Vereint gegen die AfD: Nordledas Bürgermeister Uwe Blohm, Land Hadelns SPD-Vorstand Jens Langer und Otterndorfs stellvertretender Bürgermeister Peter-Martin Stelzenmüller (v.l.) im Gespräch mit hinzugerufenen Polizeibeamten, die sich von der spontanen Protestversammlung ein eigenes Bild machten. Foto: Kramp
Vereint gegen die AfD: Nordledas Bürgermeister Uwe Blohm, Land Hadelns SPD-Vorstand Jens Langer und Otterndorfs stellvertretender Bürgermeister Peter-Martin Stelzenmüller (v.l.) im Gespräch mit hinzugerufenen Polizeibeamten, die sich von der spontanen Protestversammlung ein eigenes Bild machten. Foto: Kramp
Klare Kante von Kommunalpolitikern

"Ich bin nur der Wirt": Überraschendes AfD-Treffen bei CDU-Politiker in Nordleda

von Wiebke Kramp | 22.03.2026

In Nordleda (Samtgemeinde Land Hadeln / Kreis Cuxhaven) brodelt es: Ein als "Bürgerdialog" ausgeschriebener, geheimer AfD-Treff in einer CDU-Gaststätte sorgt für Empörung - und Proteste.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich ab Sonnabendvormittag (21. März 2026) die Nachricht, dass später in der Gaststätte "Kiek mol in" in Nordleda eine Veranstaltung des Kreisverbandes Alternative für Deutschland (AfD) stattfinden sollte. Es dauerte nicht lange, da regte sich im Dorf Protest auf breiter demokratischer Ebene. Parteienvertreter der CDU, SPD und der Grünen bewiesen in einem deutlichen Schulterschluss ihre Ablehnung. Damit zeigten sie eine sichtbar funktionierende "Brandmauer" als Abgrenzung zu der rechtspopulistischen AfD, die gegenwärtig vom niedersächsischen Verfassungsschutz als extremistischer Verdachtsfall eingestuft wird.

Nordledas Bürgermeister Uwe Blohm (CDU) verdeutlichte: "Wir Demokraten müssen gemeinsam als Brandmauer stehen. Wenn wir das nicht tun, machen wir nur die AfD stark." Für rechtsgerichtetes Gedankengut habe man in der Dorfgemeinschaft des guten Miteinanders in Nordleda keinen Platz. Und er kündigte Konsequenzen für den Gastwirt an, der für die CDU im Gemeinderat sitzt.

Da waren schon Züge eines Geheimtreffens erkennbar. Der Kreisverband der AfD hatte für Sonnabend (21. März 2026) über seine Sozialen Medien zum "Bürgerdialog" als Auftaktveranstaltung für den Kommunalwahlkampf eingeladen und dazu als Gastredner den Aktivisten, Autoren und AfD-Wahlkämpfer Serge Menga angekündigt. Gäste mussten sich allerdings per E-Mail anmelden und sollten dann erst später den Ort erfahren. Berichterstatter von cnv-medien.de waren dabei allerdings unerwünscht, wie bereits am Tag zuvor vom AfD-Pressesprecher mitgeteilt worden war.

Einlasskontrolle auf der Zufahrt zum Versammlungsort in Nordleda. Foto: Kramp

Andreas Poit als Betreiber des "Kiek mol in" hatte dies Sonnabendmittag in einem Telefonat gegenüber der Redaktion der Niederelbe-Zeitung/Cuxhavener Nachrichten bekräftigt, dass er persönlich als Hausherr keine Pressevertreter in seiner Lokalität wünsche. Seine lapidare Begründung: Es werde ohnehin nur negativ berichtet. Bei der Veranstaltung handele es sich um eine "geschlossene Gesellschaft", so der Nordledaer - und er betonte: "Ich bin nur der Wirt und verkaufe hier Bratwürste und meine Frau die Getränke. Mit der Veranstaltung selbst hab‘ ich nichts zu tun." Aber eine Antwort darauf, ob er den Ausschluss von Pressevertretern für demokratisch halte, blieb er schuldig und beendete das Gespräch.

Protest der "Omas gegen Rechts" in Bad Bederkesa

Die Örtlichkeit des Treffens blieb lange Zeit unbekannt. Nachdem die "Omas gegen Rechts" in Bad Bederkesa von der AfD-Veranstaltung Kenntnis erlangt hatten, mutmaßten sie, dass sie bei einem privaten Landmaschinenunternehmen im Beerster Gewerbegebiet stattfinden sollte. Sie kamen zu diesem Schluss, nachdem dort der Hof auffallend so hergerichtet worden war, dass genug Platz für parkende Autos gewesen wäre. Außerdem war an dieser Stelle bereits vor einem Jahr eine AfD-Veranstaltung geplant, die dann allerdings verlegt worden war. Das Familienunternehmen sollte auch diesmal wieder nicht zum Veranstaltungsort werden. Dennoch hielten die "Omas gegen Rechts" Sonnabend ihre angemeldete Demonstration ab. Rund 60 Leute zeigten dort besorgt Flagge gegen rechtes Gedankengut. Mit Fahnen, Transparenten und Gesang gingen sie für demokratische Werte auf die Straße.

Die "Omas gegen Rechts" hatten zum Protest gegen die AfD ins Gewerbegebiet Bad Bederkesa aufgerufen. Foto: Kramp

Zusammenkunft gegenüber des "Kiek mol in"

Und auch vor dem "Kiek mol in" in Nordleda kam es nachmittags zu einer spontanen Versammlung von Protestlern - allen voran Bürgermeister Uwe Blohm (CDU): "So etwas ist schließlich negative Werbung für unseren Ort - das wollen wir hier nicht haben und dagegen müssen alle demokratischen Kräfte zusammenstehen."

Und das taten sie als ein breit aufgestelltes Bündnis. Peter-Martin Stelzenmüller von den Grünen, stellvertretender Otterndorfer Bürgermeister, Jens Langer, Vorstand bei der SPD Land Hadeln, und Michael Merz, Vorsitzender des CDU-Samtgemeindeverbands, zeigten dort Gesicht. Gemeinsam standen sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite, um ihren Unmut zu zeigen. Gegen diese Versammlung hinter verschlossenen Türen waren auch die Ratsmitglieder Uwe Haase (SPD), Hans-Heinrich Ropers (CDU) sowie aus Otterndorf Niclas Röse (Grüne) gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern vor Ort präsent.

Bürgerprotest in Nordleda gegenüber dem "Kiek mol in". Foto: Kramp

Die rund 20 Personen nahmen beobachtend zur Kenntnis, wie jeder vorfahrende Autofahrer auf der Auffahrt von den Ordnern angehalten und genau kontrolliert wurde, ob er auf der Gästeliste stand. Sehr großen Anklang schien die Veranstaltung übrigens nicht gehabt zu haben. Einer der Protestler zählte die Autoinsassen und kam dabei auf 45 Teilnehmende. Nicht nur aus dem Landkreis Cuxhaven, sondern mit Kennzeichen Stade, Wilhelmshaven oder dem Heidekreis. Auch Redner Serge Menga fuhr mit seinem Wagen grüßend an der Gruppe vorbei und meinte ungefragt: "Ich bin kein schwarzer Nazi."

Nordledas CDU-Fraktionssprecher Ingo Graf war entsetzt, als er von der AfD-Veranstaltung und der Örtlichkeit in Nordleda erfuhr: "Wir als CDU-Fraktion distanzieren uns davon und haben kein Verständnis dafür, dass die AfD dort ihren Wahlkampfauftakt abhält und jemand von der CDU sie bei sich zu Gast hat - bei allem Verständnis für die Belange der Gastronomie."

Andreas Poit sitzt für die CDU im Gemeinderat Nordleda. Seine Bewirtung der AfD wird wohl ein politisches Nachspiel haben. Bürgermeister Blohm machte die Richtung deutlich: "Wir wollen ihn nicht mehr in unserer CDU-Gruppe haben."

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Wiebke Kramp
Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
72-Jähriger schwer verletzt

Schwerer Unfall in Nordleda: Überholmanöver bei Winterglätte endet im Graben

von Redaktion

Ein schwerer Unfall auf winterglatter Fahrbahn ereignete sich am Sonnabend in Nordleda (Kreis Cuxhaven): Ein 72-jähriger Autofahrer verlor beim Überholen die Kontrolle über seinen Wagen, prallte gegen einen Baum und wurde schwer verletzt.

Unfallflucht und Winterglätte

Autofahrer schleudert und flüchtet - Transporter prallt bei Nordleda gegen Baum

von Redaktion

Ein schleudernder Audi löst auf der Cuxhavener Straße ein Ausweichmanöver aus. Ein Transporter prallt gegen einen Baum - der Fahrer hat Glück im Unglück. Nun sucht die Polizei nach dem flüchtigen Unfallverursacher.

Frischer Lesestoff

Tod an der Kirche in Nordleda: So giftig geht's im neuen Krimi von Markus Rahaus zu

von Christian Mangels

Vergiftet, infiziert, liquidiert: In den Krimis von Markaus Rahaus ist das Cuxland eine gefährliche Region. Das trifft auch auf seinen neuesten Roman "Conus" zu. Ein Spaziergang mit dem Autor durch sein Heimatdorf Nordleda - ganz ohne Tote.

Neuer Raum für Sammlung

Kreisgemeinschaft Labiau-Ostpreußen hält Erinnerung wach - jetzt auch in Nordleda

von Christian Mangels

Lange hat die Kreisgemeinschaft Labiau-Ostpreußen nach passenden Räumlichkeiten für ihre umfangreiche Sammlung gesucht, jetzt ist die Gruppe fündig geworden: Die Gemeinde Nordleda stellt der Gruppe einen Raum in der ehemaligen Schule zur Verfügung.