Otterndorfs neuer Stadtschreiber setzt sich mit sozialer Ausgrenzung auseinander
Jetzt steht fest, wer im Juni ins Gartenhaus am Süderwall in Otterndorf als Stadtschreiber einzieht. Der vom Kulturausschuss ausgewählte Autor kommt aus Wuppertal und setzt sich mit sozialer Ausgrenzung, Gewalt und Verletzlichkeit auseinander.
Der Ausschuss für Kultur, Sport und Jugend hat es sich mit der Entscheidung nicht leicht gemacht - da rauchten schon ziemlich die Köpfe. Aber jetzt steht fest: Sascha Zerbe alias Hank Zerbolesch ist der neue Preisträger des Literaturstipendiums "Gartenhaus am Süderwall".
1981 in Düsseldorf geboren, lebt Hank Zerbolesch seit 2004 in Wuppertal. Der neue Stadtschreiber hat nicht nur eine bemerkenswerte Schreibe, er ist auch eine interessante Persönlichkeit. Der über und über mit Tattoos verzierte Mittvierziger verdiente seine Brötchen unter anderem als Altenpfleger und Veranstaltungstechniker; außerdem ist er Grafikdesigner.
Seit 2014 schreibt Zerbolesch Romane, Hörspiele und Kurzgeschichten. "Meistens über Menschen, häufig über Zustände, oft über einen Mangel", wie er selbst sagt. Eine der für ihn drängendsten Fragen ist, warum Menschen tun, was sie tun. Erschienen sind von ihm unter anderem die Titel "Verhaltet euch unauffällig" (2014), "RAW" (2018) und "Morbus Leben" (2020). 2024 erschien sein Roman "Gorbach" im Steidl-Verlag Göttingen. Kurz darauf wurde Zerbolesch mit dem Förderpreis des Von-der-Heydt-Kulturpreises ausgezeichnet und absolvierte mehrmonatige Arbeitsaufenthalte in Los Angeles (USA) und Thessaloniki (Griechenland).

Wie war seine erste Reaktion, als er die Zusage für Otterndorf erhielt? "Laut bin ich geworden", sagt Hank Zerbolesch im Gespräch mit unserer Redaktion. Bis zur Benachrichtigung sei es kein guter Tag gewesen, berichtet er. "Ich saß am Rechner, schrieb an einem Manuskript und musste mit der Brechstange an jedes einzelne Wort. Solche Tage gibt es, manchmal ist das so." Als ihn die Nachricht aus dem Norden erreichte, habe er das Arbeiten eingestellt und sich "gleich doppelt gefreut".
In das Kulturleben der Medemstadt einbringen
Unbedingt will er sich aktiv in das Kulturleben der Medemstadt einbringen und die Otterndorfer kennenlernen. "Als Schriftsteller lebe ich ja davon, mit Menschen in Kontakt zu kommen", sagt der Wuppertaler. "Das heißt nicht, dass ich das dauernd und immer brauche, ich bin auch gerne mal allein, aber für meine Arbeit ist es unabdingbar, Menschen zu treffen, die ich nicht kenne." Er habe vor, in Otterndorf einige Veranstaltungen "zu schmeißen", wie Zerbolesch mitteilt. "Was genau, das wird sich zeigen, wenn ich vor Ort bin."
Woran er in Otterndorf arbeiten will, verrät der Autor noch nicht. "Wenn man nämlich vor Vollendung eines Manuskripts der Öffentlichkeit davon erzählt, reißt der Faden ab, und die Geschichte stockt erst, versandet dann und landet am Ende in einer Schublade ganz hinten unten und wird irgendwann später von den Erben für teuer Geld verscheuert." Das sei ein ungeschriebenes literarisches Gesetz.
Auch die Gewinnerin des Otterndorfer Kunststipendiums steht fest: Nadine Arbeiter, 1980 in Stuttgart geboren, wird von April bis Mitte Mai im Gartenhaus am Süderwall wohnen. Sie ist Meisterschülerin der bekannten bildenden Künstlerin Katharina Fritsch, studierte an der Kunstakademie Münster und an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Nadine Arbeiter lebt und arbeitet in Düsseldorf und setzt sich in ihrer Kunst mit aktuellen und gesellschaftlich relevanten Themen und Fragestellungen auseinander. Sie hat an zahlreichen Ausstellungen und Videofestivals im In- und Ausland teilgenommen.