Zwei Kandidaten im Fokus: Die Spannung steigt vor der US-Präsidentschaftswahl 2025. Donald Trump (l.) und Kamala Harris wollen ins Weiße Haus einziehen. Foto: picture alliance/dpa/AP
Zwei Kandidaten im Fokus: Die Spannung steigt vor der US-Präsidentschaftswahl 2025. Donald Trump (l.) und Kamala Harris wollen ins Weiße Haus einziehen. Foto: picture alliance/dpa/AP
US-Präsidentschaftswahlen

"Sollten es nicht so negativ sehen": US-Bürger aus Cuxhaven und umzu vor den Wahlen

04.11.2024

Donald Trump oder Kamala Harris? Die US-Präsidentschaftswahlen stehen bevor und auch in Cuxhaven und Umgebung fiebern viele mit. Bürger mit amerikanischem Hintergrund teilen ihre Ansichten und Hoffnungen für die Zukunft der USA - und der Welt.

Kamala Harris oder Donald Trump? Vize-Präsidentin oder Ex-Präsident? Wer zieht 2025 ins Weiße Haus ein? Die Spannung steigt vor der diesjährigen US-Präsidentschaftswahl am Dienstag, 5. November. Die Menschen aus dem Kreis Cuxhaven fiebern mit - insbesondere die mit US-amerikanischem Hintergrund.

Aktuell leben in der Stadt Cuxhaven 34 Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Staaten: 15 Frauen und 19 Männer. Einer von ihnen ist Scott Gabel. "Ich habe vor zwei Monaten schon gewählt", sagt der gebürtige US-Amerikaner, der seit über 30 Jahren in Cuxhaven lebt und sich hier pudelwohl fühlt. Dennoch sagt er über sich selbst: "Ich bin New Yorker." Er wird die Wahlen nachts am Handy verfolgen. Eine Prognose mag der 65-Jährige nicht abgeben: "Ich weiß wirklich nicht, wer gewinnt." Seine Stimme hat die Demokratin Kamala Harris bekommen. Wenn Trump am Ende gewinnen würde, wäre es aber auch kein Beinbruch. "Ich sehe das nicht alles so negativ und die Deutschen sollten es auch nicht so negativ sehen", sagt Gabel.

Scott Gabel fühlt sich auch auf dem Tennisplatz zu Hause. Foto: Archiv

Dagmar Seegemann aus Osterbruch besitzt die doppelte Staatsangehörigkeit - ebenso wie ihre beiden Töchter, die 25 und 23 Jahre alt sind. Seit zehn Jahren wählt die Mittfünfzigerin regelmäßig in ihrer Heimat USA, aus der sie 1990 nach Deutschland gekommen ist. Sie nimmt auch an den Zwischenwahlen teil. Bereits in den Herbstferien haben die drei Frauen die Gelegenheit genutzt, und ihre Stimmen vor Ort in Indiana ("leider kein Swingstaat") abzugeben. "Es gibt die Möglichkeit zur Frühwahl." Es sei ihr wichtig, ein Zeichen zu setzen.

Osterbrucherin kritisiert Donald Trump

Für sehr gefährlich hält Dagmar Seegemann Donald Trump: "Er überschätzt sich und ich halte ihn für körperlich und psychisch krank." Kamala Harris hingegen finde sie sehr fähig. Zwar habe man zunächst eher wenig in ihrer Zeit als Vizepräsidentin von ihr gehört, aber nachdem Joe Biden seinen Rückzug erklärt habe, sei dies anders. "Sie kann sehr gut sprechen und sich mitteilen. Ich drücke ihr die Daumen und bin überzeugt, sie wird gewinnen", betont Dagmar Seegemann. Was ihre Töchter gewählt haben, daraus hätten sie kein Geheimnis gemacht. Die Osterbrucherin verrät lachend: "Ich weiß, dass auch die Mädchen eine Frau gewählt haben, die die erste Präsidentin wird." Dass es knapp werde, wie vielfach vorhergesagt wird, glaubt die US-Amerikanerin nämlich nicht.

Das Weiße Haus, von der Parkseite aus gesehen. Foto: Soeren Stache/dpa

Von Cuxhaven nach Kalifornien

Felix Arbatschat ist in Cuxhaven geboren und aufgewachsen, hat hier sein Abitur gemacht. Nach dem Studium ist der 35-Jährige ausgewandert. Seit acht Jahren lebt er mit seiner Frau in Kalifornien. "Häufig sind Wahlen ja nicht wirklich knapp und man hat eine gute Intuition, wer gewinnen wird. Aber diesmal gleicht es für mich einer Münzwurfentscheidung. Ich kann es nicht einschätzen", ordnet er ein. "Laut allen Wahlprognosen könnten sowohl Harris als auch Trump klar gewinnen." Man habe das Gefühl, dass "dieses Mal Podcasts und Memes entscheidend sein können".

Kamala Harris will die erste Präsidentin der USA werden. Foto: Jacquelyn Martin/picture alliance/dpa/AP

Arbatschat persönlich würde sich freuen, wenn Harris gewinnt, darf aber aufgrund seiner Greencard selbst nicht wählen. "Die meisten unserer Freunde sind Demokraten. Aber jetzt hört man doch vereinzelt, dass manche Trump wählen, weil sie Kamala als unglaubwürdig empfinden bezüglich Grenzpolitik und Staatsschulden. Viele sind auch von lokalen Problemen wie steigender Obdachlosigkeit genervt", erzählt der 35-Jährige, der in Santa Monica lebt und als Datenwissenschaftler arbeitet. "Befürchtungen, die viele Deutsche haben, dass Trump aus der Nato austreten könnte oder Ähnliches, sind hier nicht wirklich relevant im Wahlkampf." Er persönlich erwarte nicht, dass sich durch den Wahl-Ausgang "kurzfristig direkt viel ändert. Das wird sich dann in den nächsten Jahren zeigen, wie und ob die Entscheidungen einen Einfluss auf unser Leben haben."

Der geborene Cuxhavener und seine Frau werden die Wahl bei sich zu Hause verfolgen. "Es gibt aber auch viele Wahlpartys hier, bei denen die Leute zusammen schauen." In den vergangenen Wochen hätten sich vor allem zwei Lager gebildet: zum einen diejenigen, die immer über die Wahlen sprechen wollen und zum anderen die Menschen, die vom Thema genervt sind und sich darauf freuen, bald nicht mehr ständig damit konfrontiert zu werden.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat und ehemalige US-Präsident Donald Trump will zurück ins Weiße Haus. Foto: Evan Vucci/picture alliance/dpa/AP

Eva Steinhorst, die in den USA geboren und in Cuxhaven aufgewachsen ist, gibt zu bedenken, dass in diesem Jahr in 72 Ländern weltweit Wahlen anstehen, bei denen insgesamt 3,7 Milliarden Menschen ihre Stimme abgeben werden. Sie bezeichnet 2024 also als "ein entscheidendes Jahr für die Welt" und verweist auf die Europawahlen im Juni, die "tiefgreifende Veränderungen im politischen Klima Europas" aufgezeigt hätten. Dabei betont sie, dass es nicht nur um einen Rechtsruck gehe, sondern auch um die Frage, welche Folgen dieser für den Erhalt grundlegender demokratischer Werte und Strukturen habe.

US-Präsidentschaftswahlen: Eine Bedeutung für die ganze Welt

Die bevorstehenden US-Wahlen betrachtet sie mit besonderer Sorge. "Obwohl ich in den USA aufgewachsen bin und die amerikanische Staatsbürgerschaft besitze, rührt mein Interesse an den Wahlen daher, was sie auf globaler Ebene bedeuten." Steinhorst warnt, dass ein Wahlsieg von Donald Trump in den USA erhebliche Risiken für eine zunehmende Konzentration von Macht birgen könnte. Auf internationaler Ebene äußert sie Bedenken über die möglichen Folgen einer solchen Rückkehr ins Amt für eine bereits polarisierten Welt, die Klimakrise und die globalen Konflikte.

"Die Lage in Gaza und im Libanon lässt mich jedoch auch die Politik der Demokraten kritisch hinterfragen, da sie weiterhin Waffenlieferungen an Israel unterstützen und damit Verantwortung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit tragen", so die 26-Jährige weiter. Trotz ihrer Bedenken sieht sie Hoffnung in Kamala Harris und unterstützt ihre Kandidatur, stellt jedoch klar: "Es ist nicht glaubwürdig, dass man gerade alles in der Macht Stehende tut, um Frieden im Nahen Osten zu fördern. Dafür muss es ein Waffen-Embargo geben."

Von Wiebke Kramp, Tamina Francke, Jan Unruh und Joscha Kuczorra

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