Radiomoderator Ingo Hoppe hat seine Heimat Otterndorf nie aus den Augen verloren
Kommunikation ist sein tägliches Handwerk: Der gebürtige Otterndorfer Ingo Hoppe, ist Radiomoderator beim Rundfunk Berlin-Brandenburg. Seine Heimat hat er aber nie aus den Augen verloren, wie er im Interview mit Jens-Christian Mangels verrät.
Herr Hoppe, jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, heißt es bei Hermann Hesse. Ist in Berlin mit der neuen Regierung eine gewisse Aufbruchstimmung spürbar?
Nicht wirklich. Die Leute, die den Wechsel gewählt haben, haben keinen Wechsel bekommen. Sie sind der Meinung: Ich bekomme jetzt SPD-Politik unter CDU-Führung. Die Leute, die rechts gewählt haben, sagen sowieso: Wir bekommen nicht das, was wir gewählt haben. Und die Leute, die links gewählt haben, sind auch unzufrieden. Viele sind froh, dass es jetzt überhaupt eine neue Regierung gibt. Was die Berliner aber viel mehr beschäftigt als die Bundespolitik, sind die Verhältnisse vor Ort, etwa das Wohnen oder der Verkehr. Hier in der Großstadt ist das ideologische Aufeinanderprallen bei solchen Themen viel härter als in Otterndorf oder Cuxhaven.
Der Berliner Verkehr ist vermutlich auch ein häufiges Thema in Ihrer Radiosendung, oder …?
Ja, genau. Wenn gar nichts mehr geht, kann man immer über Radwege reden. Das regt die Leute immer auf - auf beiden Seiten. Die Autofahrer sagen: Wo soll ich denn überhaupt noch fahren? Und die Fahrradfahrer sagen: Für uns wird viel zu wenig gemacht. Das ist ein Dauerthema.
Welche weitere Themen kommen in Ihrer täglichen Radiosendung auf den Tisch?
Ich mache eine Berlin-Sendung. Wenn wir eine Wahl hatten, dann bereden wir die politischen Sachen. Wenn der Senator für Kultur nicht mehr weitermachen will, dann reden wir über Kulturpolitik. Dann gibt es natürlich viele soziale Themen, zum Beispiel den Umgang mit Obdachlosen oder die Unterbringung von Flüchtlingen. Und dann natürlich der große Komplex Wohnen - das ist ein Riesenthema in Berlin. Das kann man sich in Cuxhaven wahrscheinlich kaum vorstellen, wie dieses Wohnthema hier einschlägt. Wenn Sie in Berlin eine normale Wohnung haben und finden die aber blöd, dann bleiben Sie trotzdem da wohnen, weil es einfach nichts anderes gibt. Wenn überhaupt, dann nur zu absurden Preisen.
Gibt es auch mal Momente, in denen Sie richtig die Nase voll haben von Berlin und mit großer Freude zu Besuch in Ihre alte Heimat fahren?
Ja, ich bin immer wieder gern in der Heimat. Es ist viele Jahre her, da war ich auf dem Otterndorfer Altstadtfest und bin mit dem Riesenrad gefahren. Ich habe dann so runtergeschaut, auf die kleinen Klinkerhäuser und auf die andere Seite, wo das Wasser ist. Und da habe ich gedacht: Es wäre schon entspannter, hier zu wohnen. Allein in Berlin von A nach B zu kommen, ist schon ein Abenteuer. Als der israelische Staatschef neulich da war, saß ich 58 Minuten im Verkehr fest. Ich habe dafür ein gewisses Verständnis, aber mein Zeitplan gerät halt völlig durcheinander. Und das passiert hier öfter mal. Ich glaube, alle Berliner haben irgendwann mal die Schnauze voll von Berlin.
Erzählen Sie doch einmal von Ihren journalistischen Anfängen. Sie sollen ja schon in sehr jungen Jahren für die Niederelbe-Zeitung in Otterndorf gearbeitet haben …
Ja, genau, ich war 13 Jahre alt und habe über die Neue Deutsche Welle geschrieben, die damals gerade tobte.
Wie sind Sie damals an den Job gekommen?
Meine Mutter arbeitete bei Niederelbe-Zeitung am Perforator - ein Job, den es heute nicht mehr gibt. Da wurden die Texte in einer Art Riesenschreibmaschine geschrieben, die das Ganze in ein Lochband "übersetzt" hat. Diese Lochbänder waren auf so riesigen Papierschlangen, und in der Mitte war ein Plastikring. Und aus diesen Ringen habe ich mir als Kind immer Sachen gebaut. Deshalb kannte ich die Redaktion und überall lag die Niederelbe-Zeitung herum. Und darin stand dann irgendwann, dass ein Redakteur für Jugendthemen gesucht werde. Ich dachte mir: Ich bin ja jugendlich und habe mich in der Redaktion einfach mal vorgestellt. Erst haben sie gelacht, aber dann hieß es: Schreib doch mal was. Das habe ich gemacht und das kam wohl gut an. Und von da an habe ich immer wieder mal etwas geschrieben. Meinen ersten 40-PS-Polo, den ich in weinroter Farbe bei Gepp gekauft habe, habe ich mit diesem Job finanziert.
Und wie ging es dann weiter?
Ich habe dann noch ein bisschen bei den Cuxhavener Nachrichten gearbeitet. Nach dem Abitur in Otterndorf bin ich acht Tage später Soldat geworden, zunächst in Hamburg, dann in Altenwalde. Anschließend bin ich nach West-Berlin gegangen und habe Politikwissenschaft studiert. Und dann ging es irgendwann los mit dem Radio. Ich war viele Jahre Live-Reporter. Durch meine Berichterstattung aus der DDR habe ich einen gewissen Bekanntheitsgrad gewonnen und konnte jeden Tag ein, zwei Stücke verkaufen. Und dann habe ich angefangen, zu moderieren.
Haben Sie einen Überblick, wie viele Radiosendungen Sie bislang moderiert haben?
Das müssten mittlerweile an die 8000 Stück sein. Dazu kommen noch mehrere hundert TV-Sendungen und Bühnenmoderationen
Gibt es eine prominente Persönlichkeit, die Sie im Laufe Ihrer journalistischen Karriere kennengelernt haben und die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ich mochte Angela Merkel in den Live-Situationen. Ich habe zweimal ihr Gartenfest im Kanzleramt moderiert. Das ist natürlich alles sehr aufregend. Man muss vorher ins Kanzleramt und wird dann Teil der sogenannten "kleinen Lage". Dann kommen der Protokollchef und der Pressechef und alle erzählen einem, wie das Ganze abläuft und wer wo steht. Das ist schon eine sehr gute Inszenierung. Wir gingen also alle Richtung Bühne und ich sollte unbedingt hinter der Kanzlerin bleiben. Dann plötzlich erklomm Frau Merkel die Bühne und sagte: "Wo ist mein Moderator?" Und ich bin dann schnell hoch. Wir haben ein bisschen über Politik geredet, aber dann auch über ihr Leben. Sie ist wirklich sehr bodenständig. Gerhard Schröder habe ich auch getroffen, den mochte ich vom Typ her. Er hatte aber immer diese Attitüde: "Das ist mein Kanzleramt." Er hat das immer wie sein eigenes Schloss empfunden. Für die Kanzlerin war immer klar, dass sie auch irgendwann wieder gehen muss.
Haben Sie den neuen Bundeskanzler Friedrich Merz auch schon kennengelernt?
Nein, den kenne ich noch nicht.
Was war denn die schlimmste Panne, die Sie beim Radio bislang erlebt haben?
Das war in einer Zeit, als es noch keine Mobiltelefone gab. Ich wurde in den Nordirak geschickt und sollte in den Bergen über Menschen berichten, die auf der Flucht waren. Das einzige Gerät, das wir zum Berichten hatten, war ein Satellitentelefon vom Deutschen Roten Kreuz. Ich hatte an dem Abend eine Verabredung mit mehreren ARD-Sendern. Aber dann brach alles zusammen. Ich stand dann also in diesem Lager im Nordirak, da gab es nur Geröll, Berge, ein bisschen Gras und ein paar Ziegen, ansonsten nichts. Man konnte nicht einfach zu einer Telefonzelle gehen. Ich hatte also die ganzen Infos und die ganzen Verabredungen mit den Sendern, aber keinen Kontakt. Das ganze Wissen nicht weitergeben zu können, das war das Schlimmste, was mir je passiert ist.
Sie moderieren nicht nur, sondern schreiben auch Bücher. Unter anderem stammt der Bestseller "Wie Sie mit jedem ins Gespräch kommen" aus Ihrer Feder. Vielleicht könnten Sie mir ein paar Tipps geben, wie ich beim Smalltalk besser werden kann. Wie komme ich auf einer Firmenfeier mit den Kollegen mal richtig schön ins Gespräch?
Sie wählen zuerst eine Person aus. Dann würde ich Ihnen empfehlen, an etwas Äußeres anzudocken. Wenn die Person zum Beispiel einen interessanten Drink in der Hand hält, könnte das ein interessanter Gesprächseinstieg sein. Viele Menschen denken ja, man müsste gleich mit einem Gespräch über den Sinn des Lebens einsteigen. Nein, das kann man dann später noch machen.
Zum Schluss würde ich mit Ihnen gern noch einmal über Heimat sprechen. Welche Bedeutung haben Otterndorf und Cuxhaven heute noch für Sie? Sind dies Rückzugsorte?
Ja, ich bin zwar nicht mehr so häufig an der Küste, aber diese Orte haben noch immer eine große Bedeutung für mich. Wenn ich gefragt werde, woher ich komme, sage ich immer mit großem Stolz: Ich bin Norddeutscher. Wenn ich über die Autobahn in Richtung Norden fahre, kommt spätestens ab Bremerhaven so ein norddeutsches Gefühl auf. Ach, übrigens, ich habe noch eine hübsche Geschichte für Sie …
Erzählen Sie …
Ich habe Hausverbot im Paulaner Keller in Duhnen.
Oh, wie kam es dazu?
Das ist schon eine Weile her und bestimmt längst verjährt. Ich hatte mich mit einer neuen Kollegin vom Radio in Duhnen getroffen. Und diese Kollegin kann manchmal ganz schön tough und aggressiv sein. Das ist so eine, die keiner Kneipenschlägerei aus dem Weg geht. Sie hat sich dann mit ein paar Mädels aus Bottrop angelegt. Die Bottroperinnen haben dann einen Sprechchor gestartet: "Schmeißt die Alte raus." Das Ende vom Lied war dann, dass mich der Chef des Paulaner Kellers bat, meine Freundin hinauszuführen. Außerdem bekamen wir Hausverbot. Immer wenn ich mal wieder in Duhnen bin und an dem Paulaner Keller vorbeigehe, muss ich daran denken: Na, ob das Hausverbot wohl noch gilt?
Wie sieht für Sie ein perfekter Tag an der Nordsee aus?
Ein perfekter Tag startet bei meiner Mutter in Groden. Ich fahre zum Cap-Markt und hole Brötchen, und dann wird erst einmal schön gefrühstückt. Dann geht es weiter nach Otterndorf. Dort besuche ich das Haus meines Vaters am Uferweg. Dann geht es ans Wasser. Ich halte mich gern in dem Deich-Bereich auf, wo nicht Maximal-Action ist, zum Beispiel in der Höhe Sommercamp. Dann geht es zurück nach Cuxhaven, in die Grimmershörnbucht, dort bin ich oft mit meiner Familie. Und am Abend würde ich dann gern irgendwo lecker Fisch essen.