Verlorene Nähe oder Einkaufs-Hilfe? Die SB-Kassen im Kreis Cuxhaven (Pro und Contra)
Ob Lidl, Rossmann oder Combi: In Einkaufsmärkten im Kreis Cuxhaven übernehmen Kunden immer häufiger selbst die Arbeit des Kassierens - an Selbstbedienungskassen. Das soll den Einkauf flotter machen. Zwei persönliche Meinungen aus der Redaktion dazu.
Pro: Selbstscannen macht Einkäufe um Längen schneller
Von Wiebke Kramp
Ich oute mich hier als einen echten Fan von SB-Kassen. Weil sich offensichtlich immer noch viele scheuen, ihren Einkauf selbst einzuscannen, bin ich in diesen Läden tatsächlich um Längen schneller beim Bezahlen als diejenigen, die sich in die Schlangen einreihen.
Im Einkaufsmarkt zu warten, geht mir nämlich - ehrlich gesagt - ziemlich auf die Nerven, selbst wenn ich mich immer bemühe, die Mitmenschen meine Ungeduld beim Anstehen nicht spüren zu lassen. Und komme ich endlich an die Reihe, muss ich jede einzelne Sache aufs Band legen, um den Einkauf nach dem Scan-Vorgang durch die Kassiererin oder den Kassierer wieder in den Einkaufswagen oder ins Körbchen zurückzupacken. Das funktioniert an der SB-Kasse viel fixer. Rausnehmen, scannen, einpacken - fertig! Mittlerweile habe ich den Dreh ganz gut raus.
Da ich ohnehin meistens bargeldlos mit Karte zahle, ist es egal, an welcher Kasse dies geschieht. Angesichts von Personalknappheit im Einzelhandel gehe ich nicht davon aus, dass wegen meines Nutzungsverhaltens Kräfte entlassen werden. Schließlich können sie anderweitig viel effektiver eingesetzt werden und sich vollkommen auf ihre übrigen Aufgaben konzentrieren. Wie oft habe ich es erlebt, dass eine Kraft plötzlich vom Regalauffüllen abgehalten und an die Kasse abberufen wurde, weil sich dort wieder lange Schlangen bildeten und die Leute zu murren anfingen.
Mein Daumen bleibt oben - und meine Hoffnung richtet sich auf mehr Selbstscanner in den Einkaufsmärkten.
Contra: Die menschliche Nähe bleibt auf der Strecke
Von Jens-Christian Mangels
In Zeiten, in denen die Menschlichkeit immer häufiger auf der Strecke bleibt, finde ich es bedenklich, wenn Supermärkte, Discounter und Drogerien verstärkt auf Selbstbedienungskassen setzen. Diese technische Entwicklung mag auf den ersten Blick bequem erscheinen, doch sie geht auf Kosten der Arbeitsplätze und der zwischenmenschlichen Begegnungen. Gerade für ältere Menschen wird das Einkaufen dadurch zu einer echten Herausforderung. Sie fühlen sich oft unsicher im Umgang mit den Automaten. Das Ergebnis sind Warteschlangen, weil Mitarbeiter eingreifen müssen, um Fehler zu korrigieren oder Kunden bei der Bedienung zu helfen.
Zweitens: Die persönliche Note fehlt. Einkaufen ist für viele Menschen eine soziale Aktivität, bei der man sich mit anderen austauschen kann. Wenn wir immer mehr auf automatisierte Kassen setzen, droht diese soziale Komponente verloren zu gehen.
Ich plädiere daher dafür, den menschlichen Kontakt im Einzelhandel zu bewahren und auf automatisierte Kassen zu verzichten - denn Einkaufen ist mehr als nur ein Transaktionsprozess, es ist auch eine Gelegenheit für soziale Interaktion und menschliche Nähe. Wir sollten den Wert des persönlichen Gesprächs nicht unterschätzen.
Und noch ein Punkt: Experten sehen in den Systemen, bei denen die Kunden ihre Einkäufe selbst einscannen, ein steigendes Diebstahlrisiko. Ohne direkte Kontrolle durch Personal sind Diebstähle leichter möglich, was letztlich auch die Preise für alle Verbraucher steigen lässt.