SEK-Razzien in Bremerhaven - Polizei fahndet nach zwei gefährlichen Verdächtigen
Schüsse, Razzien, flüchtige Verdächtige: Nach der Gewaltserie in Bremen schlägt die Polizei zurück. Mit einem Großaufgebot durchsuchen Einsatzkräfte Gebäude in Bremerhaven. Die Fahndung läuft auf Hochtouren.
Nach einer Serie von Schießereien in Bremen haben Ermittler auch im Bremerhavener Umland und in der Stadt zugeschlagen. Am Donnerstagabend (2. April 2026) hatten Spezialeinsatzkräfte mehrere Objekte in der Region durchsucht. Das bestätigte eine Sprecherin der Polizei auf Anfrage der Nordsee-Zeitung.
Nach Informationen der Redaktion fanden die Durchsuchungen unter anderem im Süden der Stadt statt. Im Einsatz war demnach die Soko "Fokus", die in Bremen zu den Schusswaffendelikten ermittelt. Ein SEK-Team mit rund zehn Fahrzeugen soll vor Ort gewesen sein. Zu konkreten Details äußert sich die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Auch in der Stadt Bremen hatte es entsprechende Durchsuchungen gegeben.
SEK-Einsatz in Bremerhaven: "Nehmen Verunsicherung in der Bevölkerung sehr ernst"
In einer Mitteilung heißt es lediglich, man habe "weitere bedeutende Fortschritte" erzielt. Die bisherigen Erkenntnisse trügen dazu bei, "die Hintergründe der Taten weiter aufzuhellen und mögliche Zusammenhänge besser einzuordnen". Zugleich betont die Polizei, man nehme die Verunsicherung in der Bevölkerung sehr ernst und setze alles daran, die Vorfälle umfassend aufzuklären.
Gezielte Schüsse auf Beine und Füße in Bremen im März
Hintergrund der Ermittlungen ist eine Serie von Gewalttaten in Bremen: Im März wurden bei mehreren Schussattacken vier Männer verletzt, ein weiterer Mann kam ums Leben. Auffällig: In mehreren Fällen schossen die Täter gezielt auf Beine oder Füße ihrer Opfer - ein mögliches Indiz für Einschüchterungsversuche im kriminellen Milieu.
Schüsse in Bremen: Steckt die "Daltons"-Gruppe hinter der Gewalt?
Im Zuge der Ermittlungen wird auch geprüft, ob Verbindungen zur organisierten Kriminalität bestehen. In diesem Zusammenhang fällt immer wieder der Name einer Gruppierung, die sich selbst "Daltons" (türkisch: Daltonlar) nennt. Sicherheitsbehörden äußern sich dazu jedoch zurückhaltend. Nach Angaben der Polizei liegen derzeit keine gesicherten Erkenntnisse vor, dass diese Gruppe in Bremen aktiv ist oder hier Einfluss ausübt.
Die "Daltons" gelten in Ermittlerkreisen als junge, international vernetzte Gruppierung mit hoher Gewaltbereitschaft. Ihnen wird nachgesagt, Straftaten gezielt über soziale Netzwerke zu inszenieren. Als möglicher Drahtzieher wird der Türke Berat Can Gökdemir genannt, der sich Berichten zufolge im Ausland aufhalten soll, angeblich in Russland.
Polizei hat zwei Tatverdächtige zur Fahndung ausgeschrieben
Inzwischen hat die Polizei zwei Männer als Tatverdächtige identifiziert und sie zur Fahndung ausgeschrieben. "Beide sind derzeit flüchtig, nach ihnen wird mit Hochdruck gefahndet", heißt es. Die Männer stehen im dringenden Verdacht, an den Schusswaffenvorfällen in Walle, in der Neustadt und in Obervieland in Bremen beteiligt gewesen zu sein.


Bei den Gesuchten handelt es sich um den 35-jährigen türkischen Staatsangehörigen Osman Sönmez sowie den 39 Jahre alten türkischen Staatsangehörigen Ferhat Kocakelci. Sönmez ist etwa 180 Zentimeter groß, wiegt rund 90 Kilogramm, hat dunkle Haare und verändert wiederholt sein äußeres Erscheinungsbild. Kocakelci ist etwa 169 Zentimeter groß, hat schwarze schüttere Haare und trug zuletzt einen Vollbart.
Beide Männer gelten als gefährlich
Die Polizei warnt: "Beide Männer gelten als gefährlich. Sprechen Sie die Tatverdächtigen nicht an. Verständigen Sie im Falle eines Antreffens umgehend den Notruf 110."
Staatsanwaltschaft und Polizei fahnden mit Fotos nach den Männern und bitten die Bevölkerung um Mithilfe: Wer Hinweise zum Aufenthaltsort der Gesuchten geben kann, wird gebeten, sich beim Kriminaldauerdienst unter (04 21) 3 62 38 88 zu melden.
Die Ermittlungen der Soko "Fokus" zur vollständigen Aufklärung der Taten und möglicher weiterer Hintergründe gehen unterdessen weiter.
Organisierte Kriminalität steht auch in Deutschland im Fokus
Bundesweit sind die Behörden sensibilisiert: Vor allem in Berlin stehen ähnliche Gruppierungen wie die "Daltons" im Fokus von Polizei und Justiz. Dort geht es unter anderem um Schutzgelderpressungen gegen Unternehmer. Nach Angaben der Berliner Justiz laufen derzeit rund 200 Verfahren mit Bezug zu entsprechenden Strukturen.
Die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg sagte dazu der ARD, es gebe Hintermänner im Ausland sowie Täter vor Ort, die die Straftaten ausführten.
Von Dirk Bliedtner