Lucie und Gottfried Esselborn sind seit 70 Jahren verheiratet. Foto: Werder
Lucie und Gottfried Esselborn sind seit 70 Jahren verheiratet. Foto: Werder
Feier der Gnadenhochzeit

"Halten zusammen": Ex-Steinauer und heutiges Bederkesaer Paar feiert Gnadenhochzeit

von Märthe Werder | 12.06.2026

Lucie (89) und Gottfried Esselborn (95) aus Bad Bederkesa (Kreis Cuxhaven) feiern ihre Gnadenhochzeit. Seit 70 Jahren meistern sie gemeinsam das Leben. Sie verraten, wie sie zueinander gefunden haben und wie ihre Ehe halten konnte.

"Es war nicht langweilig", beteuert Lucie Esselborn lächelnd. Sie und ihr Mann Gottfried feiern am heutigen Freitag (12. Juni 2026) ihre Gnadenhochzeit: 70 Jahre sind sie verheiratet.

Gottfried kommt gebürtig aus Kamp-Lintfort (Nordrhein-Westfalen), seine Familie zog nach Steinau, als er vier Jahre alt war. Dort ist Lucie aufgewachsen. Bei einem Schützenfest 1954 in Steinau lernten sich die beiden dann kennen. Er war gemeinsam mit zwei Freunden auf einer Empore und schaute runter auf den runden Tisch, an dem die Mädchen saßen. "Da haben wir uns eine ausgesucht", erzählt der 95-Jährige. "Die mit dem roten Kleid, die nehme ich", hatte er damals gesagt - und das war Lucie. Er habe sie direkt überzeugt, schildert sie. Die sieben Geschwister fand Lucie zudem toll, da sie sich als Einzelkind immer Geschwister gewünscht hatte.

Noch zu jung beim Kennenlernen

Bei ihrem Kennenlernen war Lucie jedoch erst 15 Jahre alt. Gottfrieds Vater hatte ihm untersagt, mit einer unter 16-Jährigen nach Hause zu kommen. Zum Glück der beiden hatte sie wenige Tage später Geburtstag. Das zweite Treffen fand auf dem Herbstmarkt statt. Als Lucie nach Hause kam, wussten ihre Eltern schon Bescheid: Eine Bekannte hatte das Paar gesehen, war zu den Eltern gefahren und hatte ihnen davon berichtet.

1956 fand die Hochzeit statt. Danach zog das Paar auf den Hof von Lucies Eltern, seine Eltern zogen ihnen hinterher. Bereits 1957 bekamen sie ihr erstes Kind - drei weitere folgten. Für das junge Paar war es nicht immer einfach, zwischen den Eltern zu leben. Für die Kinder sei es aber schön gewesen. "Die Kinder hatten es gut, sie gingen nach vorne oder hinten zu Oma und Opa", erzählt die 89-Jährige.

Familienzusammenhalt ist ihnen wichtig

Die Esselborns haben eine große Familie: vier Kinder, zehn Enkel und sieben Urenkel. "Wir halten zusammen und das ist sehr wichtig", sagt Lucie. Beide können in ihrem Alter nicht mehr so gut laufen, Gottfried hört zudem schlecht. Sie spielen Karten oder Spiele, sowohl alleine als auch mit den Enkeln und Urenkeln. Zum Geburtstag wünschen sie sich immer Ausflüge mit ihrer Familie. Waren es früher noch Wochenendausflüge, sind es inzwischen Tagestouren. Es sei schade, dass sie inzwischen so alt seien, schildert Lucie. "Aber wenn alle zusammen sitzen, ist alles wieder gut", sagt sie mit einem Lächeln.

Seit 1993 wohnen die Eheleute in Bad Bederkesa. Eine Zeit lang hatten sie einen Schrebergarten: "Den musste ich haben. Ich musste Erde an den Händen haben", erzählt der ehemalige Landwirt. Ihr Sohn bringt ihnen jeden Tag die Niederelbe-Zeitung vorbei. "Es interessiert einen, weil man da aufgewachsen ist", sagt Lucie.

Immer einen gemeinsamen Weg finden

Wichtig für eine lange Ehe sei, dass man sich nicht streite und immer einen gemeinsamen Weg finde: "Immer zusehen, dass sie sich einig werden", rät Lucie jungen Paaren.

Nach all den Jahren schätzt die 89-Jährige immer noch an ihrem Mann: "Dass er noch alles mitmacht. Man kann Spiele spielen und sich unterhalten. Und er hilft beim Kartoffel- und Apfelschälen", erzählt sie lachend. Und wie ist es bei Gottfried? "Sie tut, was ich sage", sagt er und fängt an, herzlich zu lachen.

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Märthe Werder

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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