„Bis April geschlossen“, heißt es auf einem Schild am auch als Café fungierenden Einrichtungsgeschäft in der Otterndorfer Marktstraße. Der Wiedereröffnungstermin ist nun zwei Monate überfällig. Foto: Lütt
„Bis April geschlossen“, heißt es auf einem Schild am auch als Café fungierenden Einrichtungsgeschäft in der Otterndorfer Marktstraße. Der Wiedereröffnungstermin ist nun zwei Monate überfällig. Foto: Lütt
Betrugsvorwürfe gegen Betreiber

Seit Monaten geschlossen: Otterndorfer Café soll Ort krimineller Machenschaften sein

von Kai Koppe | 07.06.2025

Das Otterndorfer Café lockte einst mit mediterranem Flair, doch hinter verschlossenen Türen steht nun ein Schatten von Verdächtigungen. Kriminelle Machenschaften und ein Prozess werfen dunkle Wolken über die Idylle.

Mit der "Leichtigkeit des Südens" lockt der Laden in der Marktstraße. Doch wer in diesen Tagen einen Milchkaffee bestellen oder ein paar mediterran angehauchte Wohn-Accessoires ergattern möchte, steht vor verschlossener Tür. An und für sich wäre das nicht weiter erwähnenswert, hätte es an anderer Stelle nicht den Vorwurf krimineller Machenschaften gegeben - erhoben gegen eine Person, die als Betreiber des Cafés eingetragen ist.

Der Mittdreißiger, der aus dem Landkreis Stade stammt, hat nicht nur drei klangvolle Vornamen, sondern auch ein eigenes Strafregister: Ein Urteil des Landgerichts wurde am ersten Weihnachtsfeiertag 2024 rechtskräftig; nicht lange danach soll der Betrieb im Otterndorfer Ladenlokal zum Erliegen gekommen sein. Die Richter hatten ein Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten - ausgesetzt zur Bewährung - verhängt. Das bewegt sich im Mittelfeld des Strafrahmens, den der Gesetzgeber für Geldwäsche (im vorliegenden Fall in Tateinheit mit Untreue) vorsieht.

Laut Portalbetreiber wurden 330 Betroffene identifiziert

Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen den Sohn eines Immobilienmaklers auch wegen Betrugs. Hintergrund sind Aktivitäten einer zeitweilig vom Beschuldigten geführten, inzwischen aber gelöschten GmbH, die im Mietgeschäft tätig war. Die Firma nutzte die Dienste eines Internet-Portals, um einem internationalen, vorwiegend aus jungen Arbeitskräften bestehenden Publikum kurzfristig Unterkünfte anzubieten. 

Der auf die Scheibe aufgeklebte Spruch "Unter jedem Dach ein Ach" entbehrt im Zusammenhang mit den geschilderten Ereignissen nicht einer gewissen Ironie. Foto: Lütt

Ein Teil dieser Wohnungen dürfte in Wahrheit gar nicht verfügbar gewesen sein, potenzielle Mieter, die bereits Geld überwiesen hatten, guckten Berichten zufolge in die Röhre. "Es besteht der Verdacht, dass insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2022 Mietkautionen und Mietzahlungen von Mietern, die unter Vermittlung der Plattform Housing Anywhere Mietverträge abgeschlossen hatten, ertrogen wurden", heißt es in einem im Bundesanzeiger veröffentlichten Schreiben, mit welchem sich die Stader Ankläger schon im Juni vergangenen Jahres an mutmaßliche Geschädigte gewandt hatten. Laut dem Portalbetreiber Housing Anywhere konnten rund 330 Betroffene identifiziert werden. Das niederländische Start-up hatte sich, unmittelbar nachdem Unregelmäßigkeiten gemeldet worden waren, an seine Nutzer gewandt: Aus unbekannten Gründen komme der zuvor als seriöser Vermieter eingestufte Partner seinen Verpflichtungen nicht mehr nach, hieß es in einer Presseerklärung. Gegenüber unserer Redaktion teilte Housing Anywhere außerdem mit, dass man Klage gegen die Co-Living Company GmbH eingereicht habe.  Das Unternehmen sprach ferner davon, dass es die Sicherheitsvorkehrungen seit dem Vorfall verschärft habe. Im vergangenen Jahr seien User-Bewertungen eingeführt worden, um Erfahrungen mit auf dem Portal aktiven Anbietern unter Nutzern zu teilen. Außerdem habe man in den letzten Jahren ein Protokoll zur Betrugsprävention verbessert.

In Otterndorf offenbar unauffällig geblieben

Derjenige, der diese Maßnahmen mitausgelöst haben wird, ist in Otterndorf wohl eher unauffällig geblieben - sieht man davon ab, dass sein Laden, eine Kombination aus Café und Dekoartikel-Geschäft, als innovativ und durchaus als Bereicherung für den Ortskern wahrgenommen wurde. Als Mieter in den Räumen in der Marktstraße 32, kommt der Genannte offenbar bis heute seinen vertraglichen Verpflichtungen nach - auch, nachdem Ermittler nach Eigendarstellung höhere Beträge (insgesamt handelte es sich um eine sechsstellige Summe) auf mehreren mit dem Beschuldigten in Verbindung stehenden Konten einfrieren ließen.

Möglicherweise nicht die letzte Amtshandlung gegen den Freund des Savoir-vivre. "Es sind weitere Verfahren anhängig", teilte die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage mit.

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Kai Koppe

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

kkoppe@no-spamcuxonline.de

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