Humanitäres Engagement: Bundesverdienstkreuz für eine mutige Frau aus Otterndorf
Mit Mut und Hingabe setzt sich Dr. Gisela Penteker seit Jahrzehnten für Flüchtlinge ein und erhält nun das Bundesverdienstkreuz. Ihr humanitäres Wirken reicht weit über die Grenzen Otterndorfs hinaus.
Dr. Gisela Penteker mischt sich ein, sie meldet sich zu Wort - niemals laut, aber immer klar, analytisch, mutig. Ihre Stimme hat Gewicht - und das weit über Otterndorf hinaus. Missstände benennt sie und setzt sich dafür ein, die Situation für Menschen zu verbessern. Für ihr langjähriges Engagement in der Flüchtlingsarbeit wurde die Ärztin am Donnerstag mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Landrat Thorsten Krüger nahm die Verleihung im Rahmen einer Feier in der Stadtscheune vor. In seiner Laudatio erinnerte er an die umfangreichen Stationen ihres Wirkens und staunte: "Man muss sich fragen, wie Sie das alles in 24 Stunden geschafft haben ..."
Wie weit ihr ehrenamtliches Engagement reicht, wofür sie steht und kämpft, wurde im Anschluss in zahlreichen persönlichen und schriftlichen Grußadressen deutlich. Sie zeichneten das Bild einer aktiven, unterstützenden, selbstlosen, mutmachenden und zuverlässigen Frau mit Haltung und Rückgrat. Dr. Gisela Pentekers Stimme findet Gehör. In Otterndorf sowieso, aber auch in Hannover, Brüssel oder Diyarbakir in der Türkei, wo sie als erste Ausländerin für ihr humanitäres Engagement ausgezeichnet wurde.

Wertschätzung von vielen Weggefährten
"Die Netzwerke, die du geschaffen hast in deiner Arbeit, sind die, die jetzt tragen in düsterer Zeit", lobte Maria Jarowoy. Gemeinsam mit Elina Sieber und Hermann Kleist hatte sie die wertschätzenden Beiträge der zahlreichen weiteren Wegbegleiter organisiert und eine Erinnerungsmappe an einen besonderen Tag zusammengestellt, der sich als historisch herausstellen sollte, denn laut Bürgermeister Claus Johannßen hat niemals zuvor eine Otterndorferin das Bundesverdienstkreuz erhalten.
Gisela Penteker wurde 1948 in Franken geboren und wuchs im hessischen Bad Homburg auf. Nach Studienbeginn in Frankfurt landete sie an den medizinischen Hochschulen in Kiel und Lübeck - und blieb im Norden. Sie arbeitete erst am Otterndorfer Krankenhaus und ließ sich 1982 in Balje als Landärztin nieder. Dort war sie 17 Jahre tätig, bevor ein Wechsel nach Hemmoor erfolgte. Sie praktiziert zwar schon seit einigen Jahren nicht mehr, aber von Ruhestand kann keine Rede sein. Weiterhin setzt sie sich aktiv für Geflüchtete ein.

Seit 1983 ist sie Mitglied der internationalen Vereinigung von Ärzten für die Verhütung des Atomkrieges und in sozialer Verantwortung (IPPNW) und setzte sich international als ehrenamtlicher Vorstand und in vereinsinternen Arbeitskreisen für die Sicherung von Menschenrechten und vor allem auch Kinder und Jugendliche aus der Region Tschernobyl ein. Seit 1998 organisiert sie im Auftrag des IPPNW Reisen in die kurdischen Gebiete in der Türkei und fördert die Unterstützung kurdischer Flüchtlinge in Deutschland. Beim IPPNW ist sie Mitglied im Forum Menschenrechte.
Lange Jahre im Flüchtlingsrat aktiv
Lange Jahre wirkt sie im Flüchtlingsrat Niedersachsen mit, von 2013 bis 2015 war sie Vorsitzende. Ihr besonderes Engagement galt immer traumatisierten Flüchtlingen. Als Mitbegründerin des Netzwerks für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen (NTFM) sitzt sie seit 2013 in der niedersächsischen Härtefallkommission. Sie baute das Trauma-Netzwerk in Niedersachsen auf, das 2014 das erste psychosoziale Zentrum in Hannover eröffnete, und wo sie ehrenamtlich in den offenen Sprechstunden tätig war. Auch beim Aufbau des Kooperationsprojektes RefuKey war sie maßgeblich beteiligt.
In Otterndorf setzt sich Dr. Penteker aktiv für die Begleitung und Unterstützung von Geflüchteten auf vielfältige Weise ein. Im Verein "Zukunft durch Erinnern" engagiert sie sich ebenso wie bei der Betreuung der Herzgruppe des TSV. Den "Garten der Hoffnung" begleitet sie als Gründungsmitglied. Und mit der Energiegenossenschaft Otterndorf hat sie maßgeblich mit angestoßen, dass es schließlich durch ein breites Bündnis geschafft wurde, dass beim Rückbau des Atomkraftwerkes Brunsbüttel Werte für radioaktive Einleitungen deutlich gesenkt wurden.