Bauwerk ist 117 Jahre alt: Woran es bei der Schwebefähre Osten-Hemmoor aktuell hakt
Im Alter kommen die kleinen und großen Zipperlein; bei der Schwebefähre Osten-Hemmoor sind es eher die ganz großen. Der Betrieb musste zwischenzeitlich eingestellt werden. Worauf die Hoffnungen jetzt ruhen.
Rostig statt rüstig: Die "Eiserne Lady" ist inzwischen 117 Jahre alt - und man sieht ihr das Alter auch an. Sie benötigt dringend ein "Make-up" und soll es auch bekommen. Zuletzt war von 8,6 Millionen Euro die Rede, die für die Sanierung der Schwebefähre Osten-Hemmoor notwendig sind. Wann die Arbeiten beginnen, wie lange sie sich hinziehen werden und wann der bei Touristen beliebte Fährbetrieb wieder aufgenommen werden kann? Das ist zurzeit völlig offen. Ohnehin befindet sich das historische Bauwerk seit Mitte August außer Betrieb.

Seit 1909 sorgt die Schwebefähre für Verbindungen. Sie wurde so groß konstruiert, dass auch Segelschiffe mit höheren Masten auf dem Fluss unterwegs sein konnten. Die tonnenschwere Gondel wird durch einen Elektromotor bewegt und diente ursprünglich hauptsächlich zum Übersetzen von Fahrzeugen und Menschen, damit die Oste auch und gerade aus wirtschaftlicher Sicht für die Region kein Hindernis blieb.
Das Geschäftsmodell, um den Fährbetrieb finanzieren zu können, funktionierte viele Jahrzehnte lang weitgehend gut. Doch es endete abrupt, als 1974 die feste Ostebrücke im Zuge der Bundesstraße 495 bei Osten in Betrieb genommen wurde. Die Schwebefähre wurde von einem auf den anderen Tag nicht mehr als Transportmittel benötigt, sondern ausgemustert.
Es gab damals Stimmen, die den Einsatz von Schneidbrennern forderten, um die Metallkonstruktion verschwinden zu lassen. Doch dann machten sich zunächst Denkmalschützer für den Erhalt stark. 1975 gründeten engagierte Bürgerinnen und Bürger schließlich eine "Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre" und stellen bis heute den eigentlichen Fährbetrieb für touristische Zwecke sicher. Die Fähre befindet sich im Eigentum des Landkreises Cuxhaven.

Dass sie dem Kreis "lieb und teuer" ist, wurde immer wieder unterstrichen, wenn es mal wieder zu notwendigen Sanierungs- und Unterhaltungsarbeiten kam. Zuletzt waren vor mehreren Jahren die vier porösen Fundamente, die im Osteschlamm stehen, für knapp zwei Millionen Euro erneuert worden. Bereits damals stand jedoch fest, dass eine noch umfangreichere Maßnahme in den folgenden Jahren erfolgen muss. Nach den Fundamenten geriet mehr und mehr der schlechte Zustand des Metalls in den Fokus.

Fragezeichen hinter dem Gesamtpaket
"Im Mittelpunkt der geplanten Maßnahme steht die umfassende Instandsetzung der Stahlkonstruktion der Schwebefähre. Hierzu gehören insbesondere die Verstärkung sowie Erneuerung geschädigter oder statisch nicht mehr ausreichend tragfähiger Stahlbauteile sowie die Instandsetzung der zugehörigen Verbindungen. Darüber hinaus ist die vollständige Erneuerung des Korrosionsschutzes vorgesehen. Sämtliche Arbeiten erfolgen unter besonderer Berücksichtigung des Denkmalschutzes mit dem Ziel, die historische Konstruktion möglichst originalgetreu zu erhalten", so Julia Müller (Pressestelle des Landkreises) auf Nachfrage der NEZ/CN-Redaktion.

Doch hinter dem Projekt stehen noch Fragezeichen; vor allem bei der Finanzierung des Gesamtpaketes: "Für die Maßnahme wurden Fördermittel des Bundes beantragt. Das Förderverfahren ist noch nicht abgeschlossen, sodass derzeit auch keine abschließende Aussage zur Höhe der bewilligten Fördermittel getroffen werden kann."
"Beginn nicht vor Ende 2027"
Das erforderliche Vergabeverfahren hinsichtlich der Sanierungsarbeiten werde voraussichtlich Mitte des kommenden Jahres eingeleitet werden können. Voraussetzung hierfür sei jedoch hauptsächlich der Abschluss des laufenden Förderverfahrens. Müller: "Folglich rechnet die Kreisverwaltung nicht vor Ende 2027 mit dem Beginn der Sanierungsarbeiten. Verbindliche Angaben zum Baubeginn und zur voraussichtlichen Fertigstellung sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht möglich." Das gilt auch für die Antwort auf die Frage, ob es bei den zuletzt genannten 8,6 Millionen Euro bleibt: "Eine abschließende und belastbare Aussage zu den Gesamtkosten ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich."

Karl-Heinz Brinkmann ist Vorsitzender der Schwebefähren-Fördergesellschaft, die sich ehrenamtlich um den eigentlichen Fährbetrieb kümmert. Normalerweise endet die Saison erst Anfang Oktober, doch in diesem Jahr war bereits im August Schluss, denn der sogenannte "Frequenzumrichter" - quasi ein Herzstück des Motors - lief nicht mehr rund. "Sicherheit geht vor", sagt Brinkmann.
Es gibt zu wenige Fährleute
Zudem mussten in diesem Jahr die Beförderungszeiten ohnehin von Freitag bis Sonntag eingeschränkt werden. Der Grund: Es stehen nur noch vier Fährleute für die Dienstplanung zur Verfügung. Das seien definitiv zu wenige Freiwillige, um zwischen Dienstag und Sonntag verlässlich einen Pendelverkehr anbieten zu können.
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