geschichten von Hoffnung und Lebensfreude erzählen. Foto: Mangels
Die Otterndorfer Künstlerin Nele Kugler präsentiert ihre farbenfrohen, maritim inspirierten Werke, die Geschichten von Hoffnung und Lebensfreude erzählen. Foto: Mangels
Inspiration an Elbe und Nordsee

Otterndorfer Künstlerin Nele Kugler schöpft ihre Ideen aus der Küstenlandschaft

von Christian Mangels | 29.05.2026

Die Küste ist ihre Inspirationsquelle, das Atelier ihr kreativer Mittelpunkt: Von Otterndorf aus schafft Nele Kugler Kunstwerke, die persönliche Geschichten erzählen und Hoffnung, Mut sowie Lebensfreude vermitteln.

Frühmorgens, um kurz vor sechs, wenn der erste Kaffee durchläuft, geht Nele Kugler schon in ihr Atelier und schaut, wie die letzten Farbschichten getrocknet sind. Die Otterndorfer Künstlerin ist Frühaufsteherin und Energiebündel, arbeitet an drei, vier Bildern gleichzeitig. "Ich spüre einen enormen Schaffensdrang in mir", sagt Kugler. Ihre Werke entstehen oft in mehreren Schichten, wachsen Stück für Stück und entwickeln dabei ihre ganz eigene Geschichte. Mal sind es kräftige Farben und maritime Motive, mal inspirierende Botschaften, die Zuversicht und Lebensfreude vermitteln sollen. Etwa auf ihren quietschbunten "Mutmach-Bildern", die mit aufmunternden Sprüchen wie "Mut wird immer belohnt" daherkommen.

Auf ihren Bildern ging es nicht immer so bunt zu. "Ich hatte eine düstere Zeit", erinnert sich Nele Kugler über eine persönliche Krise, die sie vor einigen Jahren durchlebte. Damals spiegelten sich ihre Gedanken und Gefühle auch in ihren Bildern wider. Dunkle Farben, nachdenkliche Motive und eine eher schwere Stimmung prägten viele ihrer Werke. Durch einen Workshop im Schwarzwald hat sie zurück zur Farbe, zurück ins Leben gefunden. Der Austausch mit anderen Künstlern, neue kreative Impulse und die Erkenntnis, dass Kunst auch Leichtigkeit und Hoffnung ausdrücken darf, hätten bei ihr einen Schalter umgelegt, erzählt sie. Seitdem sind ihre Bilder deutlich farbenfroher geworden. "Wenn jemand in einer Krise steckt, kann ich nur empfehlen, mit dem Malen anzufangen", sagt die gebürtige Nordrhein-Westfälin gegenüber cnv-medien.de.

Nele Kuglers Werke sollen Menschen berühren

Kunst habe ihr geholfen, Gefühle auszudrücken und neue Perspektiven zu entwickeln. Diese Erfahrung möchte sie heute weitergeben. Ihre Werke sollen Menschen berühren, ihnen Mut machen und zeigen, dass auch schwierige Lebensphasen überwunden werden können.

Dabei beschäftigt sich Kugler nicht nur mit persönlichen Themen. Auch die Natur und ihre Verletzlichkeit spielen in ihrer Arbeit eine wichtige Rolle. Klimawandel, Umweltzerstörung und die Zukunft des Wattenmeers treiben sie um. Bereits vor Jahren setzte sie sich in Werkreihen wie "Der Nachtbaum" oder "Green Mile" mit ökologischen Fragestellungen auseinander. "Das Wattenmeer erinnert mich daran, wie kostbar und verletzlich unsere Natur ist", sagt sie der NEZ/CN-Redaktion. Die einzigartige Landschaft vor ihrer Haustür sei für sie Mahnung und Inspiration zugleich.

Nach Otterndorf kam Nele Kugler einst durch ihren Mann. Dessen Mutter stammte aus der Medemstadt. Heute kann sich die Künstlerin kaum vorstellen, irgendwo anders zu leben. Die Weite der Küste, die Ruhe der Natur und die Nähe zum Meer seien zu einem festen Bestandteil ihres Lebens und ihrer Kunst geworden. "Ich fahre fast jeden Tag 20 Kilometer mit dem E-Bike und sammle meine Visionen hier an der Elbe und der Nordsee", sagt Kugler, die auch Auftragsmalerei anbietet. Dabei entstehen individuelle Werke nach den Vorstellungen ihrer Kunden, wobei ihr unverwechselbarer Stil stets erkennbar bleibt.

Die Nordsee ist für Nele Kugler weit mehr als eine Kulisse. Sie ist Inspirationsquelle, Sehnsuchtsort und künstlerischer Motor zugleich. Ihre Wahlheimat prägt nahezu jedes ihrer Werke. Alte Seekarten, ausgediente Segeltücher aus Cuxhaven, Muscheln, Schwemmholz oder andere Fundstücke vom Meer finden ihren Weg auf die Leinwand. "Diese Materialien tragen Geschichten in sich", sagt die Künstlerin. In ihren Bildern verbindet sie die Spuren der Küstenlandschaft mit leuchtenden Farben, abstrakten Formen und persönlichen Emotionen.

Starke Präsenz in den sozialen Medien

Im vergangenen Jahr zeigte die Künstlerin ihre Arbeiten bei fünf Ausstellungen, unter anderem in Berlin und Worpswede. Von ihrer Kunst allein leben kann sie bislang jedoch nicht. Die gelernte Lebensmitteltechnikerin und Konditormeisterin arbeitet zusätzlich noch 20 Stunden pro Woche in einem anderen Beruf. Dennoch dreht sich ihr Alltag fast vollständig um die Kunst. Hinzu kommt ihre starke Präsenz in den sozialen Medien. Dort dokumentiert sie ihre Arbeit, präsentiert neue Werke und steht im Austausch mit ihren Followern. "Das Schöne ist, dass man sofort ein Publikum hat", sagt sie.

Für die Zukunft hat Nele Kugler noch viele Pläne. Besonders am Herzen liegt ihr, ihre Erfahrungen und ihr Wissen weiterzugeben. Deshalb sucht sie nach geeigneten Räumlichkeiten im Kreis Cuxhaven, um Kurse, Workshops oder kreative Begegnungsräume anzubieten. Denn für sie steht fest: Kunst gehört nicht in einen elitären Zirkel. "Kunst ist nicht elitär", sagt sie. "Sie sollte für jeden zugänglich sein."

Wenn sie am Ende eines langen Arbeitstages ihr Atelier verlässt, stehen dort oft mehrere Bilder nebeneinander. Einige sind fast fertig, andere noch mitten im Entstehungsprozess. Und während die Farben über Nacht trocknen, reifen in ihrem Kopf längst die nächsten Ideen. Spätestens am nächsten Morgen, kurz vor sechs, beginnt der kreative Kreislauf von Neuem.

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