Otterndorf will fahrradfreundlicher werden. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Stadt ein Radwegekonzept in Auftrag gegeben. Das soll - nach entsprechendem Beschluss des Rates - als Handlungsfaden dienen. Foto: Stadt Otterndorf
Otterndorf will fahrradfreundlicher werden. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Stadt ein Radwegekonzept in Auftrag gegeben. Das soll - nach entsprechendem Beschluss des Rates - als Handlungsfaden dienen. Foto: Stadt Otterndorf
Erste Ergebnisse

Radwegekonzept: Holt Otterndorf die Fahrradfahrer auf die Straße?

von Christian Mangels | 20.11.2023

Rückt das Auto in die zweite Reihe? Die Stadt Otterndorf will fahrradfreundlicher werden und hat deshalb ein Radwegekonzept in Auftrag gegeben. Erste Ergebnisse liegen jetzt vor. Zentraler Vorschlag der Planer: Die Radfahrer sollen auf die Straße.

Manchmal hilft der Blick von außen, um Klarheit zu bekommen. Der Schriftsteller Daniel E. Palu verbrachte als Stadtschreiber die Sommermonate in Otterndorf und war auch viel mit dem Fahrrad unterwegs. In seiner Kolumne für die Niederelbe-Zeitung beschrieb er sein Unbehagen bezüglich der Radwege: "So gern ich hier unterwegs bin, so wenig erschließt sich mir (noch) die Streckenführung für Radfahrer", schreibt er. Und weiter: "Manche Radwege enden unvermittelt, manchmal dürfen Radfahrer in beide Richtungen auf einer Fahrseite den Radweg gemeinsam benutzen, was plötzlich aber wieder endet - glaube ich jedenfalls -, weil aus dem Nichts auf der anderen Fahrbahnseite ein Fahrradweg auftaucht." Manchmal müsse man auf der Straße fahren, weil der Gehweg zu schmal sei, so der Stadtschreiber, dann hupen aber wieder die Autofahrer, "als würde man gerade zehn Gesetze auf einmal brechen."

Mit seinen Erfahrungen steht Palu nicht allein da. Viele Einwohner finden das Radwegenetz verwirrend und unzureichend. Schon seit Jahren fordert die Politik ein Radverkehrskonzept, damit Otterndorfer und Urlauber sicher, komfortabel und schnell durch die Stadt gelenkt werden können. Ein entsprechender Antrag der CDU wurde 2017 eingereicht.

Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Die Stadtverwaltung hat ein Stader Planungsbüro beauftragt, ein Radverkehrskonzept für die Medemstadt zu erarbeiten. Erste Ergebnisse liegen nun vor und wurden in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses vorgestellt.

Planer haben neun Gefahrenpunkte lokalisiert

Die Planer aus Stade haben sich die Fahrradwege, aber auch die Straßen in Otterndorf genau angeschaut und neun Gefahrenpunkte lokalisiert, wo sie Handlungsbedarf sehen. Die Ecke Sophienweg/Große Ortstraße ist so ein kritischer Punkt, aber auch der Bahnübergang an der Bahnhofstraße (K 70) - dort herrscht bei vielen Radfahrern Verwirrung darüber, wo es denn hier weitergeht. 

Das Planungsbüro hat auf der anderen Seite festgestellt, dass die Stadt mittlerweile zu großen Teilen aus 30er-Zonen besteht. Dort rollt der motorisierte Verkehr deutlich langsamer, was die Planer zu dem Schluss kommen lässt, dass die Fahrradfahrer dort problemlos und sicher auf der Straße fahren könnten. Die blauen runden Verkehrszeichen mit den weißen Fahrradsymbolen, die bisher die Benutzungspflicht eines Radwegs anzeigten, könnte man an diesen Stellen dann entfernen.

Die Radfahrer auf die Straße? Im Bauausschuss wurde der Vorschlag der Planer durchweg positiv aufgenommen. Otterndorfs Bürgermeister Claus Johannßen sagte: "Ich finde das ideal." CDU-Ratsmitglied Steffen Matzner war es, der dann doch noch etwas Wasser in den Wein gießen musste. Für die Kinder würde es tendenziell etwas unsicherer werden, sollte die Idee umgesetzt werden, findet er. "Sie müssen mit ihren Rädern weiterhin auf den Fuß- und Gehwegen fahren."

Die politische Diskussion zum Radverkehrskonzept steht noch am Anfang. Das komplette Konzept soll den Ratsmitgliedern in einer der nächsten Fachausschusssitzungen vorgestellt werden, kündigte Stadtdirektor Frank Thielebeule an. Dann wird sich zeigen, welche Empfehlungen des Planungsbüros konkret umgesetzt werden.

Die Planer aus Stade haben sich die Fahrradwege, aber auch die Straßen in der Stadt Otterndorf genau angeschaut und neun Gefahrenpunkte lokalisiert, wo sie Handlungsbedarf sehen. Karte: Kirchner Infrastrukturplanung

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