Ungleiche Behandlung? Kritik an Förderstrategie für Bäder in Wingst und Otterndorf
Im Samtgemeinderat Land Hadeln ist eine Debatte über die Zukunft der beiden kommunalen Bäder entbrannt. Politiker forderten, das Schwimmbad in der Wingst und die Sole-Therme Otterndorf bei der Akquise von Fördermitteln gleichberechtigt zu behandeln.
Deutschlandweit stecken kommunale Schwimmbäder tief im Sanierungsstau. Auch die Sole-Therme in Otterndorf und das Hallen- und Freibad Wingst benötigen in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen. Große Hoffnungen setzt die Samtgemeinde Land Hadeln in das Bundesförderprogramm "Sanierung kommunaler Sportstätten - Schwimmbäder".
Für die Ertüchtigung der Sole-Therme wurde bereits ein Förderantrag über fünf Millionen Euro eingereicht. In der ersten Antragsrunde blieb die Samtgemeinde erfolglos. Nun sollen die Unterlagen für den zweiten Projektaufruf erneut fristgerecht bis zum 19. Juni eingereicht werden.
Und was ist mit dem Wingster Schwimmbad? Diese Frage stellten die Grünen-Fraktion und einige Mitglieder der CDU-Fraktion in der Sitzung am Dienstag. Sie kritisierten, dass sich die Verwaltung bislang vor allem auf die Sole-Therme konzentriere. Angesichts des ebenfalls hohen Sanierungsbedarfs dürfe nicht der Eindruck entstehen, eines der beiden Bäder werde bevorzugt.
Jannis Burda stellte einen Antrag der Grünen vor, in dem die Verwaltung aufgefordert wird, ebenfalls eine Interessenbekundung für das Bundesförderprogramm zur Sanierung des Wingster Bades einzureichen. Die Kommune solle die "vorhandene Fördermöglichkeit nutzen und fristgerecht eine Projektskizze für die Sanierung des Hallen- und Freibades in der Wingst einreichen", heißt es in dem Antrag.
Die Fraktion verwies auf politische Beschlüsse aus den Jahren 2020 und 2023, die bislang nicht umgesetzt worden seien. Bereits beschlossene Maßnahmen sollten Vorrang vor neuen Vorhaben haben. Zugleich betonten die Grünen die Bedeutung des Hallen- und Freibades für Schul- und Vereinssport, Schwimmausbildung, Gesundheitsförderung und Tourismus. Die hohe Auslastung verdeutliche, dass es sich um "eine Einrichtung von erheblicher regionaler Bedeutung" handele.
Ein unverzichtbarer Beitrag zur Daseinsvorsorge
Unterstützung erhielten sie von drei Mitgliedern der CDU-Fraktion. In einem eigenen Antrag forderten Imke Dick, Swen Vinup und Patrick Pawlowski eine "gleichberechtigte Berücksichtigung der Sole-Therme Otterndorf sowie des Hallen- und Freibades Wingst bei der Akquise und Beantragung von Fördermitteln". Beide Einrichtungen leisteten einen "unverzichtbaren Beitrag zur Daseinsvorsorge für die rund 27.000 Einwohnerinnen und Einwohner der Samtgemeinde", heißt es in ihrem Antrag. Gerade mit Blick auf Schulschwimmen, Vereinssport und die Schwimmausbildung dürfe "keines der beiden Bäder gegenüber dem anderen zurückgestellt werden".
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Malte Hinck kritisierte den Antrag der Grünen als "Aktionismus" vor der Kommunalwahl. Die Frist zur Einreichung der Projektskizzen ende bereits am 19. Juni, sodass die notwendigen Unterlagen kurzfristig kaum zu erstellen seien. Außerdem müsse ein solcher Antrag, wie ihn die Grünen gestellt haben, zunächst im Fachausschuss beraten werden.

Samtgemeindebürgermeister Frank Thielebeule erinnerte die Ratsmitglieder an einen Beschluss aus dem Dezember 2025: Damals hatte der Samtgemeinderat der Bewerbung der Sole-Therme für das Bundesförderprogramm einstimmig bei einer Enthaltung zugestimmt. Aus seiner Sicht gelte dieser Beschluss auch für den zweiten Projektaufruf. Thielebeule betonte, dass die Verwaltung keineswegs eines der beiden Bäder bevorzuge: "Die beiden Bäder sind gleichgestellt." Auch künftig werde man nach Fördermöglichkeiten für beide Einrichtungen suchen.
Die Grünen schlossen sich schließlich dem Antrag aus den CDU-Reihen an, sodass der Samtgemeinderat einstimmig beschloss, künftig beide Bäder bei der Suche nach Fördermitteln gleichberechtigt zu berücksichtigen. Dies soll in einem der nächsten Bauausschüsse beraten werden - und damit voraussichtlich erst nach der Kommunalwahl.
Unabhängig von der Förderdebatte gibt es bereits konkrete Unterstützung für das Wingster Bad. Der Samtgemeinderat stimmte der Annahme zweier Spenden über jeweils 20.000 Euro zu. Das Geld ist für die Sanierung des Rutschenturms vorgesehen und stammt von einem privaten Spender sowie einem Unternehmen aus Cadenberge.
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