Nordholz soll ein neues Ferienzentrum am Baggersee bekommen: Investoren gesucht
NORDHOLZ. Tipi-Zelte, Ferienhäuser, ein Hotel und Baumhäuser: Die Pläne für das neue Ferienzentrum in Nordholz klingen vielversprechend. Der Rat hat nach langer Planung endlich grünes Licht gegeben. Fehlen nur noch die Investoren.
Von Heike Leuschner
Gerhard Schlichting steht am Nordholzer Baggersee und strahlt. "Endlich", sagt der Geschäftsmann und ehemalige Leiter des Veranstaltungszentrums Cuxhaven. Vor seinem geistigen Auge sieht er es bereits: ein Erholungsgebiet mit Hotel und Steganlage, Tipi-Zelten sowie ein paar Ferienhäusern und Baumhäusern. Nach rund 20 Jahren Planungszeit hat der Rat der Gemeinde Wurster Nordseeküste jetzt den Bebauungsplan "Hartsteinwerk" beschlossen. "So eine Marathon-Planung", sagt Bürgermeister Marcus Itjen, "habe ich noch nie erlebt."
Schutz der Biotope
Es war Ende der 1990er-Jahre, als Finnland-Fan Gerhard Schlichting das Nordholzer Baggersee-Gelände gekauft hat. Auf der einen Seite des Sees sollten Wohnhäuser und ein kleines Gewerbegebiet entstehen, auf der anderen eine Ferienanlage. Über das Wohn- und Gewerbegebiet, auf dem sich die - mittlerweile in die Ortsmitte verlegten - Lebensmittelmärkte sky und Aldi ansiedelten, wurde bereits 2001 entschieden. Im selben Jahr stellte Schlichting für den östlichen Teil des Areals das Projekt "Ökopark Sonnenland Nordholz" vor: ein Hotel mit Tagungszentrum, Ferienhäusern, Bootsanleger und Gastronomie am Baggersee - eine ambitionierte Vision, die von Anfang an Probleme bereitete.
Untersuchungen hatten ergeben, dass im Nord- und Ostteil des Areals ein "Mosaik naturnaher Lebensräume" aus wertvollen Pflanzengesellschaften sowie Vorkommen von Kreuzkröten, Libellen und Moorfröschen existierte. Umweltbehörden forderten daraufhin exaktere Bestandsaufnahmen sowie einen besseren Schutz der Biotope.
Baggersee Nordholz abgesperrt
Schlichting kümmerte sich um Gutachten, verbesserte parallel dazu die Infrastruktur rund um den - damals noch öffentlich zugänglichen - See. Hunderte Säcke Müll habe er in den Anfangsjahren unter anderem von Tauchern aus dem See bergen müssen. Noch bevor der Müll nach einer Tauchaktion getrennt und in Container verladen werden konnte, hätten Ungekannte den Müll wieder ins Wasser geworfen. Das war 2003. Daraufhin sperrte Schlichting das Privatgelände ab. Seither muss jeder, der das Gelände zum Baden, Angeln oder Spazieren gehen nutzen will, mit Schlichting einen entgeltlichen Vertrag abschließen. Mehrere hundert Naturfreunde hätten bislang davon Gebrauch gemacht.
Rohstoffabbau am See
Ob der Eigentümer den versprochenen Rundwanderweg um den See künftig wieder für jeden frei zugänglich machen wird, steht offenbar noch nicht fest. Schlichting verweist auf hohe Ausgaben, die er für die Anlegung des Wanderweges, für Sitzgelegenheiten und die Pflege des Geländes habe. Außerdem geht es um die Frage, wer an den beiden Baggerseestränden die Badeaufsicht übernimmt. Mittlerweile habe er bereits einen Betrag "im sechsstelligen Bereich" allein in die Aufwertung und Sicherung des Geländes sowie in Planungsunterlagen investiert, sagt der Cuxhavener. Andererseits hat er auch profitiert. Denn auf dem Baggersee-Gelände gibt es Sandvorkommen, die Schlichting seit einigen Jahren abbauen darf. Nordholzer Kommunalpolitiker hatten ihm diesen vorzeitigen Rohstoffabbau zunächst verwehren wollen, weil sie befürchtet hatten, dass es dem Investor nur um die Ausbeutung des Geländes gehe und nicht darum, seinen Ferienpark zu realisieren.
Natur gibt Machbares vor
Gegen diese Vorwürfe hat sich Schlichting immer wieder gewehrt. So sei er der (naturschutz-)rechtlichen Entwicklung viele Jahre lang hinterhergerannt. Im Laufe der Zeit habe er mehr als ein Dutzend Pläne vorgelegt, um auf immer wieder neue Gesetze, Naturschutzverordnungen und Einwände des Landkreises zu reagieren. Dabei habe er alles getan, was die Naturschutzbehörde wollte: ein Krötenschutzgebiet angelegt, eine Brücke gebaut, 3000 Quadratmeter Sandstrand und ein Flachwassergebiet mit Wasserlauf geschaffen. Heute betrachte er, der Kaufmann, das Areal mit ökologischen Augen. "Die Natur gibt vor, was wir hier machen können", sagt der 71-Jährige.
Bebauungsplan endlich beschlossen
Natur- und Artenschutzfragen seien auch der Grund gewesen, warum das Verfahren so lange gedauert habe, erklärt Itjen. Bis zuletzt habe die Kommune um den Bebauungsplan für das Gebiet gerungen, berichtete die für das Verfahren bei der Gemeinde verantwortliche stellvertretende Bauamtsleiterin Astrid Poppe. Denn im Rahmen der Kartierung waren weitere geschützte Bereiche gefunden worden. "Als ich die Stellungnahme des Landkreises gelesen habe, dachte ich: Jetzt geht es wieder von vorne los", erinnert sich Poppe. Doch nach weiteren Gesprächen mit der Kreisverwaltung im Frühsommer und einigen Änderungen in den vorhandenen Planungsunterlagen hat der Rat der Gemeinde in seiner jüngsten Sitzung den Bebauungsplan für das Gelände beschlossen.
Investoren für Ferienpark gesucht
Für Schlichting beginnt nun ganz offiziell die Suche nach Investoren. Er geht davon aus, dass die ersten Teilprojekte in Kürze in Angriff genommen werden. Ob es tatsächlich auch ein Hotel am Baggersee geben wird, hängt von potenziellen Investoren ab. "Passen", davon ist Schlichting überzeugt, "würde es immer noch."
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