Stop in Bremerhaven: Partyboot übernimmt Passagier-Shuttle der "Queen Mary 2"
Die "Queen Mary 2" macht wegen eines Defekts überraschend in Bremerhaven fest. Die Stadt steht vor einer logistischen Herausforderung - und hat eine außergewöhnliche Lösung gefunden, damit die Gäste dennoch an Land gehen können.
Der Transatlantiker-Liner "Queen Mary 2" plant, Bremerhaven am Montag (17. November 2025) gegen 6.30 Uhr zu erreichen, und wird bis 18 Uhr in Bremerhaven liegen. Da das Schiff 10,3 Meter Tiefgang hat, kann es nicht am Kreuzfahrtterminal festmachen. Eine logistische Herausforderung steht bevor. Ein Partyboot rettet den Bremerhaven-Besuch.
Rückblick: Die Reederei Cunard Line hat umgeplant: Weil eine Antriebsgondel ausgefallen ist, hat das Schiff keine Erlaubnis bekommen, die Elbe Richtung Hamburg hochzufahren. Stattdessen bekommt Bremerhaven unerwartet Besuch am Montag.
Stattdessen wurde eine Anfrage an Eurogate, Europas größte reedereiunabhängige Container-Terminal- und Logistik-Gruppe, gestellt. Das Schiff wird demnach auf der Multifunktionsfläche am Bremerhavener CT 1 festmachen, die sich am südlichen Ende der Containerkaje befindet. Dort lag auch die "Manara"/"Ayona" während des Umbaus.
Bremerhaven Bus bringt die Gäste zum Kreuzfahrtterminal
Da diese Kaje im gesicherten Bereich des Überseehafens liegt, können Gäste nicht einfach aussteigen und auf eigene Faust die Stadt erkunden, wie das bei regulären Anläufen der Fall ist. Gleiches gilt für Schaulustige, die nicht so nah an den Kreuzliner herankommen, wie sonst.

Rund 400 Passagiere steigen aus und ein - das soll über das Kreuzfahrtterminal abgewickelt werden. Mit zehn Bussen von Bremerhaven Bus sollen diese Gäste samt Gepäck über die Nordschleuse vom und zum Terminal gebracht werden. Dann werden sie ab dem Kreuzfahrtterminal mit Shuttle-Bussen nach Hamburg gefahren, wo ihre Reise eigentlich enden sollte.
Das Schiff fasst etwa 1200 Crewmitglieder und kann fast 3000 Gäste aufnehmen. Dem Vernehmen nach sind es hauptsächlich Briten und Amerikaner. Die Touristikgesellschaft Erlebnis Bremerhaven rechnet mit etwa 1900 Menschen, die einen Landgang machen könnten.
Müssen tausende Gäste wegen der Sicherheitsbedenken an Bord bleiben?
Rund 400 davon haben bereits einen Ausflug gebucht. Sie möchten Hamburg, Bremen oder das ehemalige Konzentrationslager in Bergen-Belsen besuchen. 1500 weitere sind mögliche Gäste für Bremerhaven.
"Wir freuen uns auf den spontanen Besuch der ,Queen Mary 2‘ und heißen Passagiere und Crew in Bremerhaven willkommen. Wir haben uns sofort, nachdem der Anlauf bekannt wurde, an die Reederei gewandt, um unsere touristischen Attraktionen vorzustellen und haben Möglichkeiten für Landausflüge in der Stadt aufgezeigt", sagt Touristikchef Michael Gerber.

Zwischenzeitlich bestand die Sorge, dass diese Gäste wegen des Anlegens im Hafensicherheitsbereich an Bord bleiben müssen. Doch es zeigt sich, was passiert, wenn alle Beteiligten in Bremerhaven an einem Strang ziehen. Gerber: "Wir sind froh, dass die Terminalbetreiber, das Kreuzfahrtterminal und alle anderen Beteiligten eine Möglichkeit gefunden haben, die Passagiere in die Stadt zu bringen."
Premiere in Bremerhavens Kreuzfahrtgeschichte
Die Lösung ist ungewöhnlich und eine Premiere in Bremerhavens Kreuzfahrtgeschichte: Das Partyboot MS "Koi", auf dem während der Sail feucht-fröhlich gefeiert wurde, wird die Gäste von der "Queen Mary 2" zur Seebäderkaje pendeln. Das Fahrgastschiff der Adler-Reederei fasst etwa 550 Passagiere und kommt extra aus Hamburg nach Bremerhaven.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Passagiere bei angekündigten sieben Grad und Nieselregen Lust auf Landgang haben - die Touristiker stehen mit Infomaterial parat.
Hunderte englischsprachige Gäste an einem Montag in Bremerhaven - das gab es schon: Der britische Kreuzliner "Iona" kam am 12. Februar 2024, weil er Hamburg ebenfalls nicht ansteuern konnte. Hunderte Gäste besuchten die Stadt spontan.
Bremerhaven möchte die "Queen Mary 2" offiziell begrüßen und wie bei Erstanläufen üblich eine Plakette überreichen. Diese wird an einer speziellen Wand im Schiff angebracht. So schippert immer ein Stück Bremerhaven mit der "Queen Mary 2" über die Weltmeere.
Von Maike Wessolowski