Armin Heitmann (CDU) verabschiedet sich als Bürgermeister von Steinau, bleibt aber der Gemeindepolitik treu und unterstützt seinen Nachfolger. Foto: Mangels
Armin Heitmann (CDU) verabschiedet sich als Bürgermeister von Steinau, bleibt aber der Gemeindepolitik treu und unterstützt seinen Nachfolger. Foto: Mangels
Kommunalwahl

Steinaus Bürgermeister Armin Heitmann tritt ab - so geht es politisch weiter

von Christian Mangels | 09.07.2026

Nach fünf Jahren als Bürgermeister von Steinau tritt Armin Heitmann bei der Kommunalwahl nicht erneut als CDU-Spitzenkandidat an. Der Gemeindepolitik bleibt er dennoch treu: Er kandidiert wieder für den Rat und will seinen Nachfolger unterstützen.

"Ich möchte aus der ersten Reihe hier in Steinau zurücktreten", sagt Heitmann, der seit 2021 ehrenamtlicher Bürgermeister ist. Auch sein Mandat im Kreistag will der Landwirtschaftsmeister und Schultheiß aufgeben. Im Gemeinderat möchte er dagegen weiterarbeiten - nicht zuletzt auf Wunsch seiner Parteikollegen und seines möglichen Nachfolgers Wolfgang Lunden.

Lunden ist ein frisch pensionierter Berufssoldat, gehört seit mehreren Jahren dem Rat an und ist Heitmanns Stellvertreter. "Er ist zehn Jahre jünger als ich und sehr engagiert", sagt der Bürgermeister. Lunden habe sich zur Kandidatur bereit erklärt, zugleich aber darum gebeten, dass Heitmann dem Rat zunächst erhalten bleibe.

Entscheidung gegen weitere Amtszeit ist nicht plötzlich gefallen

Die Entscheidung gegen eine weitere Amtszeit sei nicht plötzlich gefallen, erklärt Heitmann im Gespräch mit unserer Redaktion und verweist auf seine zahlreichen weiteren Aufgaben. Als Verbandsvorsteher ist er für den Deichverband, den Unterhaltungsverband und mehrere Wasser- und Bodenverbände verantwortlich. Dazu gehören Mitarbeiter, eine Fläche von mehr als 60.000 Hektar sowie zentrale Aufgaben bei Entwässerung und Hochwasserschutz. "Wenn ich die Wahl habe, entscheide ich mich dafür, Schultheiß zu bleiben", sagt Heitmann. In dieser Funktion könne er für die gesamte Region viel erreichen. Zugleich wolle er nach 30 Jahren in der Politik kürzertreten.

Ein gesundheitlicher Zwischenfall habe ihm gezeigt, wie wichtig das sei. Vor rund drei Jahren erlitt Heitmann während eines Ausflugs eine beidseitige Lungenembolie und verlor das Bewusstsein. "Der Weg zwischen Leben und Tod ist ganz schön kurz", sagt er. Ein Freund sei wenige Monate später an einer Lungenembolie gestorben. Deshalb wolle Heitmann seine politischen Aufgaben in den kommenden fünf Jahren langsam auslaufen lassen.

Leicht falle ihm der Abschied dennoch nicht. Besonders wichtig sei ihm die Nähe zu den Einwohnern. Ein ehrenamtlicher Bürgermeister sei auch abends und am Wochenende Ansprechpartner. "Ein Bürgermeister hat keinen Feierabend", sagt Heitmann. Auf Anrufe am Sonntagabend könne er künftig allerdings verzichten.

Zu den wichtigsten Erfolgen seiner Amtszeit zählt Heitmann die Fertigstellung des Brauhauses und die Anerkennung des Kindergartens als Bewegungskindergarten. Damit sei die Einrichtung zukunftssicher aufgestellt. Auch ein neues Baugebiet wurde fertiggestellt. Der Verkauf der Grundstücke laufe wegen hoher Zinsen und wirtschaftlicher Unsicherheit jedoch schleppend. 

Die finanziellen Möglichkeiten kleiner Gemeinden sieht Heitmann zunehmend kritisch. Steinau könne zwar noch einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen, habe aber kaum Spielraum für größere Projekte: "Das Ende der Fahnenstange ist erreicht." Andere Mitgliedsgemeinden seien bereits kaum noch handlungsfähig. Eine Einheitsgemeinde lehnt Heitmann daher nicht grundsätzlich ab. Angesichts knapper Kassen und großer Unterschiede bei den Gewerbesteuereinnahmen könne ein Zusammenschluss langfristig notwendig werden.

Neue finanzielle Chancen sieht er vor allem in den erneuerbaren Energien. Die Gemeinde hat Aufstellungsbeschlüsse für zwei Solarparks gefasst. Zudem ist im regionalen Raumordnungsprogramm ein Windenergiegebiet bei Steinau vorgesehen. Entscheidend seien nicht nur mögliche Gewerbesteuereinnahmen, sondern vor allem die gesetzlich vorgesehene Beteiligung der Kommunen an den Erlösen. Damit könnten Vereine, kulturelle Angebote und später möglicherweise der Umbau des alten Feuerwehrhauses zum Dorfgemeinschaftshaus unterstützt werden.

Eine der größten Herausforderungen bleibt die demografische Entwicklung. Steinau hat heute rund 790 Einwohner, vor 30 Jahren waren es noch fast 1100. Arbeitsplätze vor Ort gebe es kaum. Hoffnung machten Heitmann junge Menschen, die nach Ausbildung oder Studium zurückkehrten, neu bauten oder die Häuser ihrer Eltern übernähmen. Eine zentrale Rolle spielten die Vereine. Schützen- und Sportverein, Feuerwehr sowie kulturelle Gruppen seien noch gut aufgestellt. "Das ist unsere Jugendarbeit letztendlich", sagt Heitmann. Ohne die Vereine gebe es für Kinder und Jugendliche nur wenige Angebote.

Junge Frauen sind kaum für Kandidatur zu begeistern

Schwieriger werde es dagegen, Menschen für die Kommunalpolitik zu gewinnen. Besonders junge Frauen seien kaum für eine Kandidatur zu begeistern, weil viele Familie, Beruf und Ehrenamt miteinander vereinbaren müssten. Die CDU habe zwar interessierte junge Menschen zusammengebracht, bei einer konkreten Kandidatur habe die Bereitschaft jedoch nachgelassen. Heitmann hält es deshalb für möglich, dass es bei der übernächsten Kommunalwahl keine eigene CDU-Liste mehr geben wird. Mehrere potenzielle Kandidaten könnten sich eine parteiunabhängige Bürgerliste besser vorstellen. 

Seinem möglichen Nachfolger rät Heitmann, für die Menschen erreichbar zu bleiben. Ein Bürgermeister müsse überall ein offenes Ohr haben, vermitteln und sich auch um kleine Anliegen kümmern. Für die Einwohner sei weniger wichtig, ob ein Haushalt formal ausgeglichen sei. Sie wollten erleben, dass ihre Probleme ernst genommen würden.

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Christian Mangels

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