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Der Autor Rudolf W. Stock entführt die Leserinnen und Leser in das Steinau des 19. Jahrhunderts. Sein neuer Roman „Der Schuster aus Steinau“ verbindet historische Wurzeln mit einem fesselnden Kriminalfall. Foto: Rudolf W. Stock
Der Autor Rudolf W. Stock entführt die Leserinnen und Leser in das Steinau des 19. Jahrhunderts. Sein neuer Roman „Der Schuster aus Steinau“ verbindet historische Wurzeln mit einem fesselnden Kriminalfall. Foto: Rudolf W. Stock
Roman von Rudolf W. Stock

Mysteriöse Verbrechen in Steinau: Autor macht Sietland-Dorf zum Krimi-Schauplatz

von Christian Mangels | 04.11.2026

Von den Wurzeln seiner Familie im Land Hadeln bis zu rätselhaften Verbrechen im 19. Jahrhundert: Rudolf W. Stock hat mit "Der Schuster aus Steinau" einen historischen Roman geschrieben, der tief in die Vergangenheit des Dorfes eintaucht.

Nebel zieht über die Wettern, Torfrauch steigt aus den Häusern, und auf den Höfen bestimmt harte Arbeit den Alltag. Es ist das Steinau des 19. Jahrhunderts, in das Rudolf W. Stock seine Leser mitnimmt. Sein neuer Roman "Der Schuster aus Steinau" verbindet das Leben einfacher Menschen mit einer düsteren Kriminalgeschichte. Für den Autor, der im Landkreis Helmstedt aufwuchs und heute im US-Bundesstaat Florida lebt, ist der Schauplatz weit mehr als eine literarische Kulisse: Hier liegen seine familiären Wurzeln.

Seine Mutter Anna Katharina Stelling wurde 1920 in Steinau geboren. Als Kind lernte Stock das Land Hadeln bei Familienurlauben kennen. Um 1965 ging es im VW-Käfer des Vaters nach Otterndorf. Die Familie zeltete direkt am Deich - bei mehr als zehn Tagen Regen. Im folgenden Jahr kehrten die Stocks zurück, diesmal in die Jugendherberge und bei Sonnenschein.

Erinnerungen an Steinau sind bis heute lebendig

Auch Steinau besuchte er mit seiner Mutter. Die Erinnerungen an das Sietland-Dorf sind bis heute lebendig, wenn auch bruchstückhaft: "Geblieben sind einzelne, sehr lebendige Eindrücke: ein Bauernhof, der kräftige Geruch nach Vieh, viele Fliegen und eine kalte Kirschsuppe, in der ebenfalls eine Fliege schwamm."

Seine Mutter erzählte vom Leben auf dem Hof, vom Torfstechen und von einem Brand, der den Familienhof zerstört hatte. Doch vieles blieb unausgesprochen. Als sie 1985 starb, begann Stock, intensiver nach seinen Vorfahren zu forschen. "Nach ihrem Tod 1985 wollte ich mehr wissen. Da war sie nicht mehr da, um meine Fragen zu beantworten."

Aus der Familienforschung entwickelte sich schließlich der Wunsch, das Leben früherer Generationen literarisch lebendig werden zu lassen. "Doch Namen, Geburtsdaten und Sterbedaten waren mir irgendwann nicht mehr genug", sagt Stock. Er wollte erfahren, wie die Menschen wohnten, arbeiteten und ihre Kinder großzogen.

Die hölzerne Skulptur eines großen Holzschuhs im Herzen Steinaus erinnert an das Schuhmacher- und Schusterhandwerk vergangener Zeiten. Foto: RaBoe/Wikipedia

Dafür beschäftigte er sich mit Kirchenbüchern, Sterberegistern und historischen Lebensbedingungen. Besonders eindrücklich war für ihn ein Steinauer Sterbeeintrag aus dem Jahr 1819 über einen knapp zweijährigen Jungen aus der Osterstraße. Das Dokument hielt dessen Tod fest, verriet aber kaum etwas über sein kurzes Leben. Gerade solche Lücken regten Stocks Fantasie an.

Im Mittelpunkt seines Romans steht Heinrich, genannt Hinni, der in ärmlichen Verhältnissen aufwächst und später Schuster wird. Seine Geschichte beginnt 1846 und führt durch Jahrzehnte voller gesellschaftlicher Umbrüche bis ins Jahr 1931. Stock schildert das Leben zwischen Torfmoor, Landwirtschaft, Handwerk und Dorfgasthof. Hunger, Krankheiten, Kriege und soziale Ungleichheit prägen die Schicksale seiner Figuren.

Doch unter der scheinbar vertrauten Dorfwelt lauert das Verbrechen. Menschen verschwinden, Gerüchte machen die Runde, und die unheimliche Gestalt einer weißen Frau im Nebel beschäftigt die Bewohner. Der Roman entwickelt daraus eine Kriminalhandlung, in der Angst, Gewalt und lange gehütete Geheimnisse eine zentrale Rolle spielen. "Mich interessiert, was in einer kleinen Gemeinschaft sichtbar ist und was verborgen bleiben kann", erklärt Stock. Denn auch dort, wo jeder jeden kennt, bleibt vieles im Verborgenen.

Dabei legt der Autor Wert auf eine klare Unterscheidung: Seine familiäre Verbindung zu Steinau ist real, die zentralen Figuren und ihre Verbrechen sind erfunden. "Meine familiären Wurzeln verbinden mich mit dem Schauplatz; sie machen die Geschichte aber nicht zu einer Familienchronik."

Stock will zudem die Härte des damaligen Alltags zeigen, ohne Armut zu verklären. "Not kann Menschen verbinden, sie kann aber auch ausgenutzt werden." Vor allem die Abhängigkeit der Besitzlosen von wohlhabenden Bauern und anderen einflussreichen Personen beschäftigt ihn.

Autor arbeitet bereits am dritten Band

"Der Schuster aus Steinau" ist im Selbstverlag (als Taschenbuch und E-Book) erschienen und Teil einer Trilogie, deren Geschichten durch das Sietland-Dorf und ein Haus an der Wettern verbunden sind. Bereits fertiggestellt ist auch "Der Schmied aus Steinau", der die Jahre 1799 bis 1855 umfasst. Am abschließenden Band "Der Schneider aus Steinau", angesiedelt im 20. Jahrhundert, arbeitet Stock derzeit. Alle drei Romane sind als eigenständige Geschichten angelegt.

Mit seinen Büchern möchte er auch die Menschen seiner mütterlichen Heimat erreichen. "Ich würde mich freuen, wenn Menschen aus dem Land Hadeln etwas von ihrer Landschaft und ihrer regionalen Geschichte wiedererkennen und zugleich einen neuen Blick auf das Leben früherer Generationen gewinnen."

Vielleicht, so seine Hoffnung, rege die Lektüre auch dazu an, in der eigenen Familie nachzufragen. Für Stock selbst begann genau damit eine literarische Reise zurück nach Steinau.

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