Wie kann die Struktur des Rettungsdienstes im Cuxland verbessert werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine extra eingerichtete Arbeitsgruppe des Landkreises Cuxhaven. Erste Vorschläge liegen vor - und die sorgen für Diskussionsbedarf. Foto: Marcus Führer / dpa
Wie kann die Struktur des Rettungsdienstes im Cuxland verbessert werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine extra eingerichtete Arbeitsgruppe des Landkreises Cuxhaven. Erste Vorschläge liegen vor - und die sorgen für Diskussionsbedarf. Foto: Marcus Führer / dpa
Versorgungslücken schließen

Neue Struktur für Rettungsdienst im Kreis Cuxhaven sorgt für Gesprächsstoff

von Egbert Schröder | 08.05.2023

Es geht um Minuten und manchmal sogar um Sekunden: In Notfällen entscheidet neben der professionellen Hilfe auch der Zeitfaktor über Tod oder Leben. Jetzt steht das Rettungsdienst-Konzept für das Cuxland auf dem Prüfstand.

Lange Anfahrtswege erschweren das rechtzeitige Eintreffen von Notärzten und -sanitätern. Eine neue Organisationsstruktur soll das ändern. Und dabei geht es auch um Standortfragen: Wo verschwinden Rettungswachen, wo werden sie neu gebaut? Jetzt liegen erste Vorschläge vor und sorgen für Gesprächsstoff.

Wenn es im Landgebiet zu einem Einsatz kommt, greift das sogenannte "Rendezvouz-System". Unabhängig voneinander setzen sich der Notarzt und die Notfallsanitäter mit ihren Rettungswagen in Bewegung, um zum Einsatzort zu gelangen. Die Zeit sitzt ihnen dabei nicht nur angesichts des akuten Falls im Nacken. Es geht auch um die - unterschiedlich je nach Bundesland - gesetzlich verankerte "Hilfsfrist", in der die professionellen Helfer am Einsatzort eingetroffen sein müssen. In Niedersachsen beträgt diese Zeitspanne 15 Minuten - von der Notfallmeldung bis zur Ausrück-, Anfahrts- und Ankunftszeit.

In städtischen Regionen ist das meist kein Problem; auf dem "platten Land" dagegen in Einzelfällen schon. Und das liegt nicht zuletzt an der historisch bedingten Wahl von Standorten der Rettungswachen. Diese würde man heute zum Teil an völlig anderen Stellen ansiedeln, um eine möglichst große Fläche des Kreisgebietes abdecken zu können und keine "weißen Flecken" entstehen zu lassen.

Projektgruppe wurde gegründet

Vor diesem Hintergrund ist innerhalb der Kreisverwaltung eine Projektgruppe gegründet worden, die sich mit einer neuen Organisationsstruktur des Rettungsdienstes beschäftigt. Dabei spielt neben der "Hilfsfrist" von 15 Minuten auch die Berücksichtigung der Schwerpunkte von Einsätzen eine Rolle. "Wir sind noch in der Entwurfsplanung", betonte Eike Schmitter von der Projektgruppe im zuständigen Fachausschuss. Allerdings präsentierte er auch erste Vorschläge, wo sich etwas ändern könnte oder müsste. Vorrang habe bei allen Überlegungen, dass "Versorgungslücken im Kreis Cuxhaven geschlossen werden müssen". 

Nur einige Beispiele: Für den Otterndorfer Bereich wird die Verlegung der Rettungswache in das Gewerbegebiet (Raiffeisenstraße) vorgeschlagen. In Cadenberge sei ein Standort im südlicheren Bereich (Sportplatz-Weg) sinnvoll. Während für Hemmoor ein Neubau der Rettungswache eine Verbesserung darstelle, erscheine Lamstedt als neuer Standort ideal. Die Rettungswache Dorum könne zur Flächenabdeckung nach einer ersten Beurteilung nach Sievern verlegt werden, während statt Midlum Nordholz sinnvoll wäre. Eine Verlegung der Rettungswache von Lintig nach Bad Bederkesa schlägt die Projektgruppe ebenfalls vor. Die Vorschläge liegen zwar auf dem Tisch, doch Schmitter betonte auch deutlich, dass es sich nur um eine erste "Entwurfsplanung" handele. Hinzu käme die Frage, an welchen Standorten wie viele Fahrzeuge benötigt werden würden. 

Krüger lässt sich nicht beeindrucken

Für den Ausschussvorsitzenden Thorsten Ohlandt (CDU) ist zwar klar, dass sich "in diesem Bereich etwas tun muss". Doch im Zuge der Diskussion wurde auch deutlich, dass insbesondere Entscheidung zu einer Rettungswachenverlagerung durchaus für kommunalpolitische Diskussion sorgen wird. Der neue Landrat Thorsten Krüger lässt sich von einer Standortdiskussion aber nicht beeindrucken: "Eine Neuplanung ist notwendig."

Eine "Rückwärtsbetrachtung" mit Kirchturmdenken hinsichtlich der Standortwahl sei da wenig hilfreich. Es gehe jetzt und in Zukunft darum, den Rettungsdienst in seiner Gesamtheit regional neu aufzustellen. Daher habe er auch die entsprechende Projektgruppe eingerichtet, die sich dieser Thematik annehme. Dafür werde bereits vorhandenes Fachwissen in der Verwaltung durch neue Mitarbeiter genutzt: "Wir kaufen aber auch noch weitere Kompetenz ein."

Außen vor bleibt bislang weitgehend eine Kooperation mit der Stadt Cuxhaven. Krüger räumte zwar ein, dass man im Gespräch sei. Aber gleichzeitig betonte er, dass Stadt und Landkreis jeweils ihre "eigenen Hausaufgaben" erledigen müssten.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Egbert Schröder
Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

eschroeder@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Das Wochenend-Interview

Aufruf zur Solidarität im Cuxland: "Wer wegschaut, macht sich mitschuldig"

von Maren Reese-Winne

Menschen mit Behinderung weht ein harter Wind entgegen, Diskriminierung wird offen ausgelebt und Teilhabe als Luxus dargestellt. Wir haben Jürgen Wintjen, den Vorsitzenden des Inklusionsbeirats im Kreis Cuxhaven, um eine Einordnung gebeten.

Bilanz vorgelegt

Ein Jahr mit vielen Herausforderungen: So lief 2025 für die Volksbank Stade-Cuxhaven

von Tim Larschow

Auch in Krisenzeiten erfolgreich sein. Die Volksbank Stade-Cuxhaven präsentierte kürzlich die Zahlen des vergangenen Jahres. Entgegen dem Bundestrend mit einem überraschenden Ergebnis.

Event an Ostern

Osterfeuer in Cuxhaven, Hadeln, Hemmoor und Lamstedt: Ein Überblick für 2026

Im ganzen Landkreis Cuxhaven erleuchten über Ostern 2026 zahlreiche Osterfeuer den Abend- und Nachthimmel. Die Übersicht von cnv-medien.de zeigt, wo Cuxhavener, Hadler, Lamstedter, Hemmoorer, alle anderen Cuxländer und Gäste am Feuer zusammenkommen.

Was jetzt helfen könnte

Mehr Schließungen als anderswo: Kreis Cuxhaven verliert ein Drittel seiner Apotheken

von Denice May

Die Apotheken im Kreis Cuxhaven kämpfen. Denn ohne Nachwuchs und mit stagnierenden Honoraren droht eine Verschlechterung der Versorgungslage, die besonders nachts und an Feiertagen spürbar wird. Aber es gibt Ideen, das Apothekensterben aufzuhalten.