"Skandinavien-Flair" vor der Haustür: Cuxhavener schuf Naturidyll aus einer Brache
Gerhard Schlichting, dem einen oder anderen noch als Leiter des Veranstaltungszentrums bekannt, hat ein ehemaliges Abbaugebiet in den Seepark Nordholz verwandelt. Das Natur-Refugium ist für Zweibeiner gegen Gebühr nutzbar.
Wo einst Sand abgebaut wurde, ist in gut zwei Jahrzehnten ein kleines Naherholungsgebiet entstanden. Auf dem Gelände des ehemaligen Hartsteinwerks Nordholz hat der Cuxhavener Gerhard Schlichting einen Ort geschaffen, den eine wachsende Zahl von zahlenden Gästen - Hundebesitzer, Angler und Naturfreunde - als Anlaufpunkt schätzt.
"Das war hier mal eine Industriebrache", sagt Gerhard Schlichting mit einem Blick über die Wasserfläche. Auf der Westseite ragen Stege und kleine Landzungen in den See. Mit einem Angelverein hat er eine Vereinbarung geschlossen; Karpfen, Forellen, Saiblinge und Hechte würden hier beißen, berichtet der Seebesitzer, der die zum Angeln nötigen Tages-, Monats- oder Jahreskarten persönlich ausstellt.

Hundehalter nutzen einen eigenen Strand, außerhalb der Brut- und Setzzeiten dürfen ihre Vierbeiner dort auch ohne Leine laufen. "Ich möchte diesen See nicht missen", sagt ein Spaziergänger, der mit seinem Hund seine abendliche Runde am Ufer dreht.

Mit dem Ruderboot auf dem Wasser unterwegs
Über Verträge regelt Schlichting die Nutzung des "Seeparks Nordholz". Allein im laufenden Jahr 2026 habe er 250 bis 300 Jahreslizenzen sowie mehr als 200 Tagestickets verkauft. Wer solch eine "Eintrittskarte" erwirbt, hat freien Zutritt zum Gelände und darf - im Rahmen der AGBs - die Seele baumeln lassen. Die Nachfrage reißt nicht ab; ein Grund, warum der Eigentümer in Saisonzeiten fast täglich im Ruderboot auf dem Wasser unterwegs ist.
Dass Gerhard Schlichting Seebesitzer wurde, hatte mit einer Leidenschaft zu tun. "Ich bin ein Finnland-Fan", erzählt der heute 76-Jährige. Der Haken dabei sei stets die lange Anreise gewesen - warum zwei Tage hinter dem Steuer verbringen, wenn Skandinavien-Flair im Kleinformat vor der eigenen Haustür zu finden ist? Als der Cuxhavener Ende der 90er-Jahre erfuhr, dass der ehemalige Baggersee zum Verkauf stand, wusste er sofort: "Den möchtest du erwerben."

So romantisch die Geschichte klingt, so arbeitsreich waren die folgenden Jahre. Am Baggersee hatte es in der Vergangenheit wilde Partys gegeben. "Zuerst habe ich die Leute machen lassen, aber irgendwann musste ich eingreifen", erzählt Schlichting. Als das Areal erschlossen wurde und auf dem vorgelagerten Grundstück an der Bahnhofstraße ein Aldi-Markt entstand, zog der damalige Leiter des Veranstaltungszentrums einen Zaun, um solche Auswüchse zu unterbinden. Dabei ging es nicht nur um leere Flaschen am Seeufer. "Hier wurde zum Teil auch Schutt abgeladen. Zwei Container voll habe ich hier rausgeholt." Unbekannte hätten den gesamten Unrat wieder hineingeworfen; Anlass zu einer vorübergehenden Sperrung des Geländes und der Grund, warum besagte Nutzungsverträge eingeführt wurden.

Refugium für seltene Arten
Steine waren Schlichting zum Teil auch von offizieller Seite aus in den Weg gelegt worden: "Man hat mir unterstellt, ich hätte hier etwas ganz anderes vor", erinnert sich Schlichting. Dass es ihm darum ging, ein Refugium für Mensch und Natur zu schaffen, habe nicht jeder auf Anhieb verstanden.
Teile des Geländes hat Schlichting bewusst für Besucher gesperrt. In diesem geschützten Bereich gebe es wenigstens 15 Tierarten, die auf der Roten Liste stehen, und mindestens ebenso viele Pflanzenarten, darunter den Sonnentau, der zu den gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen gehört. Der Seepark ist unter anderem zu einem Habitat für Kreuzkröten geworden; Haubentaucher, Reiher und Kormorane sind im Wasserbereich zu beobachten. Besonders freut sich Gerhard Schlichting über die Eisvögel, die am See heimisch geworden sind. "Die Natur soll sich so entwickeln, wie sie ist. Das ist der Grundsatz der Pflege, in deren Rahmen ich nur die Wege bearbeite", sagt er. Inzwischen hat das Projekt auch das Interesse des Naturschutzbundes NABU geweckt.

Perspektive für naturnahe touristische Nutzung
Eingriffe nimmt der Seebesitzer nur vor, wenn er die Entwicklung bestimmter Lebensräume forcieren will. Auf einer von ihm entbuschten Fläche breitet sich inzwischen Heide aus - vorerst in kleinen Inseln auf dem Sandboden. Abgeschlossen ist die Entwicklung des Geländes allerdings nicht. Ein Bebauungsplan ermöglicht weitere Nutzungen: Auf dem Areal am sogenannten "Nicht-Hundestrand" könnten mehrere Tiny-Häuser und ein Hotel entstehen - von der Straße aus eingeschossig, zur Seeseite hin mit drei Etagen. Baurechtlich möglich ist zudem eine Steganlage mit Bewirtungsangebot sowie ein Aussichtsturm. "Das ist alles ausgearbeitet", sagt Schlichting, der den Seepark über seine eigene Projekt GmbH GmbH managt. "Am liebsten wäre es mir, wenn hier ein Öko-Hotel entstände."

Auch ein Sporthotel mit Trimm-dich-Parcours rund um den See könne er sich vorstellen. Die dafür nötige Kompensation ist bereits erfolgt, sämtliche Ausgleichsmaßnahmen, die der Bebauungsplan vorschreibt, habe er auf dem eigenen Grundstück umgesetzt. "Eigentlich fehlt nur noch jemand, der Lust hat, so ein Vorhaben - Hotel oder Tiny-Haus-Hotel - in Angriff zu nehmen."
Was den privaten Gebrauch betrifft, wäre Schlichting mit wenig zufrieden: Ein Häuschen oben am Hochufer - das würde er sicherlich bauen. Ein Domizil mit Blick auf den See, jenes Stück Landschaft, das er vor mehr als zwei Jahrzehnten gekauft hat.

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